GroKo will Pflegekosten aus Fallpauschalen ausgliedern

Die neue Gro­ße Koali­ti­on will die Pfle­ge­kos­ten aus den Kran­ken­haus-Fall­pau­scha­len her­aus­neh­men. Die­ses Vor­ha­ben stößt auf ein­hel­li­ge Zustim­mung bei der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG) und beim Mar­bur­ger Bund (MB).

Wört­lich heißt es im Ent­wurf des Koali­ti­ons­ver­tra­ges zwi­schen CDU/CSU und SPD: „Künf­tig sol­len Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten bes­ser und unab­hän­gig von Fall­pau­scha­len ver­gü­tet wer­den. Die Kran­ken­haus­ver­gü­tung wird auf eine Kom­bi­na­ti­on von Fall­pau­scha­len und einer Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten­ver­gü­tung umge­stellt. Die Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten­ver­gü­tung berück­sich­tigt die Auf­wen­dun­gen für den kran­ken­haus­in­di­vi­du­el­len Pfle­ge­per­so­nal­be­darf. Die DRG-Berech­nun­gen wer­den um die Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten berei­nigt.“

Die vor­ge­se­he­ne Aus­glie­de­rung der Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten neben dem Fall­pau­scha­len­sys­tem stel­le eine grund­le­gen­de Neu­aus­rich­tung des 2003 ein­ge­führ­ten pau­scha­lie­ren­den, preis­ori­en­tier­ten Ver­gü­tungs­sys­tems dar, kom­men­tiert die DKG in einer aktu­el­len Mit­tei­lung. Das damit ver­folg­te Ziel, den kran­ken­haus­in­di­vi­du­el­len Per­so­nal­be­darf in sei­ner Grund­struk­tur unab­hän­gig von den Behand­lungs­fäl­len finan­zi­ell abzu­si­chern, ent­spre­che den Erwar­tun­gen der Beschäf­tig­ten und der Pati­en­ten in den Kli­ni­ken. Dies kön­ne aber nur gelin­gen, wenn eine gute Per­so­nal­aus­stat­tung nicht mit Recht­fer­ti­gungs­zwän­gen gegen­über den Kran­ken­kas­sen ver­knüpft wer­de. „Ein Per­so­nal­auf­bau in den Kli­ni­ken muss in die­sem Sys­tem belohnt wer­den“, betont DKG-Prä­si­dent Dr. Gerald Gaß.

Dr. Andre­as Botz­lar, 2. Vor­sit­zen­der des MB äußert ange­sichts des Vor­ha­bens Zuver­sicht, aber auch For­de­run­gen für die Zukunft: „Die im Ent­wurf des Koali­ti­ons­ver­tra­ges doku­men­tier­te Absicht, die Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten vom Fall­pau­scha­len-Sys­tem aus­zu­neh­men, kann der Auf­takt zu einer tat­säch­lich bedarfs­ori­en­tier­ten und weni­ger rein erlös­ori­en­tier­ten Per­so­nal­ermitt­lung der Kran­ken­häu­ser sein. Es wächst hof­fent­lich die Ein­sicht, dass Per­so­nal­kos­ten nicht in einem pau­scha­lier­ten Sys­tem bedarfs­ge­recht abge­bil­det wer­den kön­nen. Wir erwar­ten, dass in einem wei­te­ren Schritt sämt­li­che Per­so­nal­kos­ten außer­halb der DRG-Sys­te­ma­tik finan­ziert wer­den.“ Der Mar­bur­ger Bund wer­de wei­ter­hin dar­auf drän­gen, das flä­chen­de­ckend ange­wand­te Fall­pau­scha­len­sys­tem zur Abrech­nung sta­tio­nä­rer Leis­tun­gen durch ein dif­fe­ren­zier­tes, dem Ver­sor­gungs­be­darf ent­spre­chen­des Abrech­nungs­sys­tem zu erset­zen. Die Abkopp­lung der Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten kön­ne inso­fern nur ein ers­ter Schritt zur Reform der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung sein.

Der MB lob­te außer­dem, ein wirk­li­cher Fort­schritt sei­en die ange­kün­dig­te voll­stän­di­ge Refi­nan­zie­rung von Tarif­lohn­stei­ge­run­gen im Kran­ken­haus­be­reich und die damit ver­bun­de­ne Nach­weis­pflicht für die Kli­ni­ken. „Ziel muss es sein, die Arbeits­si­tua­ti­on aller Beschäf­tig­ten in den Kran­ken­häu­sern dau­er­haft zu ver­bes­sern. Vor allem dar­an wer­den wir die Poli­tik der neu­en Regie­rung mes­sen“, sag­te Botz­lar. „Grund­sätz­lich posi­tiv“ sieht auch die DKG die vor­ge­se­he­ne Aus­fi­nan­zie­rung der Tarif­lohn­stei­ge­run­gen.

Kri­tik bei Inves­ti­ti­ons­fi­nan­zie­rung und Büro­kra­tie

Doch natür­lich gibt es auch Kri­tik. „Bedau­er­lich ist, dass die drei Par­tei­en nicht den Mut hat­ten, bei der Inves­ti­ti­ons­fi­nan­zie­rung eine Bun­des­be­tei­li­gung mit­ein­zu­be­zie­hen. Nur die Bezug­nah­me auf den fort­ge­führ­ten Struk­tur­fonds wird der Pro­ble­ma­tik des Inves­ti­ti­ons­kos­ten­staus in kei­ner Wei­se gerecht“, stellt DKG-Prä­si­dent Gaß fest. Wie auch in Berei­chen des Schie­nen­ver­kehrs, der Schu­len und aller Bil­dungs­ein­rich­tun­gen bedür­fe es in den Kran­ken­häu­sern einer Auf­sto­ckung der Inves­ti­ti­ons­mit­tel. „Da die Län­der die­ser Auf­ga­be nicht gerecht wer­den, ist es drin­gend gebo­ten, dass der Bund sich betei­ligt“, for­dert Gaß. Für MB-Mann Botz­lar ist es ent­täu­schend, dass sich Uni­on und SPD nicht auf ein kon­kre­tes Pro­gramm zur Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung im Gesund­heits­we­sen ver­stän­di­gen konn­ten: „Die Büro­kra­tie beglei­tet uns Ärz­te im Arbeits­all­tag auf Schritt und Tritt. Der Auf­wand für admi­nis­tra­ti­ve Tätig­kei­ten bean­sprucht immer mehr Arbeits­zeit, die an ande­rer Stel­le fehlt, wo sie im Sin­ne des Pati­en­ten bes­ser ein­ge­setzt ist.“

(ms)

Quelle
CDU/CSU, SPD, DKG, MB
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