Medica 2017: Neue Software ermöglicht frühe Diagnose bei Arterienverkalkung

Ärz­te kön­nen die Erkran­kung einer Arte­rio­skle­ro­se meist erst im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um dia­gnos­ti­zie­ren. Infor­ma­ti­ker der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Kai­sers­lau­tern (TUK) ent­wi­ckeln ein Com­pu­ter­pro­gramm, mit dem Ärz­te die Ver­kal­kung frü­her auf­zuspüren sol­len.

Dazu nut­zen sie Bild­da­ten aus Com­pu­ter­to­mo­gra­phi­en (CT). Auf der Medi­zin­tech­nik­mes­se Medi­ca vom 13. bis 16. Novem­ber in Düs­sel­dorf stel­len sie die Tech­nik am For­schungs­stand (Hal­le 7a, Stand B06) von Rhein­land-Pfalz vor.

Die Erkran­kung wird oft erst im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um ent­deckt“, sagt Chris­ti­na Gill­mann, Dok­to­ran­din am Lehr­stuhl „Com­pu­ter Gra­phics and Human Com­pu­ter Inter­ac­tion“ von Prof. Hans Hagen. „Ärz­te kön­nen die Abla­ge­run­gen in den Blut­ge­fä­ßen auf CT-Bil­dern bei­spiels­wei­se erst erken­nen, wenn schon dicke­re Schich­ten an den Gefäß­wän­den vor­han­den sind.“ Um die Pati­en­ten zu the­ra­pie­ren, hilft dann oft nur noch eine Ope­ra­ti­on. Recht­zei­tig erkannt könn­ten Betrof­fe­ne die Krank­heit aller­dings mit gesun­der Ernäh­rung und Bewe­gung in den Griff bekom­men.

Die Infor­ma­ti­ker um Gill­mann ent­wi­ckeln der­zeit ein Com­pu­ter­pro­gramm, das Ärz­ten dabei hel­fen soll, früh eine Dia­gno­se zu stel­len. Dabei nut­zen sie bereits vor­han­de­ne CT-Bil­der. Die­se Rönt­gen­tech­nik lie­fert Medi­zi­nern schicht­wei­se Pati­en­ten-Bil­der, die meist in Grau­stu­fen dar­ge­stellt wer­den.

Die Auf­lö­sung der Bil­der ist hier­bei nicht sehr hoch“, fährt die For­sche­rin fort. „Die Daten müs­sen anders auf­be­rei­tet wer­den, um die Arte­rio­skle­ro­se im Früh­sta­di­um zu erken­nen.“ Zwar gebe es der­zeit schon Tech­ni­ken, mit denen sol­che Wer­te aus den CT-Daten her­aus­ge­le­sen wer­den könn­ten. Sie sei­en aber schlicht zu kom­pli­ziert und im Pra­xis­all­tag für Medi­zi­ner nicht anwend­bar.

Für ihr Com­pu­ter­pro­gramm fil­tern die Infor­ma­ti­ker zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen aus den CT-Auf­nah­men her­aus. Auf die­se Wei­se las­sen sich zum Bei­spiel die Ver­zwei­gun­gen der Arte­ri­en genau dar­stel­len. Die Kai­sers­lau­te­rer For­scher arbei­ten dabei eng mit Medi­zi­nern aus dem US-ame­ri­ka­ni­schen Day­ton um Prof. Tho­mas Wisch­goll und aus Kolum­bi­en um Prof. José Tibe­rio Hernán­dez Peña­lo­za zusam­men. Das Ver­fah­ren ist nicht nur für Ärz­te inter­es­sant, son­dern auch für Indus­trie­un­ter­neh­men. Sie könn­ten mit der Tech­nik etwa ihre Pro­duk­te geziel­ter durch­leuch­ten, um mög­li­che Schad­stel­len auf­zu­spü­ren.

Bis das Sys­tem eines Tages in Kran­ken­häu­sern zum Ein­satz kom­men wird, braucht es aller­dings noch ein paar Jah­re Ent­wick­lungs­ar­beit. Auf der Medi­ca stel­len die Wis­sen­schaft­ler ihr Ver­fah­ren am rhein­land-pfäl­zi­schen For­schungs­stand vor.

Die Arbeits­grup­pe Com­pu­ter Gra­phics and Human Com­pu­ter Inter­ac­tion forscht schon lan­ge dar­an, Daten aus Bild­ge­bungs­ver­fah­ren für die Medi­zin der­art auf­zu­be­rei­ten, dass sie im kli­ni­schen All­tag ein­fach und zuver­läs­sig nutz­bar sind. So ist es ihnen etwa gelun­gen, mit ihren Ver­fah­ren Tumo­re in Bil­dern deut­li­cher von gesun­dem Gewe­be abzu­tren­nen. Die Infor­ma­ti­ker arbei­ten in ihren Pro­jek­ten eng mit ver­schie­de­nen Part­nern zusam­men, unter ande­rem mit dem Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Leip­zig und der Pre­mier Health Kli­nik im US-ame­ri­ka­ni­schen Bun­des­staat Ohio

Quelle
Technische Universität Kaiserslautern, 06.11.2017
Mehr anzeigen

Verwandte Artikel

Close