Hörverlust und Tinnitus durch Umweltlärm: Review offenbart unzureichende Datenlage

Hör­ver­lust und Expo­si­ti­on zu Umwelt­lärm wer­den zuneh­mend als Pro­ble­me der all­ge­mei­nen Gesund­heit (an-)erkannt. Eine aktu­el­le Stu­die wid­me­te sich dem Zusam­men­hang zwi­schen Hör­ver­lust und Tin­ni­tus und nicht berufs­bed­in­tem Lärm.

Hör­ver­lust wird als Ver­schlech­te­rung der Hör­schär­fe defi­niert und wird übli­cher­wei­se durch einen Anstieg der Hör­schwel­le dar­ge­stellt. Tin­ni­tus, defi­niert als „Klin­geln im Ohr“, ist ein weit ver­brei­te­ter und ein sich oft­mals sehr stö­rend aus­wir­ken­der Beglei­ter des Hör­ver­lus­tes.

In einer kürz­lich ver­öf­fent­li­chen Stu­die haben Oto­la­ryn­go­lo­gen und Umwelt­me­di­zi­ner unter­sucht, ob sich das Ver­hält­nis zwi­schen Lärm­ex­po­si­ti­on und deren Aus­wir­kung auf den Men­schen auch von nicht berufs­be­ding­tem Lärm und dau­er­haf­tem Hör­ver­lust oder Tin­ni­tus her­lei­ten lässt. Die Auto­ren unter­nah­men hier­zu eine umfa­sen­de Recher­che in medi­zi­ni­schen und ande­ren Daten­ban­ken (PubMed, Web of Sci­ence, Sco­pus); die Suche war nicht auf einen bestimm­ten Zeit­raum begrenzt, abge­se­hen von der Suche nach Aus­wir­kung von so genann­ten PLDs (per­so­nal lis­ten­ing devices). Letz­te­re Suche war auf die Zeit zwi­schen 2008 und 2015 begrenzt, da das vor­he­ri­ge Wis­sen um die­sen Zusam­men­hang im deskrip­ti­ven, systema­tischen Review SCENIHR zusam­men­ge­fasst und im Jah­re 2008 publi­ziert wor­den war.

Die Inklu­si­ons­kri­te­ri­en lau­te­ten fol­gen­der­ma­ßen: Lärm­ex­po­si­ti­on wur­de in Schall­druck gemes­sen und in indi­vi­du­ell-äqui­va­len­ten Dezi­bel-Wer­ten aus­ge­drückt; die recher­chier­ten Unter­su­chun­gen muss­ten die expo­nier­te Grup­pe sowie eine Refe­renz­grup­pe erfas­sen; als Aus­wir­kung wur­de ein per­ma­nen­ter Gesund­heits­scha­den defi­niert und unter­sucht, bei­spiels­wei­se ein dau­er­haf­ter Hör­ver­lust mit­tels Rein­to­nau­dio­me­trie und/oder ein anhal­ten­der Tin­ni­tus mit­tels eines Fra­ge­bo­gens.

Die Ein­schluss­kri­te­ri­en wur­den durch zwei unab­hän­gi­ge Review­er eva­lu­iert. Das Ver­zer­rungs­po­ten­zi­al wur­de bei allen Ver­öf­fent­li­chun­gen unter Anwen­dung eines Tem­pla­tes für die Unter­su­chung von Qua­li­tät wie auch für das Ver­zer­rungs­ri­si­ko eva­lu­iert. Zur Unter­su­chung der all­ge­mei­nen Evi­denz der Stu­di­en fand GRADE (gra­ding of recom­men­da­ti­ons assess­ment, deve­lop­ment, and eva­lua­ti­on) Anwen­dung. Auf­grund der metho­di­schen Hete­ro­ge­ni­tät der unter­such­ten Stu­di­en und der Inad­äquat­heit der Daten war eine Meta­ana­ly­se nicht mög­lich.

Von den 220 iden­ti­fi­zier­ten Fund­stel­len erfüll­ten ledig­lich 5 Stu­di­en die genann­ten Ein­schluss­kri­te­ri­en. Die­se Stu­di­en bezo­gen sich auf den Gebrauch von PLDs und umfass­ten ins­ge­samt 1551 Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne. Es konn­te eine posi­ti­ve Kor­re­la­ti­on zwi­schen Lärm­pe­gel und Hör­ver­lust (ent­we­der in Bezug auf Stan­dard- oder Hoch­fre­quenz­tö­ne) nach­ge­wie­sen wer­den. In einer Stu­die offen­bar­te sich auch ein posi­ti­ver Zusam­men­hang zwi­schen der Dau­er des PLD-Gebrauchs und dem Hör­ver­lust. Für den Zusam­men­hang zwi­schen län­ge­rem lau­ten Musik­hö­ren und dem Auf­tre­ten von Tin­ni­tus fan­den sich kei­ne Bele­ge, bzw. waren die Ergeb­nis­se wider­sprüch­lich.

Ins­ge­samt war die Evi­denz von eher gerin­ge­rer Qua­li­tät. Unter Anwen­dung stren­ger Inklu­si­ons­kri­te­ri­en zeigt sich durch GRADE nur eine nied­rig­wer­ti­ge Evi­denz für den Zusam­men­hang zwi­schen lau­tem Musik­ge­nuss über PLDs und dem erhöh­ten Risi­ko für Hör­ver­lust. Die Auto­ren geben die Emp­feh­lung, dass wei­te­re Stu­di­en durch­ge­führt wer­den soll­ten, um umsetz­ba­re Emp­feh­lun­gen für PLD-Anwen­der machen zu kön­nen. (am)

Quel­le: Sli­win­s­ka-Kowal­ska et al. Int J Envi­ron Res Public Health. 2017 Sep 27;14(10).

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