Neues Verfahren: „Zungenschrittmacher“ hilft gegen Atemaussetzer im Schlaf

Pre­mie­re im Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Düs­sel­dorf (UKD): Die HNO-Exper­ten des Kli­ni­kums haben erst­mals einen „Zun­gen­schritt­ma­cher“ bei Pati­en­ten ein­ge­setzt, die wäh­rend des Schlafs an Atem­aus­set­zern lei­den.

Der Schritt­ma­cher sti­mu­liert die Mus­ku­la­tur der Zun­ge wäh­rend des Schlafs mit Strom­im­pul­sen. So kön­nen die Atem­aus­set­zer ver­hin­dert wer­den“, erklärt Dr. Chris­ti­an Plet­ten­berg. Er ist Ober­arzt der UKD-Kli­nik für Hals- Nasen- und Ohren­heil­kun­de (Direk­tor: Prof. Dr. Hans-Jörg Schip­per). Das neue Ver­fah­ren kön­ne dann ein­ge­setzt wer­den, wenn die übli­che Behand­lung mit der Atem­mas­ke zu kei­ner Ver­bes­se­rung führt oder nicht mög­lich ist.

Im Schlaf kön­nen sich durch eine Ent­span­nung der Mus­keln Atem­we­ge ver­en­gen, da die Spann­kraft der Zun­gen- und Rachen­mus­ku­la­tur nach­lässt. Die Fol­ge sind Atem­aus­set­zer mit Abfal­len des Sauer­stoff­ge­halts im Blut. „Eine Kon­se­quenz ist, dass die betrof­fe­nen Pati­en­ten nicht die erhol­sa­men Tief­schlaf- und Traum­pha­sen errei­chen. Tags­über füh­len sie sich müde und unkon­zen­triert. Auch das Risi­ko für einen Schlag­an­fall und einen Herz­in­farkt steigt an“, so Plet­ten­berg. Stu­di­en gehen davon aus, dass bis zu 20 Pro­zent der Erwach­se­nen über 50 Jah­ren an einer Schlaf-Apnoe lei­den.

Liegt das Pro­blem auf Höhe des Zun­gen­grunds, kann der Schritt­ma­cher hel­fen, so der HNO-Exper­te, der eng mit dem Schlaf­zen­trum an der Düs­sel­dor­fer Uni­kli­nik zusam­men­ar­bei­tet. Der Schritt­ma­cher hat die Grö­ße eines „nor­ma­len“ Stan­dard-Herz­schritt­ma­chers und wird im Brust­be­reich unter­halb des Schlüs­sel­beins ein­ge­setzt. Über einen Sen­sor wer­den Infor­ma­tio­nen über die Atmung ver­mit­telt. Eine Elek­tro­de unter der Zun­ge gibt dann nachts beim Ein­at­men einen Strom­im­puls ab. Die­ser Impuls wirkt dann auf die Zun­gen­mus­ku­la­tur und sorgt so für die nöti­ge Bewe­gung -„Hypo­glos­sus­sti­mu­la­ti­on“.

Der Pati­ent kann nach dem Ein­set­zen den Schritt­ma­cher mit einer Fern­be­die­nung aus- und ein­schal­ten. Plet­ten­berg: „Dabei kann man auch eine Ein­schlaf­zeit pro­gram­mie­ren, so dass das Gerät erst nach einer gewis­sen Zeit ein­setzt und nicht beim Ein­schla­fen stört.“ Die ers­ten Ein­grif­fe dau­er­ten jeweils zwei Stun­den.

Um über das neue Ver­fah­ren auf­zu­klä­ren, gibt es einen Infor­ma­ti­ons­tag für Pati­en­ten am 24. Febru­ar von 10 bis 12 Uhr und für Ärz­te von 13 bis 15 Uhr. Gemein­sam mit den Kol­le­gen des UKD-Schlaf­zen­trums wird Dr. Plet­ten­berg die neue Metho­de erklä­ren.

Quelle
Universitätsklinikum Düsseldorf
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