Koalitionsvertrag der GroKo steht

«Ver­han­deln, bis es quietscht» – so sieht das also aus. Zuletzt ging es zwi­schen Uni­on und SPD auch um die Ver­tei­lung der Res­sorts. Die Anglei­chung der Arzt­ho­no­ra­re für pri­vat und gesetz­lich Ver­si­cher­te wur­de ver­tagt.

Nach gut 24 Stun­den zähen Rin­gens haben Uni­on und SPD bei ihren Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen einen Durch­bruch geschafft. Die Unter­händ­ler einig­ten sich am Mitt­woch­mor­gen auf einen Koali­ti­ons­ver­trag und die Ver­tei­lung der Minis­te­ri­en. Nun liegt es in den Hän­den der SPD-Mit­glie­der, ob eine neue gro­ße Koali­ti­on unter Füh­rung von Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) zustan­de kommt. Das Ergeb­nis des Mit­glie­der­vo­tums könn­te bereits am Wochen­en­de 3./4. März bekannt gege­ben wer­den.

Die Sozi­al­de­mo­kra­ten sol­len sechs Minis­te­ri­en bekom­men. Dar­un­ter sind die pres­ti­ge­träch­ti­gen Res­sorts Außen und Finan­zen sowie Arbeit/Soziales. SPD-Chef Mar­tin Schulz will nach Infor­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur Außen­mi­nis­ter wer­den. Zunächst hat­te die «Bild»-Zeitung dar­über berich­tet. Kurz nach der Bun­des­tags­wahl hat­te Schulz noch kate­go­risch  aus­ge­schlos­sen, in ein Kabi­nett von Mer­kel ein­zu­tre­ten. Außer­dem soll Ham­burgs Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz Finanz­mi­nis­ter wer­den, oben­drein soll die SPD noch das Fami­li­en-, Jus­tiz- und das Umwelt­mi­nis­te­ri­um erhal­ten.

CSU-Chef Horst See­ho­fer soll als Innen­mi­nis­ter nach Ber­lin wech­seln – sein Res­sort soll durch die Berei­che Bau und Hei­mat auf­ge­wer­tet wer­den. Dane­ben soll die CSU die Res­sorts für Verkehr/Digitales und Ent­wick­lung bekom­men.

Die Par­tei­en wol­len nach dpa-Infor­ma­tio­nen eine Kom­mis­si­on für eine mög­li­che Anglei­chung der Arzt-Hono­ra­re für gesetz­lich und pri­vat Ver­si­cher­te einrichten.Die Kom­mis­si­on soll eine gemein­sa­me Hono­rar­ord­nung für die gesetz­li­che und die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung vor­be­rei­ten. Ob der von der SPD gefor­der­te Schritt auch rea­li­siert wer­de, hän­ge auch von der Mach­bar­keit ab, hieß es. Die SPD woll­te unter ande­rem mit einer Anglei­chung der Hono­ra­re ein Ende der «Zwei-Klas­sen-Medi­zin» in Deutsch­land ein­lei­ten. Nun bleibt zunächst unklar, ob es tat­säch­lich zu glei­chen Arzt­ho­no­ra­ren kommt.

Der Prä­si­dent der Bun­des­ärz­te­kam­mer, Prof. Frank Ulrich Mont­go­me­ry begrüß­te das Ein­set­zen der Kom­mis­si­on in einem State­ment: „Es ist sehr ver­nünf­tig, dass das in den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen höchst strit­ti­ge The­ma des Ver­gü­tungs­sys­tems  nicht mehr unter Zeit­druck ent­schie­den wor­den ist”, so Mont­go­me­ry wei­ter. Alle Betei­lig­ten hät­ten nun noch die Mög­lich­keit, sich noch ein­mal ein­ge­hend mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ein moder­nes Ver­gü­tungs­sys­tem wie auch den mög­li­chen struk­tu­rel­len und finan­zi­el­len Ver­wer­fun­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Mont­go­me­ry beton­te: „Die Ärz­te­schaft ist bereit, sich in die anste­hen­den Bera­tun­gen kon­struk­tiv ein­zu­brin­gen.”

CDU, CSU und SPD hat­ten bis in den Mor­gen hin­ein um inhalt­li­che Details und Res­sort­zu­schnit­te einer künf­ti­gen gro­ßen Koali­ti­on gerun­gen. Vor­über­ge­hend war nicht aus­ge­schlos­sen wor­den, dass die Ver­hand­lun­gen noch schei­tern könn­ten. Trotz eini­ger Annä­he­run­gen blie­ben die Gesund­heits- und die Arbeits­markt­po­li­tik die zen­tra­len Streit­punk­te. Bei der Arbeits­markt­po­li­tik ging es vor allem um eine deut­li­che Ein­schrän­kung befris­te­ter Arbeits­ver­hält­nis­se.

CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Dob­rindt lob­te die Eini­gung mit der SPD. Man sei raus aus den Schüt­zen­grä­ben gekom­men, es sei gelun­gen, die Kon­flik­te auf­zu­lö­sen, sag­te Dob­rindt nach dem Ver­hand­lungs­ma­ra­thon in der CDU-Zen­tra­le in Ber­lin. «Und ich glau­be, es ist auch Zeit gewor­den, dass wir die Aus­sicht auf eine Regie­rung in Deutsch­land haben. Von daher: Ein guter Mor­gen.»

Die Füh­rung der Sozi­al­de­mo­kra­ten will vor allem mit Erfol­gen in die­sen Poli­tik­be­rei­chen bei ihrer Basis für ein Ja zum Koali­ti­ons­ver­trag wer­ben. In den nächs­ten Wochen sol­len 463 723 Sozi­al­de­mo­kra­ten bei einem Mit­glie­der­ent­scheid über den neu­en Ver­trag zwi­schen CDU, CSU und SPD abstim­men.

Die SPD gewann seit Jah­res­be­ginn 24 339 Neu­mit­glie­der dazu. In der SPD hat­ten Geg­ner einer Neu­auf­la­ge von Schwarz-Rot mit dem Slo­gan «Tritt ein, sag nein» um neue Mit­glie­der gewor­ben.

Die deut­sche Indus­trie zeig­te sich unzu­frie­den mit dem Koali­ti­ons­ver­trag von Uni­on und SPD. «Beim Geld­aus­ge­ben besteht eine kla­re Schief­la­ge in Rich­tung Umver­tei­lung anstatt in Zukunfts­si­che­rung», sag­te BDI-Prä­si­dent Die­ter Kempf. In der Steu­er­po­li­tik feh­le trotz guter wirt­schaft­li­cher Lage der Mut zu spür­ba­ren Ent­las­tun­gen und zu Struk­tur­re­for­men. In den USA waren die Unter­neh­men­steu­ern mas­siv gesenkt wor­den.

(dpa/BÄK)

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