MRSA-Keim USA300: Internationales Forscher-Team klärt Wanderungsbewegung

Ein For­scher­team um Prof. Alex­an­der Mell­mann von der Uni­ver­si­tät Müns­ter hat die mole­ku­la­re Evo­lu­ti­on und die zeit­li­che glo­ba­le Ver­brei­tung des beson­ders krank­heits­er­re­gen­den Bak­te­ri­ums  „USA300“ auf­ge­klärt.

USA300 ist ein Sub­typ des methi­cil­lin­re­sis­ten­ten Sta­phy­lo­coc­cus aure­us (S. aure­us), bes­ser bekannt als MRSA. „Die­ser spe­zi­el­le Sub­typ ist des­halb so inter­es­sant, weil er neben sei­ner Anti­bio­tika­re­sis­tenz eine sehr hohe Viru­lenz auf­weist – also beson­ders krank­heits­er­re­gend ist – und zunächst außer­halb von Kran­ken­häu­sern nach­ge­wie­sen wur­de“, erklärt Mell­mann, der im Insti­tut für Hygie­ne des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Müns­ter arbei­tet.

Beim Men­schen löst USA300 meist schnell fort­schrei­ten­de Haut- und töd­li­che Lun­gen­in­fek­tio­nen aus. Bereits seit etwa 2000 ver­brei­tet sich der Keim inner­halb der USA und ist dort zuneh­mend in Kran­ken­häu­sern ein Pro­blem, da er sich dort, in der geschlos­se­nen Umge­bung, beson­ders gut ver­meh­ren kann. Auch in Euro­pa – also eben­falls in Deutsch­land – und der Pazi­fik­re­gi­on Asi­ens konn­ten For­scher den Keim in frü­he­ren Stu­di­en bereits als Erre­ger schwe­rer Infek­tio­nen nach­wei­sen. In Afri­ka jedoch waren sein Ursprung und Vor­kom­men bis­her unbe­kannt.

Um hier Ant­wor­ten zu fin­den, ver­gli­chen die Wis­sen­schaft­ler – unter ande­rem aus Deutsch­land, der Schweiz, Kap Ver­de, Mosam­bik und Tan­sa­nia – in ihrer Stu­die die Geno­me von 224 zeit­lich und räum­lich ver­schie­den auf­tre­ten­den S. aure­us-Iso­la­ten. So gelang es ihnen, die mole­ku­la­re Evo­lu­ti­on und zeit­li­che glo­ba­le Ver­brei­tung des USA300 zu rekon­stru­ie­ren.

Unse­re Hypo­the­se war, dass der Erre­ger in Afri­ka ent­stan­den sein könn­te. Unse­re Ergeb­nis­se zei­gen aber etwas ande­res: Ein Vor­läu­fer des USA300 ist wahr­schein­lich Mit­te des 19. Jahr­hun­derts in Zen­tral­eu­ro­pa aus einem weni­ger viru­len­ten, weni­ger resis­ten­ten Bak­te­ri­um ent­stan­den. Von hier aus gelang­te er Anfang des 20. Jahr­hun­derts nach Nord­ame­ri­ka, ent­wi­ckel­te die Cha­rak­te­ris­ti­ka des heu­ti­gen USA300 und gelang­te erst dann auch nach Afri­ka, wo wir wie­der eine Son­der­form nach­wei­sen konn­ten“, so Mell­mann.

Die Stu­di­en­ergeb­nis­se der Wis­sen­schaft­ler bil­den die Grund­la­ge für eine fort­lau­fen­de Über­wa­chung der Ver­brei­tungs­we­ge des mul­ti­re­sis­ten­ten Keims: Die­se zu ken­nen ist ent­schei­dend, um eine wei­te­re Aus­brei­tung ver­hin­dern und mög­li­che Aus­brü­che bes­ser kon­trol­lie­ren zu kön­nen.

Ihre Stu­die führ­ten die For­scher über acht Jah­re inner­halb des Pro­jek­tes „Infec­tion, Bio­lo­gy and Epi­de­mio­lo­gy of Sta­phy­lo­coc­ci and Sta­phy­lo­coc­cal Disea­ses in South and Cen­tral Afri­ka“ durch, das von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft geför­dert wur­de.

Ori­gi­nal­pu­bli­ka­ti­on: Strauß L et al. Proc Natl Acad Sci U S A. 2017 Nov 20. pii: 201702472.

Quelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
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