Industrielle Luftverschmutzung: Extra-Emissionen bislang wenig beachtet

Als im August des ver­gan­ge­nen Jah­res der Hur­ri­kan Har­vey auf den US-Bun­des­staat Texas traf, wur­den dor­ti­ge Indus­trie­an­la­gen für ein paar Tage her­un­ter­ge­fah­ren.  Beim Neu­start pro­du­zier­ten sie fast 2000 Ton­nen “Extra-Emis­sio­nen” – Luft­schad­stof­fe zusätz­lich zu denen, die ihnen unter nor­ma­len Arbeits­be­din­gun­gen erlaubt sind.

Eine Stu­die von Wis­sen­schaft­lern der India­na Uni­ver­si­ty (IU) zeigt nun, dass die­se Extra-Emis­sio­nen – die beim Her­un­ter­fah­ren, bei Wie­der­in­be­trieb­nah­me und Fehl­funk­tio­nen nicht nur im Zusam­men­hang mit Natur­ka­ta­stro­phen auf­tre­ten – wesent­lich zur Luft­ver­schmut­zung ins­ge­samt bei­tra­gen kön­nen. Bis­lang aller­dings sei sol­chen zusätz­li­chen Belas­tun­gen weder von der For­schung noch von den Behör­den gro­ße Beach­tung geschenkt wor­den, erklä­ren die Auto­ren der aktu­el­len Arbeit. Nur in drei US-Bun­des­staa­ten – Texas, Loui­sia­na und Okla­ho­ma – wür­den Extra-Emis­sio­nen der Indus­trie sys­te­ma­tisch beob­ach­tet, doku­men­tiert und die Daten öffent­lich gemacht.

Die­se Emis­sio­nen sind signi­fi­kant”, erklärt Niko­la­os Ziro­gi­an­nis, Wis­sen­schaft­ler an der IU School of Public and Envi­ron­men­tal Affairs und Autor der Stu­die. „Sie tre­ten beim Betrei­ben von Indus­trie­an­la­gen regel­mä­ßig auf. Ein sin­gu­lä­res Ereig­nis, das von weni­gen Stun­den bis zu meh­re­ren Tagen dau­ert, kann gro­ße Men­gen von Emis­sio­nen her­vor­ru­fen.” Die­se kön­nen schwer­wie­gen­de Fol­gen haben. Bestand­teil der kürz­lich in „Envi­ron­men­tal Sci­ence and Tech­no­lo­gy“ ver­öf­fent­lich­ten Stu­die ist auch eine Ana­ly­se, die zu dem Schluss kommt, dass Extra-Emis­sio­nen in Texas Kos­ten von etwa 150 Mio. US-$ jähr­lich wegen gesund­heit­li­cher Fol­gen ver­ur­sa­chen.

Laut den Stu­di­en­au­to­ren han­delt es sich bei ihrer Arbeit um die ers­te Unter­su­chung, in der eine Rei­he von Luft­schad­stof­fen aus unter­schied­li­chen Indus­trie­zwei­gen über einen gan­zen Zeit­raum (2002–2016) unter die Lupe genom­men wur­de. Zu den unter­such­ten Indus­trie­zwei­gen gehö­ren neben Raf­fi­ne­ri­en und Öl- sowie Gas­fel­dern auch che­mi­sche Betrie­be und Erd­gas­an­la­gen.

Die Wis­sen­schaft­ler stell­ten fest, dass eini­ge weni­ge Ereig­nis­se bei einer Hand­voll von Anla­gen einen gro­ßen Teil der Extra-Emis­sio­nen aus­mach­ten. Ein typi­sches Ereig­nis pro­du­zier­te rund eine Ton­ne an Emis­sio­nen, bei man­chen waren es aber mehr als 1000 Ton­nen. Auf dem Raf­fi­ne­ri­en-Sek­tor ver­ur­sach­ten allein sechs Anla­gen 77 Pro­zent der zusätz­li­chen Koh­len­mon­oxid­emis­sio­nen.

Im Unter­su­chungs­zeit­raum lie­ßen Extra-Emis­sio­nen die nor­ma­le Luft­be­las­tung in Texas in Bezug auf flüch­ti­ge orga­ni­sche Stof­fe um 7,5 Pro­zent wach­sen und die für Schwe­fel­di­oxid und Koh­len­mon­oxid um zwei Pro­zent stei­gen. In bestimm­ten Indus­trie­zwei­gen aber lie­gen die Zah­len höher: Im Fal­le von Öl- und Gas­fel­dern bei­spiels­wei­se stie­gen die Emis­sio­nen im Ver­gleich zum Nor­mal­be­trieb um 17 Pro­zent.

In man­chen Betrie­ben, so die For­scher wei­ter, pro­du­zier­ten Extra-Emis­sio­nen ein stär­ke­res Maß an Luft­ver­schmut­zung als beim nor­ma­len Fah­ren der Anla­ge auf­tra­ten. In einer der beob­ach­te­ten Raf­fi­ne­ri­en trat bei einem 56 Stun­den dau­ern­den Ereig­nis im Jahr 2003 mehr Schwe­fel­di­oxid aus, als dem Betrieb in die­sem Jahr ins­ge­samt erlaubt war.

Ori­gi­nal­pu­bli­ka­ti­on: Ziro­gi­an­nis N et al. Envi­ron Sci Tech­nol. 2018 Feb 13. [Epub ahead of print]

Quelle
Indiana University
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