Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Demografischer Wandel fordert Medizin heraus

Die Aus­wir­kun­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels stel­len Medi­zi­ner in Deutsch­land vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Das beto­nen die Orga­ni­sa­to­ren des Kon­gres­ses Vis­ze­ral­me­di­zin im Vor­feld ihrer Tagung, die vom 13. bis 16. Sep­tem­ber in Dres­den statt­fin­den wird.

Bei gleich­zei­ti­gem medi­zi­ni­schen Fort­schritt und wach­sen­dem Kos­ten­druck durch das Gesund­heits­sys­tem stei­ge in der altern­den Bevöl­ke­rung das Risi­ko für alters­be­ding­te Erkran­kun­gen sowie schwer­wie­gen­de Mehr­fa­ch­er­kran­kun­gen. Anspruchs­vol­le, fach­über­grei­fen­de und kos­ten­in­ten­si­ve The­ra­pie­kon­zep­te in der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung älte­rer, mul­ti­mor­bi­der Pati­en­ten sei­en des­halb erfor­der­lich, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung zum Kon­gress.

Pati­en­ten ändern sich – wir uns auch“ – unter die­sem Mot­to steht in die­sem Jahr der Kon­gress Vis­ze­ral­me­di­zin 2017. Die Deut­sche Gesell­schaft für Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, Ver­dau­ungs- und Stoff­wech­sel­krank­hei­ten (DGVS), ihre Sek­ti­on Endo­sko­pie und die Deut­sche Gesell­schaft für All­ge­mein- und Vis­ze­ral­chir­ur­gie (DGAV) rich­ten den Kon­gress gemein­sam aus. In Dres­den wer­den Gas­tro­en­te­ro­lo­gen, Endo­sko­pi­ker und Vis­ze­ral­chir­ur­gen im Herbst über aktu­el­le Erkennt­nis­se und Fort­schrit­te bei der Dia­gnos­tik und Behand­lung von Erkran­kun­gen des Bauch­raums und Ver­dau­ungs­trakts dis­ku­tie­ren. Part­ner­land ist in die­sem Jahr Polen.

Unse­re Pati­en­ten ändern sich, da sie älter und krän­ker wer­den und ihre Betreu­ung zuneh­mend anspruchs­vol­ler wird. Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung macht immer stär­ker die inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit und Ver­net­zung zwi­schen den Fächern erfor­der­lich“, erläu­tert DGVS-Kon­gress­prä­si­dent Prof. Mar­kus M. Lerch die Inten­ti­on des dies­jäh­ri­gen Kon­gress-Mot­tos. Neben den Fol­gen der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung, neh­men die Medi­zi­ner auch gene­rel­le Ver­än­de­rungs­pro­zes­se bei The­ra­pie­stan­dards in den Fokus. „Wäh­rend bei Erkran­kun­gen wie Diver­ti­ku­li­tis, Appen­di­zi­tis und auf die Schleim­haut begrenz­ten Tumo­ren die Chir­ur­gie zuguns­ten der kon­ser­va­ti­ven The­ra­pie zuneh­mend in den Hin­ter­grund rückt, ist etwa für eine nach­hal­tig erfolg­rei­che Behand­lung der mor­bi­den Adi­po­si­tas inzwi­schen der chir­ur­gi­sche Ein­griff das Mit­tel der Wahl“, so DGAV-Prä­si­dent Prof. Albrecht Stier. Gas­tro­en­te­ro­lo­gen, Endo­sko­pi­ker und Chir­ur­gen sei­en des­halb gefor­dert, Behand­lungs­stan­dards künf­tig noch stär­ker gemein­sam zu defi­nie­ren.

Die Kon­gress­teil­neh­mer kön­nen sich in die­sem Jahr auf eine noch grö­ße­re Anzahl inter­dis­zi­pli­nä­rer Sit­zun­gen freu­en. Im Vor­der­grund ste­hen vis­ze­ral­me­di­zi­ni­sche Berei­che, bei denen die Ent­wick­lungs­schrit­te in den letz­ten Jah­ren beson­ders schnell und die Über­schnei­dun­gen der Fach­ge­bie­te Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, Vis­ze­ral­chir­ur­gie und Endo­sko­pie beson­ders stark sind. Die gemein­sa­men Pro­ble­me der Infek­ti­ons­me­di­zin, die organ­über­grei­fen­den Ent­zün­dungs­me­cha­nis­men und die Behand­lung von Tumor­er­kran­kun­gen gehö­ren zu den Schwer­punk­ten des Kon­gres­ses. Fach­über­grei­fen­de Ver­an­stal­tun­gen wie „Mul­ti­re­sis­ten­te Erre­ger und Anti­mi­cro­bi­al Ste­wardship“, „Neue Kon­zep­te und The­ra­pie­an­sät­ze bei Adi­po­si­tas und Mor­bus Crohn“ sowie „Mul­ti­moda­le The­ra­pie bei Oli­go­me­ta­sta­sie­rung gastro­in­tes­ti­na­ler Kar­zi­no­me“ tra­gen die­sem Fokus Rech­nung. Die Medi­zi­ner wer­den auch dis­ku­tie­ren, wie ange­sichts der Öko­no­mi­sie­rung und des Kos­ten­drucks in der Medi­zin eine ange­mes­se­ne Ver­sor­gung wei­ter­hin auf­recht­erhal­ten wer­den kann.

Mit Dr. Albin Lüt­ke, Vor­sit­zen­der der Sek­ti­on Endo­sko­pie, gestal­tet zum zwei­ten Mal in der 104-jäh­ri­gen Geschich­te der DGVS ein in der Pra­xis nie­der­ge­las­se­ner Gas­tro­en­te­ro­lo­ge das endo­sko­pi­sche Pro­gramm des Kon­gres­ses. „Der Groß­teil und die Basis gas­tro­en­te­ro­lo­gi­scher Dia­gnos­tik und Behand­lung fin­det in den Fach­arzt­pra­xen statt“, so Lüt­ke. „Des­halb ist es mir ein wich­ti­ges Anlie­gen, in die­sem Jahr ver­stärkt Impul­se aus der Pra­xis in das Kon­gress­pro­gramm ein­zu­bin­den und zu the­ma­ti­sie­ren, wie wir die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kli­ni­kern und nie­der­ge­las­se­nen Gas­tro­en­te­ro­lo­gen im Sin­ne unse­rer Pati­en­ten noch bes­ser gestal­ten kön­nen.“

Im Wett­be­werb um den medi­zi­ni­schen Nach­wuchs sind die Fach­ge­sell­schaf­ten gefor­dert, krea­ti­ve und prak­ti­ka­ble Lösun­gen zur gewünsch­ten Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf sowie von ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Kran­ken­ver­sor­gung zu initi­ie­ren. Damit die Zukunft des Fachs vom Nach­wuchs wirk­sam mit­ge­stal­tet wer­den kann, sind in die­sem Jahr bewusst jun­ge Vis­ze­ral­me­di­zi­ner als Red­ner und bei der Prä­sen­ta­ti­on kli­ni­scher und grund­la­gen­wis­sen­schaft­li­cher For­schungs­er­geb­nis­se ver­tre­ten.

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