Jenaer Geburtsmediziner wollen Risikoschwangeren mit PETN helfen

Jena­er Uni­kli­ni­kum führt eine Stu­die zur Vor­beu­gung einer Man­gel­ver­sor­gung der Babys von Risi­ko­schwan­ge­ren durch / DFG för­dert kli­ni­sche Studie/ Rekru­tie­rung in 14 Stu­di­en­zen­tren hat begon­nen

An der Kli­nik für Geburts­me­di­zin des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Jena kön­nen Schwan­ge­re, bei denen nach einem auf­fäl­li­gen Befund bei der Dopp­ler­un­ter­su­chung in der Schwan­ger­schafts­mit­te ein erhöh­tes Risi­ko für eine Unter­ver­sor­gung des Babys besteht, jetzt an einer kli­ni­schen Stu­die teil­neh­men. Die Stu­die soll hel­fen, die­ses Risi­ko zu ver­min­dern.

Mit der ran­do­mi­sier­ten, pla­ce­bo-kon­trol­lier­ten Stu­die an ins­ge­samt 14 Stu­di­en­zen­tren in ganz Deutsch­land wol­len die Jena­er Uni­me­di­zi­ner den posi­ti­ven Effekt des Wirk­stoffs Pen­tae­ry­thri­tyl­te­tra­ni­trat (PETN) zur Vor­beu­gung einer Man­gel­ver­sor­gung nach­wei­sen. Die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft för­dert das auf ins­ge­samt drei Jah­re ange­leg­te Pro­jekt.

Bei der fein­dia­gnos­ti­schen Ultra­schall-Unter­su­chung etwa in der 20. Schwan­ger­schafts­wo­che über­prüft der Frau­en­arzt, ob sich das Kind zeit­ge­recht ent­wi­ckelt und aus­rei­chend vom müt­ter­li­chen Kör­per ver­sorgt wird. Dazu wird auch in einer Dopp­ler­un­ter­su­chung die Durch­blu­tung von Gebär­mut­ter und Pla­zen­ta gemes­sen. Bei etwa 5% der Schwan­ge­ren ist der Befund auf­fäl­lig, was ein erhöh­tes Risi­ko für ver­zö­ger­tes Wachs­tum des Babys bedeu­tet.

Es ist noch nicht voll­stän­dig ver­stan­den, war­um sich manch­mal die Gefä­ße der Pla­zen­ta nicht rich­tig aus­bil­den und es zu einer sol­chen Unter­funk­ti­on kommt“, so die Frau­en­ärz­tin PD Dr. Tan­ja Gro­ten. „Doch schlim­mer ist, dass es kei­ne eta­blier­te The­ra­pie für eine Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung des Babys gibt.“

Um dies zu ändern, initi­ier­te die Ober­ärz­tin in der Geburts­hil­fe des Uni­kli­ni­kums Jena die auf­wän­di­ge kli­ni­sche PETN-Stu­die. Der seit Jahr­zehn­ten bei Herz­be­schwer­den und Blut­hoch­druck ein­ge­setz­te Wirk­stoff PETN wird im Kör­per zu dem kör­per­ei­ge­nen Boten­stoff Stick­stoff­mon­oxid abge­baut, der die Gefä­ße erwei­tert und somit die Durch­blu­tung ver­bes­sert. Zudem ver­fügt PETN über eine gefäß­schüt­zen­de Wir­kung. 

Vor­stu­die zeig­te posi­ti­ve Effek­te und Sicher­heit

In einer Vor­stu­die mit mehr als 100 Teil­neh­me­rin­nen konn­ten die Jena­er Geburts­me­di­zi­ner zei­gen, dass sich PETN posi­tiv auf die Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on des Unge­bo­re­nen aus­wirkt. Gro­ten: „In der mit dem Wirk­stoff behan­del­ten Pati­en­tin­nen­grup­pe fie­len die Wachs­tums­ver­zö­ge­rung des Babys und Schwan­ger­schafts­kom­pli­ka­tio­nen weit­aus gerin­ger aus als in der Ver­gleichs­grup­pe.“ In Labor­ex­pe­ri­men­ten konn­ten die Wis­sen­schaft­ler der Unif­rau­en­kli­nik in Jena nach­wei­sen, dass die Ein­nah­me des Wirk­stoffs in der Schwan­ger­schaft sicher ist: Das Medi­ka­ment kann nicht von der Pla­zen­ta zum Kind über­ge­hen.

Ins­ge­samt 300 Pati­en­tin­nen wol­len die Wis­sen­schaft­ler am Jena­er Uni­kli­ni­kum und wei­te­ren 13 gro­ßen Kli­ni­ken in den kom­men­den 18 Mona­ten in die Stu­die auf­neh­men. Unter­su­chun­gen der Stu­di­en­pa­ti­en­tin­nen fin­den im Rhyth­mus der nor­ma­len Schwan­ge­ren­be­treu­ung statt, als zen­tra­le Daten wer­den der Gesund­heits­zu­stand von Mut­ter und Kind bis zur und auch nach der Geburt erfasst.

Wenn sich die Wirk­sam­keit von PETN in die­ser gro­ßen, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Stu­die bestä­tigt, dann stün­de uns erst­mals ein Medi­ka­ment zur Vor­beu­gung von dro­hen­der Man­gel­ver­sor­gung Unge­bo­re­ner zur Ver­fü­gung“, so Stu­di­en­lei­te­rin Gro­ten. „Dar­auf war­ten Frau­en­ärz­te schon lan­ge.“

Frau­en, die an der Stu­die teil­neh­men möch­ten, und Frau­en­ärz­te mit Pati­en­tin­nen, die für eine Teil­nah­me in Fra­ge kämen, kön­nen sich unter PETN@med.uni-jena.de an das Stu­di­en­team wen­den.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den sich auf der Stu­di­en­home­page

Quelle
Universitätsklinikum Jena, 14.11.2017
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