Guinness”-Weltrekord fürs Deutsche Herzzentrum Berlin

Das Deut­sche Herz­zen­trum Ber­lin hält einen offi­zi­el­len Rekord der „Guin­ness World of Records“-Gesellschaft: Nach sorg­fäl­ti­ger Prü­fung hat Kar­dio­tech­ni­ker Wolf­gang Bött­cher jetzt das offi­zi­el­le Zer­ti­fi­kat für die Herz-Lun­gen-Maschi­ne (HLM) mit dem welt­weit kleins­ten Füll­vo­lu­men erhal­ten.

Hin­ter die­sem exo­tisch klin­gen­den Welt­re­kord ste­hen jahr­zehn­te­lan­ge Ent­wick­lungs­ar­beit und die Mög­lich­keit, kom­pli­zier­te Herz­ope­ra­tio­nen an Neu­ge­bo­re­nen ohne Fremd­blut-Kon­ser­ven durch­füh­ren zu kön­nen.

Kom­ple­xe ange­bo­re­ne Herz­feh­ler müs­sen meist sehr bald nach der Geburt ope­riert wer­den. Dabei wird das Herz vor­über­ge­hend still­ge­legt und eine Herz-Lun­gen-Maschi­ne (HLM) ein­ge­setzt.

Die­se Maschi­ne muss vor­ab „befüllt“ wer­den, weil sie sonst Luft in den Kör­per pum­pen wür­de. Frü­her wur­de dazu Spen­der­blut ver­wen­det, das aber trotz sorg­fäl­tigs­ter Prü­fung noch immer ein Risi­ko für Infek­tio­nen und Unver­träg­lich­keits­re­ak­tio­nen birgt.

Heu­te wird zur Befül­lung der HLM des­halb meist eine ste­ri­le Elek­tro­lyt­lö­sung ein­ge­setzt. Die dadurch ver­ur­sach­te vor­über­ge­hen­de Ver­dün­nung des Blu­tes ist bei erwach­se­nen Pati­en­ten nach­weis­lich harm­los. Bei Neu­ge­bo­re­nen oder Klein­kin­dern wirkt sich eine sol­che Ver­dün­nung aber weit dras­ti­scher aus: Denn in den klei­nen Kör­pern zir­ku­lie­ren nur weni­ge hun­dert Mil­li­li­ter Blut (ca. 85 ml pro Kilo­gramm Kör­per­ge­wicht). Eine Vor­ab-Befül­lung mit Spen­der­blut war des­halb trotz aller Risi­ken und Nach­tei­le oft unum­gäng­lich.

Am Deut­schen Herz­zen­trum Ber­lin wird bereits seit vie­len Jah­ren inten­siv an der Ent­wick­lung und dem opti­ma­len Ein­satz von spe­zi­el­len HLM gear­bei­tet, die fremd­blut­freie Ein­grif­fe auch bei Neu­ge­bo­re­nen ermög­li­chen. Dabei arbei­ten Kar­dio­tech­ni­ker, Chir­ur­gen, Kin­der­kar­dio­lo­gen und Anäs­the­sis­ten gemein­sam mit den Her­stel­lern der Sys­te­me eng zusam­men.

Die wich­tigs­ten Bestand­tei­le einer HLM konn­ten ab einem bestimm­ten Punkt aber nicht wei­ter ver­klei­nert wer­den: die Pum­pe und der „Oxy­gena­tor“.

„Den größ­ten Anteil des Füll­vo­lu­mens einer Herz-Lun­gen-Maschi­ne bean­spru­chen aber gar nicht ihre ein­zel­nen Bestand­tei­le, son­dern die Schläu­che, die die Kom­po­nen­ten mit­ein­an­der ver­bin­den und die von der Herz-Lun­gen-Maschi­ne zum Pati­en­ten füh­ren“, schil­dert DHZB-Kar­dio­tech­ni­ker Bött­cher.

Ziel der Ent­wick­ler war es also, die Schlauch­ver­bin­dun­gen so kurz wie mög­lich zu hal­ten. Dazu müs­sen die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten der Herz-Lun­gen-Maschi­ne sehr dicht neben­ein­an­der ange­bracht und die Maschi­ne sehr nah am Ope­ra­ti­ons­tisch posi­tio­niert wer­den – ohne den Herz­chir­ur­gen all­zu sehr in sei­ner Bewe­gungs­frei­heit ein­zu­schrän­ken.

„Das mag zunächst rela­tiv sim­pel erschei­nen, ist aber in den Details eine Her­aus­for­de­rung“, so Bött­cher: „Von der zuver­läs­si­gen Funk­ti­on der Herz-Lun­gen-Maschi­ne hängt schließ­lich das Leben eines Kin­des ab. Jede Ver­än­de­rung an die­sem Sys­tem muss peni­bel genau geplant und umge­setzt wer­den.“

Die beharr­li­che Arbeit des fach­über­grei­fend zusam­men­ge­setz­ten Teams hat sich gelohnt. 73 Mil­li­li­ter Füll­vo­lu­men der Herz-Lun­gen-Maschi­ne sind nicht nur Welt­re­kord, son­dern erlau­ben die fremd­blut­freie OP selbst bei früh­ge­bo­re­nen Säug­lin­gen von unter 2000 Gramm Geburts­ge­wicht.

Inzwi­schen gilt das DHZB als welt­weit ein­zi­ges Herz­zen­trum, in dem fremd­blut­freie Ein­grif­fe bei Neu- und Früh­ge­bo­re­nen rou­ti­ne­mä­ßig und ohne Sicher­heits­ri­si­ko durch­ge­führt wer­den kön­nen.

„Wir kön­nen damit nicht nur die Infek­ti­ons- und Unver­träg­lich­keits­ri­si­ken mini­mie­ren, son­dern unse­ren Pati­en­ten häu­fig auch eine schnel­le­re Erho­lung nach der Ope­ra­ti­on ermög­li­chen“, sagt Prof. Joa­chim Pho­tia­dis, Lei­ter der Kli­nik für Kin­der­herz­chir­ur­gie am DHZB: „Denn es ist nach­ge­wie­sen, dass die nach der Ope­ra­ti­on erfor­der­li­che Beat­mungs­zeit beim Ver­zicht auf Fremd­blut durch­schnitt­lich kür­zer ist – und damit meist auch der Auf­ent­halt des Pati­en­ten auf der Inten­siv­sta­ti­on.“

Und auch für die kli­ni­schen Abläu­fe bie­tet die fremd­blut­freie Kin­der­herz­chir­ur­gie Vor­tei­le: Eine Herz-Lun­gen-Maschi­ne, die nicht mit Spen­der­blut befüllt wer­den muss, ist schnel­ler wie­der ein­setz­bar und steht für den nächs­ten Pati­en­ten rascher bereit.

Quelle
Deutsches Herzzentrum Berlin, 03.01.2018
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