Maßnahmenbündel soll für mehr Organspenden in Hamburg sorgen

Um der rück­läu­fi­gen Zahl von Organ­spen­den ent­ge­gen­zu­wir­ken, müs­sen Ham­burgs Kran­ken­häu­ser künf­tig min­des­tens einen Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten haben.

Zugleich sol­len die 22 Kli­ni­ken, in denen Orga­ne ent­nom­men wer­den, der Gesund­heits­be­hör­de berich­ten, wie vie­le Men­schen tat­säch­lich für Organ­spen­den in Fra­ge gekom­men wären. «Täg­lich ster­ben in Deutsch­land Men­schen, weil sie ver­ge­bens auf ein Spen­der­or­gan gewar­tet haben», sag­te Gesund­heits­se­na­to­rin Cor­ne­lia Prü­fer-Storcks (SPD) am 6. Febru­ar in Ham­burg. Es sei höchs­te Zeit, die­sen Nega­tiv­trend umzu­keh­ren.

Baye­ri­sche Lösung für Ham­burg

Nach dem Ent­wurf des neu­en Lan­des­ge­set­zes, das noch die Bür­ger­schaft ver­ab­schie­den muss, sind die 22 Ent­nah­me­kli­ni­ken ver­pflich­tet, die Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten nach einem fes­ten Schlüs­sel von ande­ren Auf­ga­ben frei­zu­stel­len. Eine ver­gleich­ba­re Rege­lung gebe es sonst nur in Bay­ern, sag­te Prü­fer-Storcks.

Nach Anga­ben der Deut­schen Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on sank die Zahl der Organ­spen­der in Ham­burg im ver­gan­ge­nen Jahr stark. Nur 24 Men­schen sei­en nach ihrem Tod Orga­ne ent­nom­men wor­den, obwohl jähr­lich etwa 2000 Ham­bur­ger für eine Organ­spen­de in Betracht kämen. Dies sei der nied­rigs­te Wert seit neun Jah­ren, sag­te Prü­fer-Storcks. Nach Anga­ben der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se war­te­ten Ende ver­gan­ge­nen Jah­res 183 Men­schen in Ham­burg auf ein lebens­ret­ten­des Organ. 

Ende 2016 waren Befürch­tun­gen auf­ge­kom­men, Unre­gel­mä­ßig­kei­ten bei Behand­lungs­un­ter­la­gen von Trans­plan­ta­ti­ons­pa­ti­en­ten in zwei Kli­ni­ken im Groß­raum Ham­burg könn­ten das Ver­trau­en poten­zi­el­ler Spen­der erschüt­tern. Im Okto­ber 2016 wur­den von einer Exper­ten­kom­mis­si­on zehn von 25 Lun­gen­trans­plan­ta­tio­nen zwi­schen 2010 und 2012 bean­stan­det. Die Staats­an­walt­schaft bestä­tig­te am Diens­tag, dass sie in die­ser Ange­le­gen­heit noch immer ermit­telt.

Kürz­lich hat­ten auch die Ärz­te­kam­mern und das Minis­te­ri­um in Nord­rhein-West­fa­len in Aus­sicht gestellt, den bei Organ­spen­den den baye­ri­schen Weg ein­zu­schla­gen (wir berich­te­ten).

(dpa/ms)

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