Krankenhausinfektionen: Keimtötende Schicht soll Oberflächen schützen

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung (BMBF) för­dert das Pro­jekt „ANTIBUG” der Che­mi­ke­rin Dr. Karen Lien­kamp mit 1,4 Mil­lio­nen Euro über drei Jah­re. In dem Pro­jekt wird Lien­kamp die Wirk­sam­keit einer von ihr ent­wi­ckel­ten Ober­flä­chen­schicht tes­ten, die bei Bla­sen­ka­the­tern und Wund­ver­bän­den zum Ein­satz kom­men könn­te. Die­se Beschich­tung soll ver­hin­dern, dass sich Kei­me an der Ober­flä­che von sol­chen Medi­zin­pro­duk­ten ansie­deln. Im Anschluss plant Lien­kamp eine Aus­grün­dung des Pro­jekts oder eine Koope­ra­ti­on mit Indus­trie­part­nern.

Bak­te­ri­en bil­den auf der Ober­flä­che von Medi­zin­pro­duk­ten häu­fig einen Ver­bund, einen so genann­ten Bio­film, der mit­un­ter lebens­ge­fähr­li­che Infek­tio­nen aus­löst. Befin­det sich solch ein Film auf einem Bla­sen­ka­the­ter, kann die­ser bei Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zu Harn­wegs­in­fek­tio­nen füh­ren. Sie zäh­len zu den häu­figs­ten Kran­ken­haus­in­fek­tio­nen in Deutsch­land und ver­ur­sa­chen neben dem Lei­den der Pati­en­ten einen erheb­li­chen wirt­schaft­li­chen Scha­den auf­grund von Fol­ge­kos­ten.

Abhil­fe schaf­fen könn­te die neu­ar­ti­ge Beschich­tung, die sich durch ein ein­fa­ches che­mi­sches Ver­fah­ren auf unter­schied­li­che Ober­flä­chen auf­brin­gen lässt. Bei direk­tem Kon­takt tötet sie die Bak­te­ri­en ab und ver­hin­dert gleich­zei­tig, dass sich Pro­te­ine an der Ober­flä­che anla­gern, die die Bil­dung eines Bio­films begüns­ti­gen.

Das BMBF för­dert Lien­kamps Pro­jekt in der Maß­nah­me „Vali­die­rung des tech­no­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Inno­va­ti­ons­po­ten­zi­als wis­sen­schaft­li­cher For­schung – VIP+”. Ziel des Pro­gramms ist es, die Erkennt­nis­se aus der Grund­la­gen­for­schung fit zu machen für eine spä­te­re Anwen­dung. Das Trans­fer­coa­ching der Uni­ver­si­tät Frei­burg, einer Zusam­men­ar­beit der Frei­burg Rese­arch Ser­vices und des Grün­der­bü­ros, hat die Auf­nah­me von „ANTIBUG” in das Pro­gramm ermög­licht.

Karen Lien­kamp stu­dier­te Che­mie in Cambridge/England und Ber­lin und wur­de an der Johan­nes Guten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz pro­mo­viert. Nach einem drei­jäh­ri­gen Auf­ent­halt an der Uni­ver­si­ty of Mas­sa­chu­setts in Amherst/USA kam sie an die Uni­ver­si­tät Frei­burg, wo sie 2017 habi­li­tiert wur­de. Sie lei­tet die Nach­wuchs­grup­pe „Bioac­tive Poly­mer Syn­the­sis and Sur­face Engi­nee­ring”, die unter ande­rem vom Emmy Noe­ther-Pro­gramm der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft geför­dert wird. 2014 hat Lien­kamp einen ERC Star­ting Grant des Euro­päi­schen For­schungs­rats (ERC) von 1,49 Mil­lio­nen Euro für eine Ober­flä­che erhal­ten, die sich selbst selek­tiv ablöst und damit eine neue funk­tio­na­le Schicht frei­legt.

Mehr anzeigen
Anzeige

Verwandte Artikel

Close