Heilung chronischer Wunden mit neuer Fischhaut-Matrix – vielversprechende Ergebnisse

Man­che Wun­den wer­den von Beginn an als chro­nisch ange­se­hen, da ihre Behand­lung eine The­ra­pie der bestehen­den Grund­er­kran­kung erfor­dert. Hier­zu zäh­len das dia­be­ti­sche Fuß­syn­drom, Wun­den bei peri­phe­rer arte­ri­el­ler Ver­schluss­krank­heit (pAVK) oder einem „offe­nen Bein“ auf­grund einer chro­nisch venö­sen Insuf­fi­zi­enz. Aber auch eine aku­te Wun­de nach einer OP oder einem Unfall kann sich mit einem oft schlei­chen­den, lang­wie­ri­gen Ver­lauf zu einer chro­ni­schen Wun­de ent­wi­ckeln.

Wir alle ken­nen das Prin­zip der Wund­hei­lung“, bringt Prof. Diethelm Tschö­pe die Sache auf den Punkt. „Nur eine Wun­de, die sich ver­schließt, kann hei­len.“ Nun gibt es lei­der Wun­den, bei denen der Hei­lungs­pro­zess so sehr gestört ist, dass sie sich über Wochen und Mona­te hin­aus nicht schlie­ßen. Man­fred Voigt (81) hat­te so ein Pro­blem mit einer Ver­let­zung, die am Fuß zwi­schen den Zehen auf­trat. Zunächst war das nur läs­tig. Je län­ger es dau­er­te, umso mehr beein­träch­tig­te die offe­ne Wun­de jedoch sei­ne Lebens­qua­li­tät. „Alle zwei Tage muss­te der Ver­band gewech­selt wer­den, über Mona­te hin­aus trat kei­ne Bes­se­rung ein.“

Sehr häu­fig ist eine Dia­be­teser­kran­kung die Ursa­che für eine gestör­te Wund­hei­lung. Auf­grund von Poly­neu­ro­pa­thi­en wer­den Wun­den mit­un­ter zu spät bemerkt und infi­zie­ren sich. „Je län­ger sich die Wund­hei­lung ver­zö­gert, umso grö­ßer wird das Pro­blem“, beschrei­ben die Ober­ärz­tin­nen Dr. Tania-Cris­ti­na Cos­tea und Dr. Katha­ri­na Kuc­zew­ski den typi­schen Ver­lauf.

Das Wund­hei­lungs­zen­trum des Dia­be­tes­zen­trums am HDZ NRW, Bad Oeyn­hau­sen, unter­sucht u.a. auch die bio­che­mi­schen Ver­än­de­run­gen, die chro­ni­sche Wun­den auf­wei­sen und die eine hei­len­de Zellak­ti­vi­tät im Bin­de­ge­we­be beein­träch­ti­gen. Beim Dia­be­ti­schen Fuß­syn­drom kann das zur Ampu­ta­ti­on ein­zel­ner Zehen, des Vor­fu­ßes oder des Gelenks füh­ren. „Zwar geht die Zahl der gro­ßen Ampu­ta­tio­nen zurück, aber die Anzahl der Minoram­pu­ta­tio­nen hat zuge­nom­men“, sagt Tschö­pe, Direk­tor des Dia­be­tes­zen­trums. Je mehr Zeit ver­geht, umso grö­ßer wird das Infek­ti­ons­ri­si­ko, die Ampu­ta­ti­on droht.

Wer des­halb län­ger als drei Mona­te an einer offe­nen Wun­de lei­det, soll­te sich in die Hän­de von Exper­ten bege­ben. Vor­zugs­wei­se hel­fen sol­che Ein­rich­tun­gen, die als ambu­lan­tes oder sta­tio­nä­res Wund­hei­lungs­zen­trum zer­ti­fi­ziert sind. Man­fred Voigt hat das erst nach einem Jahr getan. Und freu­te sich sehr, dass schon nach vier Wochen eine Lösung gefun­den war.

Effek­te nach sie­ben Tagen sicht­bar

Gehol­fen hat ihm eine neue The­ra­pie mit einem Trans­plan­tat, das aus Fisch­haut gewon­nen wird und die Haut­zel­len offen­sicht­lich beson­ders dazu anregt, wie­der zu wach­sen. Die zell­freie Col­la­gen­ma­trix sieht ein biss­chen aus wie ein Knä­cke­brot, sie wird über­lap­pend auf die gesäu­ber­te Wun­de gelegt und mit einem Ver­band fixiert. Sowohl ers­te For­schungs­er­geb­nis­se als auch die Erfah­run­gen im kli­ni­schen All­tag deu­ten an, dass die­se Art der Zell­mi­gra­ti­on und –pro­li­fe­ra­ti­on mög­li­cher­wei­se gegen­über ande­ren The­ra­pie­for­men über­le­gen sein könn­te. Das skan­di­na­vi­sche Pro­dukt stammt vom dort behei­ma­te­ten atlan­ti­schen Dorsch. Das Mate­ri­al ist ähn­lich wie die mensch­li­che Haut mit Poren durch­setzt und wirkt anti­bak­te­ri­ell. Die­se Merk­ma­le schei­nen eben­so wie die ent­hal­te­nen Ome­ga-3-Fett­säu­ren die Stamm­zell­ver­meh­rung und Wund­hei­lung zu för­dern.

Wei­te­re Stu­di­en­ergeb­nis­se müs­sen abge­war­tet wer­den“, betont Tschö­pe, der bis­her bei allen im Dia­be­tes­zen­trum behan­del­ten Pati­en­ten erfolg­rei­che Wund­ver­schlüs­se ver­zeich­net, dabei aber nicht außer Acht lässt, dass eine indi­vi­du­el­le Begut­ach­tung der Wun­de das A und O der The­ra­pie ist.

Wel­che Behand­lungs­form am bes­ten geeig­net ist, hängt von der Art und Tie­fe der Wun­de ab, von der mög­li­chen Grund­er­kran­kung des Pati­en­ten, aber auch vom Ort der Ver­let­zung. „An der Achil­les­seh­ne ist es im Ver­gleich zum Fuß­bal­len oder Bein denk­bar schwie­ri­ger, eine Gewe­be­brü­cke anzu­sie­deln, weil hier so gut wie kein Bin­de­ge­we­be vor­han­den ist.“

Obers­te Zie­le der moder­nen Wund­hei­lungs­ver­fah­ren sind der Wund­ver­schluss und Glied­ma­ßen­er­halt. Gro­ße Vor­tei­le bestehen in ihrer wie­der­hol­ten Anwen­dungs­mög­lich­keit, auch eine Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Metho­den ist je nach indi­vi­du­el­ler Wund­si­tua­ti­on mög­lich. „Ers­te Effek­te der Wund­hei­lung sind in der Regel nach sie­ben Tagen schon zu erken­nen, wenn die Wund­rän­der begin­nen, sich zu schlie­ßen.“

In vie­len Fäl­len hel­fen bereits viel Ruhe und ein kor­rekt ange­leg­ter Vaku­um­ver­band, um die Durch­blu­tung anzu­re­gen und die Wun­de zu ent­las­ten. Abge­stor­be­nes Gewe­be kann mit einer Maden­the­ra­pie berei­nigt, vor­han­de­nes mit Stamm­zel­len ange­regt wer­den. Bei venö­sen Wun­den hat sich die Kalt­plas­ma­be­hand­lung als wirk­sam erwie­sen. Für Man­fred Voigt hat die lang­wie­ri­ge Geschich­te mit sei­nem Fuß nach fast einem Jahr end­lich ein gutes Ende genom­men: „Beim nächs­ten Mal gehe ich gleich zum Spe­zia­lis­ten.“

Quelle
HDZ NRWUniversitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
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