Herausforderung Krebsprävention

Die Rate der Krebs­neu­erkran­kun­gen lie­ße sich um bis zu 45 Pro­zent sen­ken – wür­den alle Maß­nah­men der Krebs­prä­ven­ti­on kon­se­quent umge­setzt. Am 15. und 16. Febru­ar tagen im Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum inter­na­tio­nal aus­ge­wie­se­ne Exper­ten aus allen Gebie­ten der Krebs­prä­ven­ti­on. Ziel der For­scher ist es, gemein­sam Stra­te­gi­en zu ent­wi­ckeln, um die­ses enor­me Poten­ti­al in Zukunft bes­ser aus­zu­schöp­fen.

Ob sich Men­schen an die Emp­feh­lun­gen zur Krebs­prä­ven­ti­on hal­ten oder eben nicht, macht einen gewal­ti­gen Unter­schied: Um bis zu 45 Pro­zent lie­ße sich die Rate der Krebs­er­kran­kun­gen durch kon­se­quen­te Prä­ven­ti­on sen­ken. Dies ermit­tel­ten US-For­scher kürz­lich bei der Zusam­men­fas­sung meh­re­rer gro­ßer epi­de­mio­lo­gi­scher Stu­di­en. Zugleich schützt ein „krebs­ge­sun­der“ Lebens­stil auch vor ande­ren schwe­ren Krank­hei­ten, ins­be­son­de­re vor Herz-Kreis­lauf­er­kran­kun­gen. 

„Wir müs­sen das enor­me Poten­ti­al der Krebs­prä­ven­ti­on noch viel bes­ser aus­schöp­fen“, sagt Micha­el Bau­mann, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums (DKFZ). „Denn schließ­lich ist die bes­te Krebs­the­ra­pie, die Ent­ste­hung von Krebs zu ver­hin­dern, oder Metho­den zu ent­wi­ckeln, Krebs­er­kran­kun­gen so früh zu erken­nen, dass sie mit sehr gutem Erfolg mit den heu­ti­gen Metho­den behan­delt wer­den kön­nen. Bedau­er­li­cher­wei­se wird die­sem über­aus wich­ti­gen For­schungs­feld nach wie vor zu wenig Auf­merk­sam­keit geschenkt. Die Kon­fe­renz bie­tet uns die Gele­gen­heit, mit inter­na­tio­nal aus­ge­wie­se­nen Exper­ten aus allen Gebie­ten der Prä­ven­ti­ons­for­schung pas­sen­de Prä­ven­ti­ons­stra­te­gi­en zu dis­ku­tie­ren.“

Die bekann­ten evi­denz­ba­sier­ten Maß­nah­men, mit denen jeder ein­zel­ne sein indi­vi­du­el­les Krebs­ri­si­ko redu­zie­ren kann, bezeich­nen Medi­zi­ner als Pri­mär­prä­ven­ti­on. Sie ver­hin­dern, dass Krebs ent­steht: Tabak und Alko­hol mei­den, kör­per­lich aktiv sein, Gemü­se dem roten Fleisch vor­zie­hen, Imp­fun­gen wahr­neh­men. Als Sekun­där­prä­ven­ti­on gel­ten Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen, die Krebs­vor­stu­fen in einem heil­ba­ren Sta­di­um auf­spü­ren. Doch die­se indi­vi­du­el­len Initia­ti­ven rei­chen nicht aus, um die Prä­ven­ti­on in die brei­te Bevöl­ke­rung zu tra­gen, führt Ernest Hawk vom MD Ander­son Can­cer Cen­ter in Hous­ton in sei­nem Eröff­nungs­vor­trag aus. Um ins­be­son­de­re die benach­tei­lig­ten Grup­pen zu errei­chen, müs­sen Poli­tik und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen unter­stüt­zen­de Ange­bo­te und Pro­gram­me lie­fern. 

Liegt Krebs in der Fami­lie, so sind spe­zi­el­le Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men erfor­der­lich. Liegt gar eine Muta­ti­on der „Brust­krebs­ge­ne” BRCA 1 oder BRCA 2 vor, so ist der radi­kals­te Weg, das per­sön­li­che Krebs­ri­si­ko zu redu­zie­ren, die chir­ur­gi­sche Ent­fer­nung bei­der Brüs­te und der Eier­stö­cke. Dies ist für Frau­en eine fast unzu­mut­ba­re Ent­schei­dung, erst recht, wenn das gene­ti­sche Risi­ko mög­li­cher­wei­se gar nicht stark aus­ge­prägt ist. Judy Gar­ber, Dana Faber Can­cer Insti­tu­te, Bos­ton, stellt eine Viel­zahl von Stu­di­en vor, die alter­na­ti­ve Ansät­ze zur Reduk­ti­on des Brust- und Eier­stock­krebs­ri­si­kos von Frau­en mit gene­ti­scher Prä­dis­po­si­ti­on prü­fen. Dazu zählt der Ein­satz von Imp­fun­gen oder ver­schie­de­nen Wirk­stof­fen gegen krebs­trei­ben­de Gen­pro­duk­te.

Vie­le Men­schen tra­gen nicht in all ihren Kör­per­zel­len iden­ti­sches Erb­gut, son­dern ihr Kör­per gleicht einem gene­ti­schen Mosa­ik. Dies ent­steht, wenn in einem frü­hen Ent­wick­lungs­sta­di­um eine der embryo­na­len Zel­len einen Teil eines Chro­mo­soms ver­liert. Seit eini­gen Jah­ren ist bekannt, dass ein Gen-Mosa­ik mit erhöh­ten Krebs­ri­si­ken in Ver­bin­dung steht. Ste­phen Cha­nock, Natio­nal Can­cer Insti­tu­te, Rock­vil­le, USA, erkann­te, dass eini­ge Mosa­ik-Typen Risi­ko­mar­ker für bestimm­te Krebs­ar­ten dar­stel­len. Damit konn­te der US-For­scher Per­so­nen­grup­pen mit einem bis­lang nicht bekann­ten erhöh­ten Krebs­ri­si­ko iden­ti­fi­zie­ren, die eine beson­ders inten­si­ve Früh­erken­nung wahr­neh­men soll­ten.

Als Chemo­prä­ven­ti­on bezeich­nen For­scher die Mög­lich­keit, die Krebs­ent­ste­hung durch Medi­ka­men­te und Wirk­stof­fe zu ver­hin­dern. So könn­ten Tam­oxi­fen und Aro­ma­ta­se-Inhi­bi­to­ren vor Brust­krebs schüt­zen – haben aber teil­wei­se schwer­wie­gen­de Neben­wir­kun­gen. Des­we­gen ist sorg­fäl­tig abzu­wä­gen, wel­che Frau­en tat­säch­lich davon pro­fi­tie­ren. Jack Cuzick, vom Wolf­s­on Insti­tu­te of Pre­ven­ti­ve Medi­ci­ne in Lon­don, hat ein Ent­schei­dungs­mo­dell ent­wi­ckelt, das anhand einer aus­führ­li­chen Fami­li­en­ana­mne­se Frau­en mit sehr hohem Risi­ko iden­ti­fi­ziert. Nun stellt er vor, wie die Ein­be­zie­hung von Brust­dich­te und gene­ti­schem Risi­ko­mar­ker-Pro­fil die Aus­sa­ge­kraft der Berech­nung wei­ter stei­gert.

Unter „ter­tiä­rer Prä­ven­ti­on“ ver­ste­hen Exper­ten, das Fort­schrei­ten einer Krebs­er­kran­kung zu ver­lang­sa­men und zu ver­hin­dern, dass der Tumor wie­der­kehrt. So hängt die Lang­zeit­pro­gno­se bei Brust­krebs wesent­lich vom mole­ku­la­ren Tumor­typ ab, von sei­ner Grö­ße und sei­nem Sta­di­um bei der Erst­dia­gno­se. Aber dar­über hin­aus spie­len Fak­to­ren, die jede Betrof­fe­ne selbst in der Hand hat, eine wesent­li­che Rol­le, ob der Krebs zurück­kehrt. Jen­ny Chang Clau­de vom DKFZ wer­te­te die Lang­zeit­er­geb­nis­se der MARIE-Stu­die aus und stell­te dabei fest: Auch der Lebens­stil nach der Dia­gno­se hat einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Brust­krebssterb­lich­keit.

Zum Abschluss der Tagung ent­wi­ckelt Her­mann Bren­ner, eben­falls DKFZ, am Bei­spiel Darm­krebs ein inte­grier­tes Modell für die Krebs­prä­ven­ti­on der Zukunft: Was lie­ße sich errei­chen, wür­den alle Maß­nah­men der Pri­mär-, Sekun­där- und Ter­tiärprä­ven­ti­on, also Vor­beu­gung, Früh­erken­nung und Rück­fall­pro­phy­la­xe, kon­se­quent umge­setzt? Der Prä­ven­ti­ons­ex­per­te setzt sich dafür ein, dass die­se inte­grier­te Stra­te­gie auch in die brei­te Gesund­heits- und Pati­en­ten­ver­sor­gung Ein­gang fin­det.

Quelle
www.dkfz.de
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