Notfallversorgung: Was ist wichtig für Kinder?

Die Zahl der Not­fall­be­hand­lun­gen in den Kran­ken­häu­sern hat in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zuge­nom­men. Die „Not der Not­auf­nah­men“ und die Neu­struk­tu­rie­rung der Not­fall­ver­sor­gung wer­den viel dis­ku­tiert und sind aktu­ell gro­ße The­men. Die Deut­sche Gesell­schaft für Kin­der­chir­ur­gie e.V. (DGKCH) for­dert alle betei­lig­ten Akteu­re dazu auf, die beson­de­ren Bedürf­nis­se von Kin­dern nicht zu ver­ges­sen.

Bei der Neu­struk­tu­rie­rung der Not­fall­ver­sor­gung darf bei allen Ver­gü­tungs-, Bele­gungs-, Bud­ge­tie­rungs- und Ver­tei­lungs­in­ter­es­sen nicht unter­ge­hen, dass unse­re kleins­ten Pati­en­ten und auch deren Eltern in der Not­auf­nah­me sehr spe­zi­el­le Bedürf­nis­se haben“, erklärt der Prä­si­dent der DGKCH, Prof. Dr. med. Peter Schmit­ten­be­cher anläss­lich der Herbst­ta­gung der DGKCH in Köln.

Der Not­fall im Kin­des­al­ter bedür­fe einer ent­spre­chen­den Beach­tung, denn auch in den Kin­der­not­auf­nah­men sei­en die Zah­len gestie­gen. Und das, obwohl es schon an vie­len Stel­len und seit gerau­mer Zeit die Inte­gra­ti­on kin­der­ärzt­li­cher Not­fall­pra­xen in Kin­der­kli­ni­ken gibt. Erfreu­li­cher­wei­se ist die Kin­der­heil­kun­de ja noch ein Fach, in dem es vie­ler­orts einen fach­ärzt­li­chen Not­dienst gibt. „Not­fäl­le im Kin­des­al­ter sind immer von beson­de­rer emo­tio­na­ler Bri­sanz für die Fami­li­en“, betont Schmit­ten­be­cher. Sie machen (bis zum 18. Lebens­jahr) knapp zehn Pro­zent aller Not­fäl­le aus. „Selbst bei offen­sicht­li­chen Baga­tell­ver­let­zun­gen dau­ert es im Ein­zel­fall meist län­ger als die dafür vor­ge­se­he­nen zwei Minu­ten, besorg­te Eltern von der begrenz­ten Schwe­re der Ver­let­zung zu über­zeu­gen und damit län­ger als die Ver­let­zung tat­säch­lich zu ver­sor­gen.“ Zudem sei auf­grund der alters­be­dingt oft begrenz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­keit mit den klei­nen Pati­en­ten die Fest­le­gung der Ver­let­zung als „Baga­tel­le“ sehr schwie­rig. „Da hel­fen auch die in der neu­en Ver­gü­tungs­struk­tur aus­ge­lob­ten 9,48 Euro Zuschlag wegen schwie­ri­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on – aber nur nachts; tags­über hält man Kin­der offen­sicht­lich für kom­mu­ni­ka­ti­ver – nicht ent­schei­dend wei­ter“, so der Prä­si­dent der DGKCH.

Kin­der­not­fäl­le umfas­sen nicht nur inter­nis­ti­sche Krank­heits­bil­der, son­dern auch chir­ur­gi­sche. Die Kin­der­chir­ur­gie ist eines der Fach­ge­bie­te, in denen das Netz der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te so weit­ma­schig ist, dass eine ent­spre­chen­de Not­fall­ver­sor­gungs­struk­tur nicht rea­li­sier­bar ist. Kin­der­chir­ur­gi­sche Kas­sen­sit­ze zäh­len zur Chir­ur­gie. Ist also der chir­ur­gi­sche kas­sen­ärzt­li­che Bereit­schafts­dienst zustän­dig? „Nur par­ti­ell, möch­te man sagen, denn auch für kin­der­chir­ur­gi­sche Not­fäl­le gilt, dass sich hier vie­le Krank­heits­fäl­le anders dar­stel­len als bei Erwach­se­nen, im Erwach­se­nen­al­ter über­haupt nicht vor­kom­men oder aber eine beson­de­re Diagnostik/Therapie erfor­dern“, erklärt Schmit­ten­be­cher. Dar­aus resul­tiert die For­de­rung der DGKCH nach einer sepa­ra­ten Rege­lung der Not­fall­ver­sor­gung im Kin­des­al­ter mit eige­nen Struk­tu­ren.
Dem kommt der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G-BA) bereits nach, indem die Not­fall­ver­sor­gung im Kin­des­al­ter im Abschnitt VI der ent­spre­chen­den Ent­wurfs-Erst­fas­sung ver­or­tet wur­de (spe­zi­el­le Not­fall­ver­sor­gung). Hier muss nun rea­li­siert wer­den, dass eine Kli­nik, an der kein Kinderarzt/Kinderchirurg tätig ist, für das Kin­des­al­ter nur eine Basis­ver­sor­gung (Stu­fe 3) leis­ten kann – unab­hän­gig von der sons­ti­gen Qua­li­fi­ka­ti­on. Nach kla­ren Kri­te­ri­en und in einer eta­blier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tur muss das Kind dann ggf. in die erwei­ter­te Not­fall­ver­sor­gung (Stu­fe 2) trans­por­tiert wer­den, wo eine bet­ten­füh­ren­de päd­ia­tri­sche Kli­nik mit ärzt­li­chem und pfle­ge­ri­schem Fach­per­so­nal (24/7) und kind­ge­rech­ten Dia­gnos­tik-Algo­rith­men vor­ge­hal­ten wird. Kom­ple­xe­re kin­der­chir­ur­gi­sche Fäl­le sind auf die Ebe­ne der umfas­sen­den Not­fall­ver­sor­gung (Stu­fe 1) zu ver­le­gen, wo min­des­tens ein Fach­arzt für Kin­der­chir­ur­gie in Ruf­be­reit­schaft ist.

Quelle
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
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