Höhere Patientensicherheit bei neurochirurgischen Operationen

Als eine der ers­ten Ein­rich­tun­gen bun­des­weit tes­tet das Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ulm ein neu­es robo­ti­sches Visua­li­sie­rungs­sys­tem. Damit sol­len sich Tumo­ren und Blut­ge­fä­ße künf­tig noch effi­zi­en­ter und siche­rer ope­rie­ren las­sen. Das ers­te Fazit der Ulmer Neu­ro­chir­ur­gen: Sowohl die Qua­li­tät der Pati­en­ten­ver­sor­gung als auch die Aus­bil­dung der Stu­die­ren­den wird von dem neu­en Gerät pro­fi­tie­ren.

Seit Anfang Juli set­zen die Neu­ro­chrir­ur­gen am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ulm das neue High-Tech-Visua­li­sie­rungs­sys­tem Zeiss Kine­vo 900 ein. Die größ­ten Vor­tei­le: Bei dem neu­en Sys­tem ist der Ope­ra­teur nicht mehr aus­schließ­lich auf den stän­di­gen Blick durch die Optik ange­wie­sen. Da hier die opti­sche mit einer digi­ta­len Visua­li­sie­rung kom­bi­niert ist, kann der Chir­urg ein­fach die exter­nen Moni­to­re benut­zen, die von zwei hoch­auf­lö­sen­den 4K-Kame­ras gespeist wer­den.

Vor allem bei sehr schrä­gen Blick­win­keln war die rein opti­sche Sicht bis­her ein Pro­blem, da der Ope­ra­teur nicht gleich­zei­tig durchs Mikro­skop schau­en und wei­ter­ope­rie­ren konn­te. Jetzt kann er viel ergo­no­mi­scher arbei­ten, muss den Hals nicht ver­ren­ken und behält trotz­dem die Über­sicht: Ein Plus an Sicher­heit für den Pati­en­ten. Außer­dem ist das Mikro­skop mit akti­ven, robo­ti­schen Gelen­ken aus­ge­stat­tet und kann so zuvor geplan­te Wege aktiv anfah­ren, den Ope­ra­teur also sozu­sa­gen sicher ans Ziel füh­ren.

Mühe­los um die Ecke sehen

Zu sei­nem ers­ten Ein­satz kam das High-Tech-Instru­ment im Ope­ra­ti­ons­saal von Prof. Rai­ner Wirtz und Prof. Tho­mas Kapa­pa. An der Kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie mach­ten sich die bei­den Ärz­te für das Ver­schlie­ßen eines krank­haft erwei­ter­ten Blut­ge­fä­ßes (Aneu­rys­ma) eine wei­te­re tech­ni­sche Eigen­schaft des Mikro­skops zunut­ze. „Mit dem inte­grier­ten Mikro-Inspek­ti­ons­tool kann man nun mühe­los ‚um die Ecke sehen‘, ohne die Mikro­skop-Sicht auf­ge­ben zu müs­sen. Durch die­sen Blick hin­ter die krank­haf­te Aus­sa­ckung lässt sich sicher­stel­len, dass kein wei­te­res wich­ti­ges Gefäß beein­träch­tigt ist“, erklär­te Wirtz, der Ärzt­li­che Direk­tor der Kli­nik. „Wäh­rend der Ope­ra­tio­nen grei­fen wir zusätz­lich auf das inte­grier­te Gefäß­bild­ge­bungs­ver­fah­ren, eine Fluo­res­zenz-Angio­gra­phie, zurück. Durch Kon­trast­mit­tel ange­färb­te Tumo­ren oder die Durch­blu­tung von Gefä­ßen las­sen sich jetzt noch viel deut­li­cher dar­stel­len, was uns Chir­ur­gen wie­der­um mehr Gewiss­heit bei Ent­schei­dun­gen ver­schafft“.

Von dem neu­en Visua­li­sie­rungs­sys­tem pro­fi­tie­ren nicht nur Pati­en­ten und Chir­ur­gen. Stu­die­ren­de oder ande­res OP-Per­so­nal kön­nen den Ein­griff über zwei Video­ka­me­ras, die die Bil­der in hoch­auf­lö­sen­der 4K-Qua­li­tät auf zwei Moni­to­ren pro­ji­zie­ren, live beob­ach­ten. Ins­be­son­de­re die mikro­chir­ur­gi­schen OP-Schrit­te kön­nen jetzt wesent­lich leich­ter und sehr plas­tisch nach­ver­folgt wer­den. „Der Lern­ef­fekt steigt durch die bes­se­re visu­el­le Dar­stel­lung um ein Viel­fa­ches“, so Wirtz.

Nach der Test­pha­se sol­len noch wei­te­re Funk­tio­nen akti­viert wer­den, berich­te­te der Neu­ro­chir­urg: „In Zukunft wer­den wir wäh­rend der Ope­ra­ti­on wei­te­re Infor­ma­tio­nen wie MRT-Befun­de oder Pla­nungs­da­ten gleich­zei­tig mit den Mikro­skop-Bil­dern ein­blen­den kön­nen. Damit kön­nen wir ein­fa­cher und siche­rer durch die ana­to­mi­schen Struk­tu­ren navi­gie­ren.“

Quelle
Universitätsklinikum Ulm
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