STOP-Studie: Kinderwunsch trotz Krebs

The­ra­pi­en gegen bös­ar­ti­ge Erkran­kun­gen sind zuneh­mend erfolg­reich, aber gleich­zei­tig auch immer sehr aggres­siv. In der Fol­ge müs­sen jun­ge Betrof­fe­ne oft ihre Fami­li­en­pla­nung zurück­stel­len oder ganz auf­ge­ben. Neue Erkennt­nis­se zei­gen, dass dies nicht immer sein muss.

In den STOP-Stu­di­en unter­su­chen UKL-Ärz­te zusam­men mit Kol­le­gen welt­weit die Mög­lich­kei­ten einer ver­kürz­ten The­ra­pie und damit einer Kin­der­wun­sch­er­fül­lung trotz Krebs. Die chro­ni­sche mye­loi­sche Leuk­ämie, kurz CML, ist bei­spiels­wei­se eine inzwi­schen gut behan­del­ba­re Krebs­er­kran­kung, die im Erwach­se­nen­al­ter auf­tritt. Jähr­lich erkran­ken in Deutsch­land etwa 1700 Men­schen neu an CML. Wäh­rend vor 40 Jah­ren etwa 90 Pro­zent der Erkrank­ten ver­star­ben, über­le­ben heu­te 90 Pro­zent der Pati­en­ten dank den moder­nen, in Leip­zig mit­ent­wi­ckel­ten mole­ku­la­ren Behand­lungs­mög­lich­kei­ten. Seit der Jahr­tau­send­wen­de erfolgt die The­ra­pie mit Hil­fe von Tablet­ten, soge­nann­ten Tyro­ki­na­se-Hem­mern, die dau­er­haft ein­ge­nom­men wer­den müs­sen.

Wir dach­ten lan­ge, dass wir die­se The­ra­pie, die die zugrun­de­lie­gen­de Gen­ver­än­de­rung neu­tra­li­siert, lebens­lang fort­set­zen müs­sen“, erklärt Prof. Diet­ger Nie­der­wie­ser, Onko­lo­ge am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Leip­zig. „Dann haben wir bei Pati­en­ten, die eine Behand­lung nicht mehr ver­tra­gen haben, beob­ach­tet, dass die Leuk­ämie trotz Weg­las­sen des Medi­ka­men­tes nicht wie­der­kommt.“

Die­sen Effekt unter­su­chen jetzt Medi­zi­ner welt­weit in den „STOP-Stu­di­en“, an denen die Leip­zi­ger Häma­to­lo­gen an füh­ren­der Stel­le betei­ligt sind. „Etwa 50 Pro­zent der auf die Behand­lung sehr gut anspre­chen­den Pati­en­ten benö­ti­gen nach einer noch nicht bekann­ten The­ra­pie­dau­er das Medi­ka­ment tat­säch­lich nicht mehr“, so Nie­der­wie­ser. In den nun lau­fen­den Stu­di­en wird unter­sucht, von wel­chen Fak­to­ren es abhängt, dass ein dau­er­haf­ter Stopp des Medi­ka­men­tes erfolg­reich bleibt. Nie­der­wie­ser: „Dazu ist eine genaue Bestim­mung der im Kör­per ver­blie­be­nen Tumor­zel­len mit den neu­es­ten Labor­me­tho­den vor dem Abset­zen und kon­ti­nu­ier­lich nach dem Abset­zen erfor­der­lich. Vor allem für jun­ge Frau­en und Kin­der ist das von gro­ßer Bedeu­tung. „Das Wun­der­mit­tel hält zwar die Leuk­ämie in Schach, beein­flusst aber auch vie­le ande­re Pro­zes­se im Kör­per, was für Frau­en mit Kin­der­wunsch und Kin­der, die noch wach­sen und sich ent­wi­ckeln müs­sen, Risi­ken birgt“, erläu­tert der UKL-Onko­lo­ge. Der kon­trol­lier­te Behand­lungs­ab­bruch bie­tet nach einer gewis­se­nen Zeit jun­gen Pati­en­tin­nen die Chan­ce, unbe­sorgt schwan­ger wer­den zu kön­nen. „Auf die­se Wei­se haben wir schon eini­ge Fami­li­en­grün­dun­gen unter­stüt­zen kön­nen“, freut sich Nie­der­wie­ser.

Die Pati­en­ten, die im Rah­men der Stu­die Absetz­ver­su­che durch­füh­ren, kom­men monat­lich zur Bestim­mung der ver­blei­ben­den Krebs­zel­len ins Uni­kli­ni­kum. Dabei wird anhand einer Blut­pro­be mit spe­zi­el­len Gerä­ten, wie z.B. der digi­ta­len DNA-Ana­ly­se, die Zahl der Tumor­zel­len über­prüft und bei mini­ma­lem Anstieg der Tumor­zel­len­zahl die The­ra­pie wie­der begon­nen. Ziel der STOP-Stu­die ist es, zu bestim­men, wie stark der Krebs zurück­ge­drängt wer­den muss, um einen The­ra­pie-STOP zu ver­su­chen.. Der­zeit gehen die Ärz­te davon aus, dass dies nach zwei, aber viel­leicht auch erst nach mehr Jah­ren, erst­mals mög­lich ist. „In den nächs­ten Mona­ten wer­den wir genau­er wis­sen, wel­chen Grad und wel­che Dau­er des Anspre­chens auf die The­ra­pie wir benö­ti­gen, um ‚stop­pen‘ zu kön­nen“, so Prof. Nie­der­wie­ser.

Für vie­le Leuk­ämie­pa­ti­en­ten könn­te dies das Ende der Dau­er­the­ra­pie und ein nor­ma­les Leben ohne Medi­ka­men­te bedeu­ten. Und auch für ande­re Krebs­pa­ti­en­ten – denn bei vie­len bös­ar­ti­gen Erkran­kun­gen lau­fen der­zeit Stu­di­en zur Mini­mal­res­ter­kran­kung, die Behand­lun­gen wesent­lich beein­flus­sen und unnö­ti­ge The­ra­pi­en ver­hin­dern kön­nen.

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