Greifswalder Lebensretter geehrt: Global Sepsis Award

Der Welt-Sep­sis-Tag will auf das töd­li­che Gesund­heits­pro­blem auf­merk­sam machen: Die Blut­ver­gif­tung ist näm­lich eine der häu­figs­ten, jedoch oft fehl­dia­gnos­ti­zier­ten töd­li­chen Erkran­kun­gen.

Die World Health Assem­bly (WHA), das obers­te Ent­schei­dungs­or­gan der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), hat mit einer Reso­lu­ti­on im Mai die­ses Jah­res Sep­sis erst­mals als ein mit hoher Prio­ri­tät zu bekämp­fen­des Gesund­heits­pro­blem ein­ge­stuft. Sep­sis for­dert welt­weit jähr­lich min­des­tens sechs Mil­lio­nen Todes­fäl­le und gilt als die Num­mer eins bei den ver­meid­ba­ren Todes­ur­sa­chen. Die Glo­bal Sep­sis Alli­an­ce und die Welt-Sep­sis-Tag-Bewe­gung haben die Glo­bal Sep­sis Awards aus­ge­schrie­ben, um Initia­ti­ven zu wür­di­gen, die sich für eine Ver­bes­se­rung der Sep­sis­prä­ven­ti­on und die Behand­lung auf regio­na­ler, natio­na­ler oder inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ein­set­zen, indem sie Qua­li­täts­ver­bes­se­rungs­pro­gram­me initi­ie­ren. Die Glo­bal Sep­sis Award Jury aus inter­na­tio­nal aner­kann­ten Exper­ten für Pati­en­ten­si­cher­heit und Sep­sis-Manage­ment, so teilt die Uni­ver­si­tät Greifs­wald mit, wird den Glo­bal Sep­sis Award 2017 in der Kate­go­rie II (Organisationen/Institutionen) an die Qua­li­täts­ver­bes­se­rungs­in­itia­ti­ve „Sep­sis­dia­log“ der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald ver­ge­ben. Ver­lie­hen wird der Preis auf dem 8. Sep­sis-Kon­gress der Deut­schen Sep­sis-Gesell­schaft (DSG) in Wei­mar (06.–08.09.) (http://​sep​sis​-2017​.de/).

Die Greifs­wal­der Medi­zi­ner um Dr. Mat­thi­as Gründ­ling haben neue Maß­stä­be in der Bekämp­fung der weit ver­brei­te­ten Todes­ur­sa­che gesetzt“, beton­te Prof. Kon­rad Rein­hart vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Jena und Chair­man der Glo­bal Sep­sis Alli­an­ce. „Mit Unter­stüt­zung des Kli­ni­kums­vor­stan­des konn­ten sie auf­zei­gen, dass es wirk­sa­me Instru­men­te gibt, um eine Sep­sis erfolg­reich zu behan­deln, wenn sie recht­zei­tig erkannt wird. Die Greifs­wal­der Qua­li­täts­in­itia­ti­ve ist bei­spiel­haft und Vor­bild nicht nur für deut­sche Kran­ken­häu­ser, son­dern auch auf der inter­na­tio­na­len Ebe­ne.“ Für die Publi­ka­ti­on der Ergeb­nis­se des Greifs­wal­der Seps­si­dia­lo­ges im renom­mier­ten ame­ri­ka­ni­schen Wis­sen­schafts­jour­nal Cri­ti­cal Care Medi­ci­ne* wird der Greifs­wal­der Wis­sen­schaft­ler Dr. Chris­ti­an Scheer zeit­gleich mit dem Roger-Bone-Preis 2017 für eine her­aus­ra­gen­de Publi­ka­ti­on auf dem Gebiet der kli­ni­schen Sep­sis­for­schung im deutsch­spra­chi­gen Raum geehrt.

Zehn Jah­re Sep­sis­dia­log haben Hun­der­ten Pati­en­ten das Leben geret­tet
Der von Dr. Mat­thi­as Gründ­ling (Foto) aus der Kli­nik für Anäs­the­sio­lo­gie und Inten­siv­me­di­zin gelei­te­te „Sep­sis­dia­log“ an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald kann im zehn­ten Jahr sei­nes Bestehens auf gro­ße Erfol­ge zurück­bli­cken. Greifs­wal­der Wis­sen­schaft­lern des Sep­sis­dia­lo­ges, eines Qua­li­täts­pro­jek­tes zu Ver­bes­se­rung der Vor­beu­gung, Dia­gnos­tik und Behand­lung der Sep­sis an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald, ist es gelun­gen, die 90-Tage-Sterb­lich­keit von schwe­ren Ver­laufs­for­men (schwe­re Sep­sis, sep­ti­scher Schock) in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von 64,2 Pro­zent auf 45 Pro­zent zu redu­zie­ren und somit meh­re­ren Hun­dert Pati­en­ten das Leben zu ret­ten. „Durch inten­si­ve Schu­lungs­pro­gram­me zur Früh­erken­nung, mit einem PC-Pro­gramm zur Schnell­aus­wer­tung von Labor­wer­ten und eine zügi­ge Erst­be­hand­lung sep­ti­scher Pati­en­ten konn­te das Sep­sis-Not­fall­ma­nage­ment Schritt für Schritt opti­miert wer­den“, sag­te Initia­tor Dr. Mat­thi­as Gründ­ling.
„Die­se in Deutsch­land ein­ma­li­gen Ergeb­nis­se sind nur durch das lang­jäh­ri­ge gemein­sa­me Enga­ge­ment von Pfle­ge­kräf­ten, Ärz­ten, Hygie­ni­kern und Mikro­bio­lo­gen mög­lich gewor­den“, hob der Direk­tor der Kli­nik für Anäs­the­sio­lo­gie, Prof. Klaus Hah­nen­kamp, her­vor. In Deutsch­land haben 2013 die Kran­ken­häu­ser 270.000 Sep­sis­fäl­le gemel­det. Nahe­zu 80.000 Pati­en­ten über­leb­ten die Erkran­kung nicht.
Erfolgs­fak­to­ren in Greifs­wald, so die Uni­ver­si­tät, waren sys­te­ma­ti­sche Fall­ana­ly­sen zur Auf­de­ckung von Schwä­chen in den Behand­lungs­ab­läu­fen sowie die Ori­en­tie­rung und Ver­bes­se­rung der Dia­gno­se und The­ra­pie auf Basis der Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren, die natio­nal und inter­na­tio­nal vor­ge­ge­be­nen sind. Seit 2008 gibt es in Greifs­wald eine extra aus­ge­bil­de­te und vom Kli­ni­kum finan­zier­te „Sep­sis­schwes­ter“ und im Rah­men eines kran­ken­haus­wei­ten Auf­klä­rungs­pro­gramms wer­den Pfle­ge­kräf­te und Ärz­te regel­mä­ßig in der Früh­erken­nung und der Not­wen­dig­keit der Behand­lung der Sep­sis als Not­fall geschult.

Was ist eine Sep­sis?
Eine Sep­sis kann durch nahe­zu jede Infek­ti­ons­er­kran­kung aus­ge­löst wer­den, und ent­wi­ckelt sich oft­mals als Begleit­erschei­nung einer ande­ren Erkran­kung oder Ope­ra­ti­on. Die Sym­pto­me wer­den oft fehl­in­ter­pre­tiert und die Sep­sis des­halb zu spät erkannt. Die Sep­sis ist die aggres­sivs­te Form einer Infek­ti­on, her­vor­ge­ru­fen durch Mikro­or­ga­nis­men wie Bak­te­ri­en, Viren oder Pil­ze und deren Gif­te. Inner­halb weni­ger Stun­den wei­sen alle lebens­wich­ti­gen Orga­ne des Men­schen durch außer Kon­trol­le gera­te­ne Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen Stö­run­gen auf und dro­hen zu ver­sa­gen. Der Tod kommt qua­si im Zeit­raf­fer. Frü­he und oft im Kran­ken­haus­all­tag ver­kann­te Sym­pto­me einer Sep­sis, gera­de bei älte­ren Pati­en­ten, sind hohes Fie­ber, beschleu­nig­te Atmung, schnel­le­rer Herz­schlag, nied­ri­ger Blut­druck und nach­las­sen­de Urin­aus­schei­dung sowie sehr häu­fig Ver­wirrt­heit.

Wie die Welt gegen Sep­sis kämpft
Anläss­lich des jähr­li­chen Welt-Sep­sis-Tages am 13. Sep­tem­ber orga­ni­siert die Glo­bal Sep­sis Alli­an­ce zusam­men mit der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on am 12. Sep­tem­ber 2017 von 15 bis 22 Uhr einen inter­na­tio­na­len Sep­sis-Kon­gress (Online-Kon­gress). Sep­sis­ex­per­ten berich­ten über die glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen im Zusam­men­hang mit der Erkran­kung und neu­es­te wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se mit dem Schwer­punkt Früh­ge­bo­renen­sep­sis (Live und kos­ten­frei über https://​wsc​s​pot​light​.org/).

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen find­nen Sie unter:
http://​www​.sep​sis​dia​log​.de
https://​wsc​s​pot​light​.org/
http://​www​.sep​sis​-stif​tung​.eu
http://​www​.world​-sep​sis​-day​.org
http://​www​.sep​sis​-gesell​schaft​.de/​D​S​G​/​D​e​u​t​s​c​h​/​W​e​l​t​-​S​e​p​s​i​s​-​Tag
http://​www​.icos​mos​.uni​kli​ni​kum​-jena​.de/​W​i​l​l​k​o​m​m​e​n​.​h​tml

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