Neuer Sonderforschungsbereich: Herz-Kreislauf-Forschung für Nierenkranke

In einem neu­en Son­der­for­schungs­be­reich erfor­schen Medi­zi­ner aus dem Saar­land und Aachen den Zusam­men­hang zwi­schen Nie­ren­er­kran­kun­gen und Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen. Spre­cher des uni­ver­si­täts­über­grei­fen­den Son­der­for­schungs­be­reichs (Trans­re­gio) ist Pro­fes­sor Dani­lo Fli­ser, Direk­tor der Kli­nik für Nie­ren- und Hoch­druck­krank­hei­ten am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­lan­des. Die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft för­dert den Trans­re­gio von 2018 bis 2021 knapp 8 Mil­lio­nen Euro.

Pati­en­ten, deren Nie­ren nicht mehr rich­tig funk­tio­nie­ren, haben mit einer Viel­zahl von Ein­schrän­kun­gen und Kom­pli­ka­tio­nen zu leben. Etwa 100.000 Men­schen müs­sen in Deutsch­land regel­mä­ßig zur Dia­ly­se, rund 25.000 Men­schen leben mit einer trans­plan­tier­ten Nie­re, deren Funk­tio­nen eben­falls häu­fig ein­ge­schränkt sind. Ins­ge­samt leben in Deutsch­land schät­zungs­wei­se 1,5 bis zwei Mil­lio­nen Men­schen, die eine Ein­schrän­kung ihrer Nie­ren­funk­ti­on haben. 

Die­se haben oft auch mit Fol­ge­er­kran­kun­gen zu kämp­fen, deren Ursa­che in der feh­ler­haf­ten Arbeit der Nie­ren liegt, zum Bei­spiel Anämie. „Das Haupt­pro­blem sind aber tat­säch­lich kar­dio­vasku­lä­re Krank­hei­ten, an denen die­se Pati­en­ten deut­lich häu­fi­ger lei­den als die Nor­mal­be­völ­ke­rung“, erklärt Fli­ser, der Spre­cher des neu­en Trans­re­gio. „Ein Dia­ly­se­pa­ti­ent hat ein drei­mal höhe­res Risi­ko, an einem Ver­sa­gen des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems zu ster­ben, als ein Mensch mit gesun­den Nie­ren. War­um das so ist, ist medi­zi­nisch noch nicht hin­rei­chend erforscht“, erläu­tert der Direk­tor der Kli­nik für Nie­ren- und Hoch­druck­krank­hei­ten am Uni­kli­ni­kum Hom­burg. 

Um dies her­aus­zu­fin­den, gehen die Medi­zi­ner der Nephrolo­gie und der Kar­dio­lo­gie aus dem Saar­land und aus Aachen nun eine For­schungs­ko­ope­ra­ti­on ein, die in die­ser Kon­stel­la­ti­on ein­ma­lig ist. In 19 Teil­pro­jek­ten inklu­si­ve eines gemein­sa­men Gra­du­ier­ten­kol­legs for­schen Nephrolo­gen und Kar­dio­lo­gen zu glei­chen Antei­len mit­ein­an­der.

Dass die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft einen sol­cher­art auf­ge­stell­ten Trans­re­gio unter­stützt, zeigt auch den Stel­len­wert des Pro­blems“, sagt Fli­ser. Ein­ma­lig in die­sem For­schungs­ver­bund sei vor allem das Pati­en­ten­kol­lek­tiv, das den Arbei­ten zugrun­de liegt. Übli­cher­wei­se wer­den For­schun­gen, die kar­dio­vasku­lä­re Erkran­kun­gen zum Gegen­stand haben, nicht vor­wie­gend auf Grund­la­ge von Pati­en­ten kon­zi­piert, die dar­über hin­aus auch noch an Nie­ren­er­kran­kun­gen lei­den. Das ist beim Ver­bund der saar­län­di­schen und Aache­ner For­scher nun anders.

Neben den fest­stell­ba­ren kar­dio­vasku­lä­ren Erkran­kun­gen, die häu­fi­ger bei Nie­ren­pa­ti­en­ten auf­tre­ten, gibt es auch einen Zusam­men­hang zwi­schen Nie­ren­er­kran­kun­gen und dem Alte­rungs­pro­zess. „Die Gefä­ße bei nie­ren­er­krank­ten Per­so­nen ver­kal­ken bei­spiels­wei­se anders als bei gesun­den Men­schen, sie altern gewis­ser­ma­ßen schnel­ler“, erklärt Fli­ser. Die Zusam­men­hän­ge, die zu die­sem Phä­no­men füh­ren, sind bis­her eben­falls kaum erforscht. Auch ihnen wol­len die For­scher im Trans­re­gio auf den Grund gehen. „Mög­li­cher­wei­se gibt es auch Mecha­nis­men, die für die All­ge­mein­be­völ­ke­rung gel­ten“, erläu­tert Fli­ser. 

Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Man­fred Schmitt zeig­te sich erfreut über den neu­en Trans­re­gio-Son­der­for­schungs­be­reich: „Für die Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des ist die Bewil­li­gung ein fan­tas­ti­sches Signal und eine Bestä­ti­gung unse­rer Bemü­hun­gen, den Schwer­punkt Bio­me­di­zin an der Schnitt­stel­le von kli­ni­scher und vor­kli­ni­scher For­schung wei­ter zu stär­ken. Der Bereich der trans­la­tio­na­len Medi­zin wur­de in den letz­ten Jah­ren kon­se­quent zu einem natio­nal sicht­ba­ren Leis­tungs­be­reich ent­wi­ckelt, der nun­mehr zur erfolg­rei­chen Ein­rich­tung eines neu­en Son­der­for­schungs­be­reichs geführt hat.“

„Die För­der­ent­schei­dung der DFG belegt, dass die Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des zu den füh­ren­den Stand­or­ten in den Berei­chen Herz- und Nie­ren­for­schung gehört. Der Son­der­for­schungs­be­reich ist ein wich­ti­ger Bau­stein in der Lan­des­hoch­schul­ent­wick­lungs­pla­nung bis 2020 und wird einen bedeu­ten­den Bei­trag zum wei­te­ren Aus­bau die­ser For­schungs­be­rei­che leis­ten. Den betei­lig­ten Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern gra­tu­lie­re ich herz­lich und wün­sche für die kom­men­den Jah­re einen erfolg­rei­chen Ver­lauf ihrer Pro­jek­te in einem star­ken Ver­bund“, erklär­te Minis­ter­prä­si­den­tin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er. Im Rah­men der gesamt­staat­li­chen Bund-Län­der-Finan­zie­rung ist die Staats­kanz­lei an der Finan­zie­rung der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft mit jähr­lich ins­ge­samt rund 10 Mil­lio­nen Euro betei­ligt.

Quelle
Universität des Saarlandes
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