MOG-Antikörper bei Kindern: Hinweis auf neue Gruppe von Erkrankungen

Wenn Kin­der eine hohe Kon­zen­tra­ti­on von Anti­kör­pern gegen Mye­lin-Oli­go­den­dro­zy­ten-Gly­ko­pro­te­in (MOG) im Blut zei­gen, muss das nicht – wie bis­her ange­nom­men – ein Hin­weis auf begin­nen­de Mul­ti­ple Skle­ro­se (MS) sein.

Eine inter­na­tio­na­le Grup­pe von Kin­der­ärz­ten unter der Lei­tung von Prof. Kevin Rostasy von der Ves­ti­schen Kin­der­kli­nik der Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke (UW/H) konn­te in einer Stu­die zei­gen, dass Kin­der mit MOG-Anti­kör­pern ande­re ent­zünd­li­che Erkran­kun­gen der wei­ßen Gehirn­sub­stanz haben. Die­se Ent­zün­dun­gen sind auch im wei­te­ren Ver­lauf nicht mit einer MS asso­zi­iert und stel­len mög­li­cher­wei­se eine neue eigen­stän­di­ge Erkran­kungs­grup­pe dar.

Eine der Erkran­kun­gen im Kin­des­al­ter bei der sich MOG-Anti­kör­per fin­den, ist die „aku­te demye­li­ni­sie­ren­de Enze­pha­lo­mye­li­tis (ADEM)“. Sie tritt häu­fig bei Kin­dern eine bis vier Wochen nach einer Virus­in­fek­ti­on auf. Die Sym­pto­me sind sehr viel­fäl­tig und rei­chen von Wesens­ver­än­de­run­gen, Schläf­rig­keit, Kopf­schmer­zen und neu­ro­lo­gi­schen Zei­chen wie halb­sei­ti­ge Läh­mun­gen und Seh­pro­ble­men. Älte­re Kin­der ent­wi­ckeln dage­gen häu­fig eine ein­sei­ti­ge Seh­ner­ven­ent­zün­dung (Opti­kus Neu­ri­tis). Bis­her waren MOG-Anti­kör­per in Ver­bin­dung mit MS gebracht wor­den, weil in Tier­mo­del­len zur MS die Appli­ka­ti­on von MOG-Anti­kör­pern zu einer Ver­schlech­te­rung der Sym­pto­me geführt hat.

In der vor­lie­gen­den inter­na­tio­na­len pro­spek­ti­ven Stu­die mit 220 Kin­dern konn­ten die For­scher außer­dem zei­gen, dass Kin­der, die anhal­ten­de hohe MOG-Anti­kör­per im Serum auf­wei­sen, eine hohe Wahr­schein­lich­keit haben, wei­te­re Epi­so­den zu ent­wi­ckeln und auf die Basis­the­ra­peu­ti­ka, die in der kind­li­chen MS ver­wen­det wer­den, sehr schlecht anspre­chen. Wei­te­re Unter­su­chun­gen sind nun not­wen­dig, um die opti­ma­le immun­mo­du­la­to­ri­sche The­ra­pie für die­se Kin­der mit MOG-Anti­kör­per zu fin­den.

Die Stu­die wur­de in der ame­ri­ka­ni­schen Zeit­schrift „Neu­ro­lo­gy” ver­öf­fent­licht (http://​www​.neu​ro​lo​gy​.org/​c​o​n​t​e​n​t​/​8​9​/​9​/​9​0​0​.​s​h​ort)

Zum Hin­ter­grund:
Das Mye­lin-Oli­go­den­dro­zy­ten-Gly­ko­pro­te­in (MOG) ist ein wich­ti­ger Bestand­teil der Mye­lin­schei­de, also der Hül­le um die Ner­ven­bah­nen des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems von Gehirn und Rücken­mark. Die Ner­ven­fa­sern wer­den nor­ma­ler­wei­se von einer schüt­zen­den Hül­le umge­ben, die aus Fett und Eiweiß besteht – dem Mye­lin. Die­se Hül­le iso­liert die Ner­ven­fa­sern und sorgt dadurch für eine schnel­le Wei­ter­lei­tung der elek­tri­schen Signa­le. Bei einer MS-Erkran­kung kön­nen infol­ge einer Fehl­funk­ti­on des Immun­sys­tems kör­per­ei­ge­ne Zel­len wie Lym­pho­zy­ten und Makro­pha­gen das Mye­lin der Ner­ven­fa­sern und/oder die Ner­ven­zel­len selbst angrei­fen (Demye­li­ni­sie­rung). Dadurch bil­den sich ent­zünd­li­che „Löcher“ (Plaques), in die umlie­gen­de Bin­de­ge­webs­zel­len ein­drin­gen und die­se „Löcher“ dann ver­nar­ben las­sen. Durch die­sen Vor­gang hat die Erkran­kung ihren Namen erhal­ten: „Mul­ti­ple Skle­ro­se = mehr­fa­che Ver­här­tun­gen“.

Quel­le: Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke (UW/H)

Mehr anzeigen
Anzeige

Verwandte Artikel

Close