Hebammen dringend gesucht: Personalmangel im Kreißsaal

Stei­gen­de Gebur­ten­zah­len sind eigent­lich ein Grund zur Freu­de. Doch vie­ler­orts feh­len Heb­am­men. So man­chen Kreiß­saal bringt das an sei­ne Kapa­zi­täts­gren­ze.

Schwan­ge­re Frau­en tele­fo­nie­ren sich bei der Suche nach einer Heb­am­me die Fin­ger wund, in vie­len Kreiß­sä­len herrscht Per­so­nal­man­gel: Bei der Geburts­hil­fe in Nord­rhein-West­fa­len läuft nicht alles rund. Eini­ge Geburts­kli­ni­ken stopp­ten in die­sem Jahr sogar zeit­wei­se die Auf­nah­me von Schwan­ge­ren, weil Heb­am­men fehl­ten.

So haben die bei­den größ­ten Geburts­kli­ni­ken in Köln ihre Kreiß­sä­le in den ver­gan­ge­nen Mona­ten mehr­fach vor­sorg­lich vom Ret­tungs­dienst abge­mel­det. Ret­tungs­wa­gen mit schwan­ge­ren Pati­en­tin­nen muss­ten in die­sen Fäl­len ande­re Kran­ken­häu­ser anfah­ren.

Es gebe einen bun­des­wei­ten Fach­kräf­te­man­gel bei Heb­am­men, der auch die Köl­ner Uni­kli­nik tref­fe, sagt ein Spre­cher. «Wenn es dann zu ver­mehr­ten Krank­mel­dun­gen kommt, kann dies zu einer schicht­wei­sen Abmel­dung des Kreiß­saals füh­ren.» Ähn­lich ist die Situa­ti­on im Kran­ken­haus Köln-Hol­wei­de: «Die Per­so­nal­de­cke ist dünn, wir suchen hän­de­rin­gend Nach­wuchs bei den Heb­am­men», schil­dert eine Spre­che­rin.

Und das bei stei­gen­den Gebur­ten­zah­len.

Das Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus Hagen-Has­pe muss­te sei­ne geburts­hilf­li­che Abtei­lung im Juni für ein Wochen­en­de «auf­grund von aku­tem Man­gel an Heb­am­men» schlie­ßen. «Wir haben gro­ße Schwie­rig­kei­ten, Heb­am­men zu fin­den», sagt der Medi­zi­ni­sche Geschäfts­füh­rer Frank Bess­ler. Da es kaum noch frei­be­ruf­lich täti­ge Beleg­heb­am­men gebe, die Ver­trä­ge mit Kli­ni­ken abschlie­ßen, habe sich die Situa­ti­on zuge­spitzt.

Dabei ist die Zahl der Heb­am­men in Kran­ken­häu­sern nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes sogar leicht gestie­gen – von 2365 im Jahr 2015 auf 2441 in 2016. Ein­schließ­lich der Selbst­stän­di­gen gebe es in NRW der­zeit etwa 5000 Heb­am­men, schätzt ihr Berufs­ver­band.

Doch die Zahl täu­sche, sagt Bar­ba­ra Blom­ei­er, Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­bands der Heb­am­men. Denn vie­le von ihnen arbei­te­ten in Teil­zeit. Und vie­le frei­be­ruf­li­che Heb­am­men hät­ten sich aus der Geburts­hil­fe zurück­ge­zo­gen und kon­zen­trier­ten sich auf die Vor- und Nach­be­treu­ung. Ein Grund dafür sei­en die hohen Haft­pflicht­prä­mi­en.

In den Kli­ni­ken sei das Per­so­nal häu­fig über­las­tet, der Stel­len­schlüs­sel redu­ziert, die Arbeits­be­din­gun­gen ent­spre­chend schlecht, kri­ti­siert Blom­ei­er. «Idea­ler­wei­se soll­te eine Heb­am­me für eine Geburt zustän­dig sein. Aber wenn eine Heb­am­me sich um fünf oder sechs Frau­en gleich­zei­tig küm­mern muss, wird die Sache ris­kant.»

Vor allem klei­ne­re Kran­ken­häu­ser haben teils Pro­ble­me, Geburts­hil­fe­ab­tei­lun­gen wirt­schaft­lich zu betrei­ben und genug Per­so­nal zu fin­den. Als Fol­ge haben eine Rei­he von Kli­ni­ken ihre Ent­bin­dungs­sta­tio­nen mitt­ler­wei­le kom­plett geschlos­sen. Nach Anga­ben des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums gibt es zur­zeit 150 geburts­hilf­li­che Abtei­lun­gen in NRW – Ende 2013 waren es noch 168. Allein in die­sem Jahr hät­ten sich bereits fünf Kli­ni­ken von der Geburts­hil­fe ver­ab­schie­det: In Men­den, Mesche­de, Emme­rich, Sankt Augus­tin und in Köln das St. Vin­zenz Hos­pi­tal. 

«Die Ver­sor­gung mit Geburts­hil­fe ist in NRW grund­sätz­lich sicher­ge­stellt, aber nicht immer in allen Regio­nen unse­res Lan­des gleich zufrie­den­stel­lend», teilt eine Spre­che­rin des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums mit. Minis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) habe nun eine Pro­jekt­grup­pe ein­ge­rich­tet, die «ein Kon­zept für eine aktua­li­sier­te, bedarfs­ge­rech­te und flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Geburts­leis­tun­gen» erar­bei­ten sol­le.

Zudem sei zum The­ma Heb­am­men­ver­sor­gung eine Stu­die an der Hoch­schu­le für Gesund­heit in Bochum in Arbeit. Auf Grund­la­ge die­ser Infor­ma­tio­nen wol­le das Land Maß­nah­men ergrei­fen, «um bestehen­de Eng­päs­se in der Ver­sor­gung mit Heb­am­men­hil­fe zu besei­ti­gen». Die Ergeb­nis­se der Stu­die wür­den aller­dings erst Ende 2019 erwar­tet.  (Petra Albers, dpa)

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