Mehr oder weniger Krankenhäuser: Welche Therapie ist angezeigt?

Im Jahr 1991 gab es in Deutsch­land noch 2411 Kran­ken­häu­ser. Inzwi­schen ist die Zahl unter die 2000er-Mar­ke gerutscht. Die Lin­ke for­dert nun eine neue Kran­ken­haus­pla­nung. Ande­ren Stim­men spre­chen sich dafür aus, die Zahl noch wei­ter zu redu­zie­ren.

Wegen der stän­dig sin­ken­den Zahl der Kran­ken­häu­ser in Deutsch­land for­dert die Lin­ke im Bun­des­tag einen Kurs­wech­sel auf dem Kli­nik­sek­tor. Die Zahl der Kran­ken­häu­ser sank inner­halb von 20 Jah­ren um 318 auf nur noch 1951 im Jahr 2016. Die Zahl der Kran­ken­haus­bet­ten nahm in die­sem Zeit­raum um 95.025 auf 498.718 im Jahr 2016 ab. Das geht aus der aktu­el­len Gesund­heits­be­richt­erstat­tung des Bun­des her­vor.

Lin­ken-Frak­ti­ons­vi­ze­che­fin Sabi­ne Zim­mer­mann, die auf die Zah­len auf­merk­sam mach­te, sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur: «Kran­ken­haus­schlie­ßun­gen gefähr­den die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in der Flä­che, gera­de in länd­li­chen Regio­nen.» Lan­ge Wege könn­ten im Not­fall sogar lebens­be­droh­lich sein.

Wäh­rend die Zahl der öffent­lich und kirch­lich betrie­be­nen Kli­ni­ken immer wei­ter sank, nahm die Zahl der pri­vat geführ­ten Kran­ken­häu­ser auf zuletzt 707 zu. Auch die­se Ten­denz kri­ti­sier­te die Lin­ke.

Es gab auch weni­ger Ent­bin­dungs­sta­tio­nen. Waren dies im Jahr 1996 noch 1114, gab es 2016 nur noch 690 Kli­ni­ken mit Ent­bin­dun­gen.

Zim­mer­mann for­der­te eine bedarfs­ori­en­tier­te, demo­kra­ti­sche Kran­ken­haus­pla­nung unter Betei­li­gung der Pati­en­ten.

RWI bemän­gelt zu vie­le klei­ne Ein­rich­tun­gen

Ande­re Beob­ach­ter kom­men zu gegen­sätz­li­chen Bewer­tun­gen. So stell­te das For­schungs­in­sti­tut RWI bei der Vor­stel­lung sei­nes Kran­ken­haus Rating Reports 2017 fest, es gebe zu vie­le klei­ne Ein­rich­tun­gen, eine zu hohe Kran­ken­haus­dich­te und zu wenig Spe­zia­li­sie­rung. Weil vie­le Kli­ni­ken kom­pli­zier­te Behand­lun­gen durch­führ­ten, auch wenn sie kei­ne brei­te Erfah­rung damit hät­ten, wür­den die betrof­fe­nen Pati­en­ten unnö­ti­gen Risi­ken aus­ge­setzt, urtei­len vie­le Exper­ten und Kran­ken­kas­sen.

Der­zeit ist eine Reform in dem Bereich im Gang. Ange­sto­ßen durch die Poli­tik macht der zustän­di­ge Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss den Kli­ni­ken Vor­ga­ben für ein­zel­ne The­ra­pi­en. Wenn die­se nicht ein­ge­hal­ten wer­den, sol­len Abtei­lun­gen oder gan­ze Häu­ser schlie­ßen. Zustän­dig für die Kran­ken­haus­pla­nung sind im Wesent­li­chen die Län­der.

Fer­ner haben sich Uni­on und SPD in ihren Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen auf mehr Geld für die Kli­ni­ken geei­nigt. Die Arbeits­tei­lung zwi­schen Zen­tren für schwe­re und kom­ple­xe Erkran­kun­gen, Kli­ni­ken für die Grund­ver­sor­gung und ambu­lan­ten Schwer­punkt­pra­xen soll gestärkt wer­den. Die Aus­ga­ben der Kas­sen für Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen waren 2016 um 2,6 auf 73,7 Mil­li­ar­den Euro gestie­gen.

(dpa/ms)

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