Maßregelvollzug: Task-Force der DGPPN legt Standards vor

Die Inter­dis­zi­pli­nä­re Task-Force der DGPPN legt Stan­dards für den Maß­re­gel­voll­zug vor.

In einem drei­jäh­ri­gen inten­si­ven Ent­wick­lungs­pro­zess hat eine inter­dis­zi­pli­när besetz­te Task-Force der DGPPN bun­des­weit ein­heit­li­che Stan­dards für den psych­ia­tri­schen Maß­re­ge­voll­zug ent­wi­ckelt. Die Fach­ge­sell­schaft will damit die Qua­li­tät der Behand­lung von psy­chisch kran­ken Straf­tä­tern in der For­schung und Pra­xis wei­ter vor­an­trei­ben und ver­bes­sern. Neben grund­le­gen­den recht­li­chen, ethi­schen und struk­tu­rel­len Fra­ge­stel­lun­gen gehen die Exper­ten in ihrem Grund­satz­pa­pier ins­be­son­de­re auf die Dia­gnos­tik, Behand­lung und Risi­ko­be­ur­tei­lung ein.

Der Auf­trag der Foren­si­schen Psych­ia­trie liegt dar­in, den Pati­en­ten durch dif­fe­ren­zier­te Behand­lungs­an­ge­bo­te wie­der zu einem straf­frei­en eigen­ver­ant­wort­li­chen Leben in Frei­heit zu ver­hel­fen. Aktu­ell wer­den in Deutsch­land rund 9000 Pati­en­ten in den Kli­ni­ken des Maß­re­ge­voll­zugs behan­delt. Es han­delt sich um Ein­rich­tun­gen mit spe­zi­fi­schen Sicher­heits­vor­keh­run­gen und The­ra­pie­an­ge­bo­ten“, erklär­te der foren­si­sche Psych­ia­ter Prof. Jür­gen L. Mül­ler aus Göt­tin­gen, der die inter­dis­zi­pli­nä­re Task-Force der DGPPN gelei­tet hat.

Das Fach Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie hat neben sei­nem Behand­lungs­auf­trag für Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen in bestimm­ten Fäl­len auch eine ord­nungs­po­li­ti­sche Funk­ti­on. Die Behand­lung in einer foren­sisch-psych­ia­tri­schen Kli­nik im Rah­men des Maß­re­gel­voll­zugs ist mit Grund­rechts­ein­schrän­kun­gen und mit Frei­heits­ent­zug im Sicher­heits­in­ter­es­se der All­ge­mein­heit ver­bun­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt räumt der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Frei­heits­ent­zugs dabei höchs­te Prio­ri­tät ein. „Dies bedeu­tet, dass die Behand­lung nur mit so weni­gen Frei­heits­be­schrän­kun­gen wie irgend ver­tret­bar ver­bun­den sein darf und gleich­zei­tig die Sicher­heit der All­ge­mein­heit gewähr­leis­ten muss. Wis­sen­schaft­lich belast­ba­re und in der Pra­xis umge­setz­te bun­des­ein­heit­li­che Min­dest­stan­dards für die Unter­brin­gung und die Behand­lung sind des­halb unver­zicht­bar“, sag­te Mül­ler wei­ter.

Die Behand­lung der Pati­en­ten im Maß­re­gel­voll­zug ist gegen­wär­tig län­der­recht­lich gere­gelt, sodass sich die Rah­men­be­din­gun­gen der Behand­lung in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern unter­schei­den. Wäh­rend für Gut­ach­ten zur Schuld­fä­hig­keit und zur Leg­al­pro­gno­se bereits Min­dest­an­for­de­run­gen exis­tie­ren, lie­gen für die Behand­lung im psych­ia­tri­schen Maß­re­gel­voll­zug bis­lang kei­ne kon­sen­tier­ten Stan­dards vor.

Vor die­sem Hin­ter­grund beauf­trag­te die DGPPN eine inter­dis­zi­pli­nä­re Task-Force damit, fach­li­che Stan­dards für die Behand­lung in der foren­si­schen Psych­ia­trie nach dem aktu­el­len Stand der Wis­sen­schaft zu erar­bei­ten. Die Ergeb­nis­se der Exper­ten lie­gen nun vor und umfas­sen knapp 30 Sei­ten. Sie beschrei­ben dar­in recht­li­che, ethi­sche, struk­tu­rel­le, the­ra­peu­ti­sche und pro­gnos­ti­sche Stan­dards für die Pra­xis und For­schung und sol­len die Qua­li­täts­ver­bes­se­rungs­pro­zes­se wei­ter vor­an­trei­ben.

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