Medizintechnikbranche profitiert von Digitalisierung

Die deut­schen Medi­zin­tech­nik­her­stel­ler bli­cken grund­sätz­lich zuver­sicht­lich auf das lau­fen­de und auf das bevor­ste­hen­de Jahr, so die Ein­schät­zung des Bran­chen­ver­bands SPECTARIS im Rah­men der MEDI­CA-Pres­se­kon­fe­renz in Düs­sel­dorf.

Für 2017 wird mit einem Umsatz­plus von knapp fünf Pro­zent gerech­net, so dass erst­ma­lig die 30-Mil­li­ar­den-Mar­ke über­schrit­ten wer­den könn­te. Posi­ti­ve Impul­se kom­men dabei aus dem In- und Aus­land, wobei die unter­neh­mens­spe­zi­fi­sche Umsatz­ent­wick­lung stark vom jewei­li­gen Pro­dukt­port­fo­lio abhän­gig ist. Auch für die Beschäf­tig­ten­zahl wei­sen die Pro­gno­sen einen Zuwachs aus. Es wird erwar­tet, dass die Anzahl der Mit­ar­bei­ter um knapp zwei Pro­zent auf 135.000 anstei­gen wird. 

Für 2018 wird mit einem erneu­ten Umsatz­plus von eben­falls etwa 5 Pro­zent gerech­net. Die rund 1260 Betrie­be mit jeweils mehr als 20 Beschäf­tig­ten wür­den dann einen Umsatz von rund 32 Mil­li­ar­den Euro erwirt­schaf­ten. Inklu­si­ve Kleinst­be­trie­be zäh­len etwa 12.500 Unter­neh­men mit über 200.000 Mit­ar­bei­tern zur deut­schen Medi­zin­tech­nik­in­dus­trie.

Die Export­quo­te von der­zeit knapp 64 Pro­zent ver­deut­licht die hohe Bedeu­tung des inter­na­tio­na­len Geschäfts. Die wich­tigs­te Ziel­re­gi­on der deut­schen Medi­zin­tech­nik­ex­por­te ist die Euro­päi­sche Uni­on, auf die mehr als 40 Pro­zent der bran­chen­re­le­van­ten Aus­fuh­ren ent­fal­len. Zusam­men mit den Expor­ten in das rest­li­che Euro­pa wer­den mehr als die Hälf­te aller Aus­fuh­ren medi­zin­tech­ni­scher Güter ins euro­päi­sche Aus­land aus­ge­führt.

Auf die Regio­nen Nord­ame­ri­ka und Asi­en ent­fal­len jeweils knapp 20 Pro­zent der Expor­te. Die Nach­fra­ge aus den USA ist dabei aktu­ell leicht posi­tiv. In Russ­land scheint der Kri­sen­bo­den erreicht zu sein, die deut­schen Expor­te gen Osten legen wie­der zu. Von beson­de­rer Bedeu­tung ist das Geschäft in Chi­na: Die Expor­te in das Reich der Mit­te haben sich seit 2010 mehr als ver­dop­pelt und bele­gen inzwi­schen Platz 2 des Län­der­ran­kings. Setzt sich die­ses Wachs­tum fort, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Volks­re­pu­blik Chi­na die Ver­ei­nig­ten Staa­ten per­spek­ti­visch als wich­tigs­tes Ziel­land der deut­schen Medi­zin­tech­nik­aus­fuh­ren ablö­sen wird.

Auf der Nach­fra­ge­sei­te pro­fi­tie­ren die Unter­neh­men wei­ter­hin von der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung ins­be­son­de­re in den rei­fen Volks­wirt­schaf­ten, von der Eta­blie­rung und Moder­ni­sie­rung der Gesund­heits­sys­te­me in vie­len Schwel­len­län­dern sowie von der kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­den Bedeu­tung des Gutes Gesund­heit. Dane­ben trei­ben tech­no­lo­gi­sche Neu- oder Wei­ter­ent­wick­lun­gen den Markt.

Auf der Ange­bots­sei­te wächst die Bedeu­tung Chi­nas, des­sen Unter­neh­men nach den USA inzwi­schen der zweit­größ­te Pro­du­zent von Medi­zin­tech­nik sind. Dane­ben sind Anzei­chen für eine inter­na­tio­na­le Markt­kon­so­li­die­rung erkenn­bar, die auch in Deutsch­land zu einer deut­li­chen Zunah­me des Trans­ak­ti­ons­auf­kom­mens führt. Getrie­ben wird die­se Ent­wick­lung vom Bestre­ben, die eige­ne stra­te­gi­sche Ent­wick­lung und einen hohen Inno­va­ti­ons­grad sicher­zu­stel­len.

Der aktu­ell größ­te Ein­fluss­fak­tor für die Bran­che ist die Digi­ta­li­sie­rung. Das Geschäfts­mo­dell der Her­stel­ler befin­det sich im Wan­del: Vom klas­si­schen Anbie­ter von Gerä­te­tech­nik in der letz­ten Deka­de über den Lösungs­an­bie­ter im aktu­el­len Jahr­zehnt hin zum Anbie­ter digi­ta­ler und ganz­heit­li­cher Gesund­heits­lö­sun­gen in der kom­men­de Deka­de.

Die Digi­ta­li­sie­rung medi­zi­ni­scher Ver­sor­gungs­pro­zes­se und die Digi­ta­li­sie­rung der Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se sind im vol­len Gan­ge. Das Spek­trum ist gigan­tisch und die The­men, mit denen sich die Unter­neh­men beschäf­tig­ten, rei­chen vom ver­netz­ten Kran­ken­haus und OP-Saal, Big Data, Tele­me­di­zin oder einer indi­vi­dua­li­sier­ten Medi­zin­tech­nik und dem 3D-Druck von Medi­zin­tech­nik über Com­pu­ter-assis­tier­te Inter­ven­tio­nen und Robo­tik bis hin zu Feed­back-gekop­pel­ten oder dia­gnos­ti­schen Implan­ta­ten. Fir­men, die in die­sen oder ähn­li­chen Fel­dern aktiv sind, pro­fi­tie­ren vom Bran­chen­wachs­tum in einem über­pro­por­tio­na­len Maß.

Dem Umsatz­wachs­tum ste­hen jedoch zuneh­men­de Kos­ten­stei­ge­run­gen gegen­über. Auf­grund hoher Ent­wick­lungs­auf­wen­dun­gen und den nicht nur in Deutsch­land statt­fin­den­den Ein­spar­maß­nah­men der Aus­ga­ben­trä­ger nimmt der Druck auf die Ertrags­la­ge vie­ler Unter­neh­men zu. Dane­ben haben regu­la­to­ri­sche Hür­den und büro­kra­ti­sche Anfor­de­run­gen inzwi­schen einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf den Erfolg der Unter­neh­men und stel­len in einem stei­gen­den Aus­maß glei­cher­ma­ßen ein Inno­va­ti­ons­hemm­nis, eine Wachs­tums­brem­se und einen erheb­li­chen Kos­ten­fak­tor dar.

Ins­be­son­de­re die mit der neu­en EU-Medi­zin­pro­duk­te-Ver­ord­nung (MDR) anfal­len­den zusätz­li­chen Anfor­de­run­gen wer­den in die­sem Zusam­men­hang von den Her­stel­lern als inno­va­ti­ons­feind­lich beur­teilt. Das wirkt sich auch auf die Start-up-Kul­tur der Bran­che aus: Ins­be­son­de­re jun­gen Unter­neh­men fällt es ange­sichts der vor­han­de­nen Zulas­sung- und Erstat­tungs­fra­gen schwer, ihre Pro­duk­te mit dem dafür benö­tig­ten lan­gen Atem erfolg­reich auf den Markt zu brin­gen.

Die Markt­for­scher von Eva­lua­te­Med­Tech pro­gnos­ti­zie­ren für die kom­men­den Jah­re ein jähr­li­ches Wachs­tum des Welt­mark­tes für Medi­zin­tech­nik in Höhe von rund 5 Pro­zent, die Markt­grö­ße soll in 2022 einen Wert von etwa 530 Mrd. USD errei­chen. Es ist zu erwar­ten, dass die deut­sche Medi­zin­tech­nik, die hoch inno­va­tiv, gut posi­tio­niert und inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig ist, von die­ser Ent­wick­lung min­des­tens pro­por­tio­nal pro­fi­tie­ren wird. Einer der wich­tigs­ten Erfolgs­fak­to­ren wird dabei sein, den Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen, die sich aus der Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens erge­ben, erfolg­reich zu begeg­nen und den Wan­del hin zum Anbie­ter digi­ta­ler und ganz­heit­li­cher Gesund­heits­lö­sun­gen zu meis­tern.

 

 

Quelle
SPECTARIS. Deutscher Industrieverband für optische,   medizinische und mechatronische Technologien e.V. 
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