Längere Heiserkeit unbedingt vom HNO-Arzt abklären lassen

Jede Hei­ser­keit, die län­ger als drei Wochen andau­ert, soll­te vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt abge­klärt wer­den, rät Prof. Dr. Ste­fan Dazert von der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum. Denn Hei­ser­keit ist das füh­ren­de Sym­ptom von Kehl­kopf­krebs. Wird die Erkran­kung früh­zei­tig erkannt, ist dank moder­ner The­ra­pie­kon­zep­te ein Organer­halt mög­lich. Die 51. Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung für Hals-Nasen-Ohren­ärz­te befasst sich in die­sem Jahr mit die­sem und wei­te­ren The­men aus dem Bereich der Onko­lo­gie.

Jähr­lich erkran­ken etwa 4.000 Men­schen an Kehl­kopf­krebs. Zu den Haupt­ri­si­ko­fak­to­ren eines Larynx­kar­zi­noms zäh­len Rau­chen und Alko­hol­kon­sum, erklärt HNO-Arzt Dazert: „Tabak­rauch ent­hält eine Viel­zahl gif­ti­ger Sub­stan­zen, die bei der Inha­la­ti­on auf­ge­nom­men wer­den. Dem Tabak zuge­füg­te Zusatz­stof­fe erhö­hen das Abhän­gig­keits­po­ten­zi­al und brin­gen im Ver­bren­nungs­pro­zess neue gif­ti­ge Sub­stan­zen her­vor.“ Die Lis­te der im Tabak­rauch ent­hal­te­ne Kan­ze­ro­ge­ne sei lang. Zu den Gift­stof­fen zäh­len poly­zy­kli­sche aro­ma­ti­sche Koh­len­was­ser­stof­fe, Alde­hy­de, Phe­no­le und wei­te­re kar­zi­no­ge­ne Bestand­tei­le, warnt der HNO-Exper­te.

Eben­so lang sei auch die Lis­te der durch das Rau­chen beding­ten Erkran­kun­gen im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heil­kun­de. Dazert: „Rau­chen för­dert Läsio­nen der Mund­schleim­haut und erhöht das Risi­ko für unter­schied­li­che Krebs­er­kran­kun­gen des Mund- und Rachen­rau­mes, des Kehl­kop­fes und der Spei­se­röh­re.“ Ver­stärkt wer­de das Krebs­ri­si­ko durch den gleich­zei­ti­gen Kon­sum von Alko­hol.

Jede län­ger andau­ern­de Hei­ser­keit soll­te drin­gend vom HNO-Arzt unter­sucht wer­den. Ste­fan Dazert schil­dert, wel­che Maß­nah­men bei einem Ver­dacht auf eine ernst­haf­te Erkran­kung ergrif­fen wer­den: „Aus ver­däch­ti­gen Bezir­ken an den Stimm­lip­pen oder ande­ren Berei­chen des Kehl­kop­fes wer­den Gewe­be­pro­ben ent­nom­men und his­to­lo­gisch unter­sucht.“ Bestä­ti­ge sich der Ver­dacht auf Kehl­kopf­krebs, ste­hen chir­ur­gi­sche Ver­fah­ren, Bestrah­lung, Che­mo­the­ra­pie oder Kom­bi­na­tio­nen der genann­ten The­ra­pi­en als Behand­lungs­op­tio­nen zur Ver­fü­gung.

Dank moder­ner The­ra­pie­kon­zep­te kann in vie­len Fäl­len das Organ und sei­ne Funk­ti­on erhal­ten wer­den. Prof. Dazert erklärt das chir­ur­gi­sche Ver­fah­ren: „Durch den Ein­satz des Lasers und mikro­chir­ur­gi­sche Tech­ni­ken kön­nen klei­ne­re Tumo­ren durch eine Kehl­kopf­teil­re­sek­ti­on ent­fernt wer­den. Nur bei grö­ße­ren, infil­trie­rend wach­sen­den Pro­zes­sen ist die voll­stän­di­ge Kehl­kopf­ent­fer­nung mit Anla­ge eines Luft­röh­ren­schnit­tes erfor­der­lich.“ Nach der Ope­ra­ti­on grö­ße­rer Tumo­ren schlie­ße sich eine Bestrah­lung, gege­be­nen­falls in Kom­bi­na­ti­on mit einer Che­mo­the­ra­pie, an. Bei den meis­ten Pati­en­ten sei nach der Ope­ra­ti­on eine Sprech­re­ha­bi­li­ta­ti­on mög­lich, ergänzt der Exper­te.

Für die Zukunft erwar­tet Dazert neue The­ra­pie­me­tho­den. So wer­den seit eini­gen Jah­ren neue Bestrah­lungs- und Che­mo­the­ra­pie-Kon­zep­te unter­sucht, die Kehl­kopf­tu­mo­ren hei­len und einen voll­stän­di­gen Organer­halt gewähr­leis­ten sol­len. Dazert: „Bis­he­ri­ge Stu­di­en sind ermu­ti­gend, zei­gen aber auch schwer­wie­gen­de Lang­zeit­kom­pli­ka­tio­nen auf. Wei­te­re Unter­su­chun­gen müs­sen zei­gen, wie eine prä­zi­se­re Pati­en­ten­se­lek­ti­on erreicht und die Kom­pli­ka­ti­ons­ra­ten wei­ter gesenkt wer­den kön­nen.“

Die 51. Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung für Hals-Nasen-Ohren­ärz­te fin­det vom 26. bis 28. Okto­ber 2017 im Con­gress Cen­ter Rosen­gar­ten in Mann­heim statt.

Via
51. Fortbildungsveranstaltung der HNO-Ärzte
Quelle
Deutscher Berufsverband der HNO-Ärzte e.V.
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