Hyaluronpartys”: WDR deckt gefährliche Kosmetiker-Seminare auf

Spa­re bis zu 70%“ – Fal­ten­be­hand­lun­gen mit Hyaluron­säu­re wer­den auf Inter­net-Por­ta­len und in Ein­kaufs­stra­ßen zu Son­der­prei­sen ange­bo­ten.

Dass hin­ter die­sen Ange­bo­ten nicht immer eine medi­zi­ni­sche Aus­bil­dung steht, hat das WDR-Maga­zin „Markt“ in sei­ner aktu­el­len Aus­ga­be berich­tet. „Der WDR hat unse­re schlimms­ten Befürch­tun­gen bestä­tigt“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h. c. Ray­mund E. Horch, Prä­si­dent der Deut­schen Gesell­schaft der Plas­ti­schen, Rekon­struk­ti­ven und Ästhe­ti­schen Chir­ur­gen (DGPRÄC). „In kur­zen Semi­na­ren brin­gen Heil­prak­ti­ke­rin­nen den Kurs­teil­neh­me­rin­nen bei, wie man Hyaluron­säu­re unter die Haut spritzt – und zwar am leben­den Pati­en­ten. Das ist unglaub­lich und gefähr­lich.“

Risi­ken bei man­geln­dem Ana­to­mie-Wis­sen

Das Unter­sprit­zen von Hyaluron­säu­re ist Heil­prak­ti­kern erlaubt. Laut WDR-Bericht besuch­ten jedoch auch Kos­me­ti­ke­rin­nen, Nagel­de­si­gne­rin­nen und Fuß­pfle­ge­rin­nen das Semi­nar. „Wenn Lai­en nach nur zwei Stun­den Theo­rie Sprit­zen in das Gesicht einer Pati­en­tin set­zen, ist dies ver­ant­wor­tungs­los“, betont Prof. Horch. Es brau­che Jah­re, bis ein Arzt die Gesichts­ana­to­mie so gut ken­ne, dass er einen Pati­en­ten behand­le. „Wenn Sie Hyaluron­säu­ren aus Ver­se­hen in ein Blut­ge­fäß oder in einen Nerv sprit­zen, kann dies erns­te Fol­gen haben. Tei­le des Gesichts kön­nen abster­ben – oder Sie kön­nen erblin­den.“ Ein Laie kön­ne die Gefah­ren weder abschät­zen noch die Fol­gen einer feh­ler­haf­ten Unter­sprit­zung behan­deln. Das güns­ti­ge Hyaluron­säu­re-Ange­bot kön­ne für den Pati­en­ten so schnell zu einer gro­ßen Gefahr wer­den.

Kos­me­ti­ker dür­fen nicht sprit­zen

Heil­prak­ti­ke­rin­nen und Heil­prak­ti­ker dür­fen Hyaluron­säu­re unter­sprit­zen, da es sich um kein Arz­nei­mit­tel han­delt. Botu­li­n­um­to­xin hin­ge­gen dür­fen nur Ärz­te unter­sprit­zen. „Wir beob­ach­ten trotz­dem die zahl­rei­chen Heil­prak­ti­ker-Ange­bo­te mit Sor­ge“, warnt der Plas­ti­sche Chir­urg Prof. Horch. Man müs­se bei die­sen Ein­grif­fen sehr genau Bescheid wis­sen über den Ver­lauf von Ner­ven, Mus­keln und Blut­ge­fä­ßen sowie über die ver­schie­de­nen Schich­ten der Haut. „Außer­dem haben die Deut­schen Heil­prak­ti­ker­ver­bän­de (DDH) 2008 betont, dass es nicht zum Auf­ga­ben­ge­biet eines Heil­prak­ti­kers gehö­re, Schön­heits­ope­ra­tio­nen durch­zu­füh­ren.“ Kos­me­ti­ke­rin­nen und Kos­me­ti­ker hin­ge­gen dür­fen kei­ne Hyaluron­säu­re unter­sprit­zen. Dies hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he 2012 bestä­tigt (4 U 197/11). Den­noch fin­den sich immer wie­der ent­spre­chen­de Ange­bo­te. „Die Dun­kel­zif­fer ist hier wahr­schein­lich hoch“, fürch­tet Prof. Horch.

Anbie­ter sorg­fäl­tig aus­wäh­len

Wer sich für eine Hyaluron­säu­re-Behand­lung inter­es­siert, soll­te daher nicht nur auf den Preis ach­ten. „Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten soll­ten sich für die Wahl des Anbie­ters Zeit las­sen.“ rät Prof. Horch. „Stel­len Sie sicher, dass Ihr Arzt weiß, was er tut. Ein Fach­arzt für Plas­ti­sche und Ästhe­ti­sche Chir­ur­gie ver­fügt nicht nur über das nöti­ge ana­to­mi­sche Wis­sen, son­dern kann bei Kom­pli­ka­tio­nen auch schnel­le Hil­fe leis­ten.“

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