SBRT beim NSCLC: Versorgungsforschung verbessert radioonkologische Behandlung

Die kör­per­ste­reotak­ti­sche Bestrah­lung (SBRT) set­zen Radioon­ko­lo­gen unter ande­rem zur The­ra­pie des nicht­klein­zel­li­gen Lun­gen­kar­zi­noms und zur Bestrah­lung von Lun­gen­me­ta­sta­sen ein.

Seit 2011 ana­ly­siert und bewer­tet die Arbeits­grup­pe Ste­reo­ta­xie der Deut­schen Gesell­schaft für Radioon­ko­lo­gie (DEGRO) die Metho­de und bau­te welt­weit ein­zig­ar­ti­ge Regis­ter­stu­di­en auf. Die Ergeb­nis­se der AG zei­gen, dass mit der ste­reotak­ti­schen Bestrah­lung nach zwei Jah­ren die Kon­trol­le von Lun­gen­tu­mo­ren sehr gut ist und zudem das Gesamt­über­le­ben der Pati­en­ten steigt. Auch konn­ten zahl­rei­che Ergeb­nis­se abge­lei­tet wer­den, wel­che die SBRT in der Pra­xis wei­ter ver­bes­sern.
 
Die Ste­reot­ac­tic Body Radia­ti­on The­ra­py, abge­kürzt SBRT, ist eine noch jun­ge Metho­de der Radioon­ko­lo­gie. Mit der SBRT kön­nen Radioon­ko­lo­gen eine prä­zi­se und inten­si­ve Bestrah­lung in weni­gen ambu­lan­ten Behand­lungs­sit­zun­gen durch­füh­ren – die Metho­de wird daher auch als Radio­chir­ur­gie bezeich­net, in Anleh­nung an die ope­ra­ti­ve Ent­fer­nung der Tumo­re. Vor­aus­set­zung dafür ist ein rela­tiv klei­ner, klar abgrenz­ba­rer Befund. „Mit der ste­reotak­ti­schen Bestrah­lung errei­chen wir nicht nur eine hohe loka­le Tumor­kon­trol­le, die Pati­en­ten ver­tra­gen die Behand­lung auch sehr gut“, erklärt Prof. Mat­thi­as Gucken­ber­ger, Direk­tor der Kli­nik für Radio-Onko­lo­gie am Uni­ver­si­täts­Spi­tal Zürich und Lei­ter der DEGRO-Arbeits­grup­pe Ste­reo­ta­xie. „Die SBRT hat sich ana­log zu ande­ren tech­ni­schen und kli­ni­schen Fort­schrit­ten in der Radioon­ko­lo­gie rasant wei­ter­ent­wi­ckelt. Vie­le Details der kli­ni­schen Pra­xis sind jedoch noch nicht stan­dar­di­siert“, gibt Gucken­ber­ger zu beden­ken. Das sei der Impuls für die Grün­dung der DEGRO-AG Ste­reo­ta­xie gewe­sen. „Nur wenn wir die SBRT anhand von Pati­en­ten­da­ten sys­te­ma­tisch erfor­schen und eva­lu­ie­ren, kön­nen wir eine brei­te und siche­re Anwen­dung der The­ra­pie gewähr­leis­ten“, so der Radioon­ko­lo­ge.
 
Die Arbeits­grup­pe befasst sich seit 2011 mit der SBRT beim nicht­klein­zel­li­gen Lun­gen­kar­zi­nom, dem NSCLC (non small cell lung can­cer) im frü­hen Sta­di­um. Das NSCLC ist mit 80 Pro­zent der dia­gnos­ti­zier­ten Fäl­le die häu­figs­te Lun­gen­krebs­form. Zen­tren aus Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz betei­lig­ten sich an der Ana­ly­se. Sie speis­ten Pati­en­ten­da­ten in das Regis­ter, sodass die For­scher eine Viel­zahl an Behand­lungs­da­ten aus­wer­ten konn­ten. „Die Details der SBRT wur­den an den ein­zel­nen betei­lig­ten Zen­tren unter­schied­lich prak­ti­ziert, einen klar defi­nier­ten Behand­lungs-Stan­dard gab es nicht in allen tech­ni­schen Fra­gen. Die Ana­ly­se der AG-Daten­bank erlaub­te es uns, wich­ti­ge Details zur opti­ma­len Pra­xis der SBRT her­aus­zu­ar­bei­ten und ent­spre­chen­de Behand­lungs­emp­feh­lun­gen zu erstel­len“, erklärt Gucken­ber­ger.
 
„Auch bei der Behand­lung von Lun­gen­me­ta­sta­sen, der häu­figs­ten Anwen­dung der SBRT, hat uns die Regis­ter­stu­die wert­vol­le Hin­wei­se gelie­fert“, ergänzt Pro­fes­sor Ste­pha­nie E. Combs, Direk­to­rin der Kli­nik und Poli­kli­nik für RadioOn­ko­lo­gie und Strah­len­the­ra­pie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen (TUM). Die 2012 initi­ier­te retro­spek­ti­ve Regis­ter­stu­die zur Lun­gen­krebs­be­strah­lung von Oli­go­me­ta­sta­sen – das sind Meta­sta­sen des Tumors an weni­gen Stel­len im Kör­per – zeig­te, dass nach 14 Mona­ten bei über 80 Pro­zent der Pati­en­ten die Toch­ter­ge­schwuls­te kon­trol­liert wer­den konn­ten, was zu einem Gesamt­über­le­ben von 54 Pro­zent führ­te. „Der wich­tigs­te Ein­fluss­fak­tor auf die loka­le Tumor­kon­trol­le war bei den Lun­gen­me­ta­sta­sen wie beim frü­hen NSCLC die Bestrah­lungs­do­sis“, betont Combs, Pres­se­spre­che­rin der DEGRO. Das Gesamt­über­le­ben hin­ge­gen hing vom Aus­maß der Oli­go­me­ta­sta­sie­rung, dem All­ge­mein­zu­stand des Pati­en­ten und der Zeit­span­ne zwi­schen Erst­dia­gno­se und Meta­sta­sie­rung ab.
 
Die Radioon­ko­lo­gen haben mit der Ana­ly­se der Pati­en­ten­da­ten zudem ein wei­te­res Instru­ment ent­wi­ckelt, das bei einer beson­ders wich­ti­gen Fra­ge die The­ra­pie­ent­schei­dung lenkt: Wel­cher Pati­ent pro­fi­tiert von einer SBRT? „Auf der Basis der DEGRO-AG-Ste­reo­ta­xie-Daten­bank kön­nen wir gra­fi­sche Dar­stel­lun­gen erzeu­gen, soge­nann­te Nomo­gram­me, mit denen wir das Gesamt­über­le­ben abschät­zen kön­nen “, erklärt Gucken­ber­ger. Arzt und Pati­ent erhal­ten damit eine wei­te­re Ent­schei­dungs­hil­fe bei der Fra­ge, wel­che Behand­lungs­stra­te­gie gewählt wer­den soll und wel­che den größ­ten Nut­zen für den Pati­en­ten bringt.
 
Lite­ra­tur: Gucken­ber­ger M. Der Onko­lo­ge 2017;23(11):918–923.

Quelle
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie
Mehr anzeigen
Anzeige

Verwandte Artikel

Close