OECD: Deutschland hat mit die höchsten Gesundheitsausgaben weltweit

Die Erkennt­nis­se aus der OECD-Stu­die zur Gesund­heits­ver­sor­gung in Deutsch­land sind nicht ganz neu. Inter­es­sant ist aber, dass es in ande­ren rei­chen Län­dern nicht viel anders läuft.

Deutsch­land hat welt­weit mit die höchs­ten Gesund­heits­aus­ga­ben. Mehr als Deutsch­land mit 11,3 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes (BIP) geben etwa die Schweiz (12,4 Pro­zent) und die USA (17,2 Pro­zent) aus, wie die Orga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) am Frei­tag in Ber­lin zu ihrem Län­der­ver­gleich 2017 mit­teil­te. Der OECD-Durch­schnitt liegt bei 9,0 Pro­zent vom BIP. Die Aus­ga­ben allein der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung in Deutsch­land belau­fen sich der­zeit auf fast 230 Mil­li­ar­den Euro. Die Tür­kei liegt bei den Gesund­heits­aus­ga­ben im OECD-Ver­gleich mit 4,3 Pro­zent vom BIP am unte­ren Ende der Ska­la.

Aller­dings müs­sen dem­nach die Schwei­zer oder die Ame­ri­ka­ner für ihre Gesund­heits­ver­sor­gung wesent­lich tie­fer in die eige­ne Tasche grei­fen als die Deut­schen. Und auch der Ser­vice sei in Deutsch­land bes­ser als in den meis­ten ande­ren Län­dern. So hät­ten Pati­en­ten rela­tiv gerin­ge War­te­zei­ten. Und auch die Wahl­mög­lich­kei­ten, etwa des Arz­tes, sei­en viel aus­ge­präg­ter als anders­wo, so die OECD-Stu­die.

Man kann aber auch noch eini­ges ver­bes­sern. So weist der Bericht dar­auf hin, dass Deutsch­land mit rund 2000 Häu­sern eine rela­tiv hohe
Kran­ken­haus- und Bet­ten­dich­te habe. Es gebe eine über­durch­schnitt­lich hohe Über­le­bens­chan­ce bei Darm­krebs. Zugleich stellt der Report aber auch her­aus, dass mehr Ein­grif­fe im Kran­ken­haus ambu­lant erle­digt wer­den könn­ten. Eben­so soll­ten nicht not­wen­di­ge Ein­grif­fe redu­ziert wer­den. Zudem wird ein hoher Ver­brauch von Arz­nei­mit­teln kri­ti­siert.

Das gute Ange­bot bei der Gesund­heits­ver­sor­gung füh­re auch dazu, dass sie aus­gie­big genutzt wer­de, heißt es in dem Report. Aller­dings gebe es gro­ße regio­na­le Unter­schie­de, die teils auf eine Über­ver­sor­gung hin­wei­sen könn­ten. Das stimmt mit meh­re­ren deut­schen Unter­su­chun­gen über­ein, die fest­stel­len, dass beson­ders in Bal­lungs­räu­men, wo ein gro­ßes Ange­bot besteht, die­ses auch inten­siv genutzt wird – wäh­rend vor allem in länd­li­chen Räu­men das dort gerin­ge­re Ange­bot zurück­hal­ten­der genutzt wird.

In den OECD-Län­dern ist die Lebens­er­war­tung in den ver­gan­ge­nen rund 50 Jah­ren um zehn auf 80,6 Jah­re gestie­gen. Deutsch­land liegt hier im guten Mit­tel­feld. Lett­land steht dem Report zufol­ge mit einer Lebens­er­war­tung von 74,6 Jah­ren am Ende der Ska­la, Japan mit 83,9
Jah­ren an der Spit­ze.

Von den Gesund­heits­ri­si­ken – Rau­chen, Trin­ken, zu viel Essen – sind die Deut­schen beson­ders betrof­fen. In den meis­ten OECD-Län­dern ist das Rau­chen seit 2000 zum Teil deut­lich zurück­ge­gan­gen. Aller­dings hän­gen im OECD-Schnitt immer noch 18,4 Pro­zent der Erwach­se­nen (gerech­net ab 15 Jah­ren) täg­lich am Glimm­stän­gel. In Mexi­ko rau­chen nur 7,6 Pro­zent der Bevöl­ke­rung, in Grie­chen­land 27,3 Pro­zent. Deutsch­land liegt trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen der Bun­des­re­gie­rung mit 20,9 Pro­zent Rau­chern immer noch über dem Durch­schnitt.

Die Deut­schen trin­ken im Jahr in wel­cher Form auch immer 11 Liter rei­nen Alko­hol. Der Län­der­durch­schnitt liegt bei 9. Die Tür­ken trin­ken nur 1,4 Liter, die Bel­gi­er 12,6. Und die Japa­ner sind am schlanks­ten: nur 3,7 Pro­zent der dor­ti­gen Bevöl­ke­rung ist fett­lei­big (Body-Mass-Index >30). In den USA am ande­ren Ende der Ska­la sind es fast 40 Pro­zent (38,2). Die OECD-Mit­te liegt bei 19,4 und Deutsch­land bei 23,6 Pro­zent. (von Rup­pert Mayr, dpa)

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