Leipziger Intensivmediziner stellen S-3-Leitlinie zu maschineller Beatmung für Intensivpatienten vor

Erstmals wurde zum Jahresbeginn eine S-3-Leitlinie für die Behandlung von Patienten, die künstlich beatmet werden müssen, herausgegeben. Koordinationszentrum der nun für Deutschland, Österreich und die Schweiz gültigen Leitlinie war die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Leipzig.

Über vier Jah­re dau­er­te die wis­sen­schaft­li­che Arbeit, betei­ligt waren Ärz­te, Pfle­ger, Phy­sio­the­ra­peu­ten und Pati­en­ten­ver­tre­ter, 23 Fach­ge­sell­schaf­ten aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum haben mit­ge­wirkt”, so Ober­arzt Dr. Falk Ficht­ner, Inten­siv­me­di­zi­ner am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Leip­zig. „Wir haben etwa 3500 Publi­ka­tio­nen über Erfah­run­gen bei der Behand­lung von Pati­en­ten mit künst­li­cher Beat­mung stu­diert und bewer­tet. Die inter­dis­zi­pli­nä­re Leit­li­ni­en­grup­pe hat dann die Schlüs­se gezo­gen, wel­che The­ra­pie­an­sät­ze unter Abwä­gung von Nut­zen und Risi­ko für den Pati­en­ten sinn­voll sind.“ 

Grün­de für die künst­li­che Beat­mung sind meist eine schwe­re Lun­gen­ent­zün­dung (z. B. durch Grip­pe-Viren) oder ein schwe­rer Unfall mit Ver­let­zun­gen des Brust­korbs und der Lun­ge. Dann kann eine künst­li­che Beat­mung nötig wer­den, die auch maschi­nel­le oder inva­si­ve Beat­mung genannt wird. „Hier­bei han­delt es sich um eine Metho­de, bei der der Pati­ent über einen in die Luft­röh­re ein­ge­führ­ten Beat­mungs­schlauch (Tubus) beat­met wird.“, erklärt Ficht­ner. „Unse­re Leit­li­nie stellt erst­mals den voll­stän­di­gen Ablauf der Behand­lung dar, von der Ein­lei­tung einer Beat­mungs­the­ra­pie, über die spe­zi­fi­schen Ein­stel­lun­gen der Beat­mungs­ma­schi­nen, lebens­ret­ten­de Maß­nah­men bei schwers­ter Lun­gen­schä­di­gung bis hin zur Ent­wöh­nung von der Beat­mung und mög­li­chen Fol­ge­er­kran­kun­gen, die danach im Blick des Behand­lungs­teams sein müs­sen. Gleich­zei­tig ver­wei­sen wir zu vie­len Fra­ge­stel­lun­gen aber auch auf Wis­sens­lü­cken, die durch kli­ni­sche For­schungs­ar­beit drin­gend geschlos­sen wer­den müs­sen.“

Die neue Leit­li­nie defi­niert den Behand­lungs­stan­dard, sie muss nun aber allen Mit­glie­dern der inten­siv­me­di­zi­ni­schen Behand­lungs­teams auf den Inten­siv­sta­tio­nen ver­mit­telt wer­den. „In der Inten­siv­me­di­zin arbei­ten unter­schied­li­che Fach­dis­zi­pli­nen vom Anäs­the­sis­ten über den Chir­ur­gen bis zum Neu­ro­lo­gen. Dies führt bis­her zu einer Hete­ro­ge­ni­tät in der Ver­sor­gungs­qua­li­tät schwer kran­ker, künst­lich beat­me­ter Pati­en­ten, die unse­rer Mei­nung nach nicht hin­nehm­bar ist. Denn jeder Pati­ent hat ein Recht auf bes­te Ver­sor­gung, egal auf wel­cher Inten­siv­sta­ti­on er betreut wird. Zur bes­se­ren Ver­brei­tung der Inhal­te der Leit­li­nie haben wir die­se u. a. zu einer Mini-Taschen­aus­ga­be ver­kürzt, bei der auf einem A6-Blatt in sechs Schrit­ten gesagt wird, was zu tun ist. Die­ses Blatt soll jedem, der auf einer Inten­siv­sta­ti­on arbei­tet, bei der Behand­lung von Pati­en­ten mit aku­tem Lun­gen­ver­sa­gen hel­fen und so die Ver­sor­gungs­qua­li­tät für unse­re Pati­en­ten ver­bes­sern.“

Quelle
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Mehr anzeigen
Close