Hirnmetastasen gezielt behandeln, das Gehirn schützen

Unter der wis­sen­schaft­li­chen Schirm­herr­schaft der Deut­schen Gesell­schaft für Neu­ro­chir­ur­gie und der Deut­schen Gesell­schaft für Radioon­ko­lo­gie haben inter­na­tio­na­le Exper­ten in Frank­furt die neus­ten Behand­lungs­me­tho­den und Stu­di­en­ergeb­nis­se im Kampf gegen Hirn­me­ta­sta­sen prä­sen­tiert und dis­ku­tiert.

Die Dia­gnos­tik und The­ra­pie von Hirn­tu­mo­ren hat sich in den letz­ten Jah­ren rasant wei­ter­ent­wi­ckelt. Mole­ku­la­re Signa­tu­ren, neue bild­ge­ben­de Ver­fah­ren, inno­va­ti­ve Ope­ra­ti­ons- und Bestrah­lungs­tech­ni­ken sowie ziel­ge­rich­te­te Medi­ka­men­te ermög­li­chen eine zuneh­mend auf den indi­vi­du­el­len Pati­en­ten zuge­schnit­te­ne Behand­lung.

Hoch­prä­zi­si­ons­be­strah­lung zur geziel­ten und hoch­do­sier­ten Meta­sta­sen­the­ra­pie

Zu den auf dem Sym­po­si­um dis­ku­tier­ten Behand­lun­gen zählt unter ande­rem die ste­reotak­ti­sche Hoch­prä­zi­si­ons­be­strah­lung, die soge­nann­te Radio­chir­ur­gie, die eine geziel­te The­ra­pie des Tumors bei weit­ge­hen­der Scho­nung des gesun­den Hirn­ge­we­bes ermög­licht. Bei die­sem Ver­fah­ren wird in nur ein bis drei Sit­zun­gen unter drei­di­men­sio­nal exak­ter Ziel­lo­ka­li­sa­ti­on eine direkt tumor­zer­stö­ren­de („abla­ti­ve“) Dosis appli­ziert. Der genaue Ziel­punkt wird mit bild­ge­ben­den Ver­fah­ren – wie zum Bei­spiel der Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie – prä­zi­se bestimmt.

Das Ver­fah­ren wird bei limi­tier­ter Meta­sta­sen­bil­dung (typi­scher­wei­se bei ein bis drei Meta­sta­sen) im Gehirn ange­wandt, wie sie zum Bei­spiel bei Lun­gen-, Brust- und bös­ar­ti­gem Haut­krebs häu­fig vor­kommt. Eine frü­her übli­che Ganz­hirn­be­strah­lung mit nicht sel­ten auf­tre­ten­der Abge­schla­gen­heit bis zu neu­ro­ko­gni­ti­ven Defi­zi­ten kann dabei ver­mie­den wer­den. Die Hoch­prä­zi­si­ons­strah­len­the­ra­pie kommt auch nach mikro­chir­ur­gisch ent­fern­ten Hirn­me­ta­sta­sen als geziel­te Bestrah­lung des soge­nann­ten Tumor­betts zum Ein­satz, um Lokal­re­zi­di­ve nach allei­ni­ger Ope­ra­ti­on zu ver­mei­den.

Ganz­hirn­be­strah­lung mit Hip­po­cam­pus-Scho­nung und simul­tan inte­grier­tem Boost

Ist auf­grund der nume­ri­schen Viel­zahl der Hirn­me­ta­sta­sen eine fokus­sier­te Bestrah­lung der Ein­zel­me­ta­sta­sen nicht mög­lich oder sinn­voll, erlau­ben neue Rota­ti­ons­tech­ni­ken zur inten­si­täts­mo­du­lier­ten Strah­len­the­ra­pie des Ganz­hirns eine selek­ti­ve Scho­nung des soge­nann­ten Hip­po­cam­pus als Steu­er­zen­tra­le des Gedächt­nis­ses. Gleich­zei­tig kann die Dosis im Bereich der Hirn­me­ta­sta­sen erhöht wer­den (soge­nann­ter simul­tan inte­grier­ter Boost), um die Dosis­ver­tei­lung für den indi­vi­du­el­len Pati­en­ten zu opti­mie­ren.

Frank­fur­ter Wis­sen­schaft­ler wir­ken außer­dem an Stu­di­en mit, die neu­ar­ti­ge Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pi­en unter­su­chen. Anti­kör­per und Immun­the­ra­pi­en wer­den gemein­sam mit hoch­do­sier­ter, hoch­fo­kus­sier­ter Strah­len­the­ra­pie bei pri­mä­ren Hirn­tu­mo­ren und Hirn­me­ta­sta­sen ein­ge­setzt. Durch die Kom­bi­na­ti­on erhof­fen sich die For­scher sich einen syn­er­gis­ti­schen Effekt, der die Wirk­sam­keit der neu­en Immun­the­ra­pi­en bzw. Anti­kör­per­the­ra­pi­en bzw. der Strah­len­the­ra­pie ver­stär­ken soll.

Quelle
Universitätsklinikum Frankfurt
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