Studie: Luftverschmutzung hebt Trainingseffekt körperlicher Bewegung wieder auf

Die Luft­ver­schmut­zung in gro­ßen Städ­ten reicht offen­bar aus, um bei älte­ren Erwach­se­nen die posi­ti­ven Effek­te sport­li­cher Betä­ti­gung an der “fri­schen” Luft zunich­te zu machen. Das zeigt eine aktu­el­le Stu­die von Wis­sen­schaft­ler des Impe­ri­al Col­le­ge Lon­don und der Duke Uni­ver­si­ty.

Die gera­de in „The Lan­cet” vor­ge­stell­ten For­schungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass die Vor­tei­le des Zufuß­ge­hens für Herz und Lun­ge nicht zum Tra­gen kom­men, wenn man dies in so dicht bebau­ten Gegen­den wie bei­spiels­wei­se der betrieb­sa­men Oxford Street in Lon­don tut.

Laut den Auto­ren der gera­de erschie­ne­nen Arbeit stütz­ten die­se Erkennt­nis­se die sich meh­ren­den Hin­wei­se dar­auf, dass sich die Luft­ver­schmut­zung in den Groß­städ­ten nega­tiv auf Herz- und Lun­gen­ge­sund­heit aus­wirkt. Die Wis­sen­schaft­ler ver­mu­ten, dass die auf­ge­zeig­ten Aus­wir­kun­gen auch ande­re Alters­grup­pen als die unter­such­te betref­fen könn­ten. Sie unter­strei­chen, dass stren­ge­re Grenz­wer­te eben­so nötig sind wie mehr Zugang der Groß­stadt­be­woh­ner zu Grün­flä­chen.

Bereits in frü­he­ren Unter­su­chung war fest­ge­stellt wor­den, dass Die­sel­ab­ga­se – ins­be­son­de­re Fein­staub – mit einem erhöh­ten Risi­ko für Gefäß­er­kran­kun­gen und ver­früh­ten Tod in Zusam­men­hang ste­hen und Atem­wegs­er­kran­kun­gen wie Asth­ma ver­schlim­mern kön­nen.

Die jüngs­te Stu­die, die mit Unter­stüt­zung der Bri­tish Heart Foun­da­ti­on ent­stand, sei die ers­te, die die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen sowohl auf gesun­de Men­schen als auch auf Pati­en­ten mit chro­nisch-obstruk­ti­ver Lun­gen­er­kran­kung (COPD) oder Koro­na­rer Herz­krank­heit zei­ge, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung.

Die­se neu­en Erkennt­nis­se sind des­halb wich­tig, weil für vie­le Men­schen – wie gera­de älte­re Per­so­nen oder sol­che mit einer chro­ni­schen Erkran­kung, zu Fuß zu gehen die ein­zi­ge kör­per­li­che Ertüch­ti­gung ist, die sie sich ver­schaf­fen kön­nen“, erklärt Seni­or­au­tor Fan Chung, Pro­fes­sor für Pneu­mo­lo­gie und Lei­ter der Abtei­lung „Expe­ri­men­tal Stu­dies Medi­ci­ne“ am Natio­nal Heart & Lung Insti­tu­te, das zum Impe­ri­al Col­le­ge Lon­don gehört. „Unse­re Unter­su­chungs­er­geb­nis­se las­sen dar­auf schlie­ßen, dass wir älte­ren Men­schen dazu raten soll­ten, dort spa­zie­ren­zu­ge­hen, wo es grün ist – weg von den dicht bebau­ten Gebie­ten und der Luft­ver­schmut­zung durch den Stra­ßen­ver­kehr“, fügt er hin­zu.

Für die Stu­die hat­ten die Wis­sen­schaft­ler 119 Frei­wil­li­ge rekru­tiert. Die­se gin­gen in der Mit­tags­zeit in zwei Gegen­den in Lon­don spa­zie­ren – die eine Grup­pe in einem rela­tiv ruhi­gen Teil des Hyde Park mit viel Grün, die ande­re in einem viel befah­re­nen Teil der Oxford Street, wo die von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on auf­ge­stell­ten Ober­gren­zen für die Schad­stoff­be­las­tung regel­mä­ßig über­schrit­ten wer­den.

Unter die Lupe genom­men wur­den – vor und nach den Spa­zier­gän­gen – die Aus­wir­kun­gen auf der kör­per­li­chen Bewe­gung auf die kar­dio­vasku­lä­re Gesund­heit, gemes­sen an endex­spi­ra­to­ri­schem Lun­gen­vo­lu­men, Blut­druck und dem Aus­maß, in dem sich die Blut­ge­fä­ße wei­ten kön­nen. Die For­scher sam­mel­ten auch Infor­ma­tio­nen zu den Umwelt­be­din­gun­gen zum Zeit­punkt der Spa­zier­gän­ge, um Klar­heit über das Aus­maß der Luft­ver­schmut­zung und die dies­be­züg­lich Expo­si­ti­on der Stu­di­en­teil­neh­mer zu haben.

Wie zu erwar­ten war, erwie­sen sich Lärm und Luft­ver­schmut­zung – gemes­sen unter ande­rem als Ruß, Stick­stoff­di­oxid und Fein­staub – auf der Oxford Street als signi­fi­kant stär­ker als im Hyde Park. Die Ana­ly­se zeig­te, dass alle Pro­ban­den von einem Spa­zier­gang im Park pro­fi­tier­ten: Dabei ver­bes­ser­te sich die Lun­gen­ka­pa­zi­tät schon inner­halb der ers­ten Stun­de und zeig­te in vie­len Fäl­len einen signi­fi­kan­ten dau­er­haf­ten Anstieg für mehr als  24 Stun­den. Im Ver­gleich dazu aber führ­te ein Spa­zier­gang ent­lang der Oxford Street zu nur klei­nen Zunah­men und im Ver­gleich zu den Kon­troll­per­so­nen im Park zu einer deut­lich gerin­ge­ren Lun­gen­ka­pa­zi­tät. Die Spa­zier­gän­ger von der Oxford Street zeig­ten zudem eine Erhö­hung des Blut­dru­ckes und einen Anstieg der Herz­fre­quenz.

Bei den Park-Gän­gern hin­ge­gen nahm die Arte­ri­en­stei­fig­keit ab; die maxi­ma­len Ver­än­de­run­gen in die­ser Hin­sicht lagen bei Gesun­den und COPD-Pati­en­ten bei mehr als 24 Pro­zent, bei den Herz­pa­ti­en­ten immer noch bei mehr als 19 Pro­zent. Der Effekt, den die Bewe­gung hat, war bei den Pro­ban­den von der Oxford Street dras­tisch gesenkt: In die­ser Grup­pe wie­sen die gesun­den Pro­ban­den eine maxi­ma­le Ver­än­de­rung der Arte­ri­en­stei­fig­keit um nur 4,6 Pro­zent auf, die COPD-Pati­en­ten immer­hin 16 Pro­zent und die Herz­kran­ken eine maxi­ma­le Ver­än­de­rung von 8,6 Pro­zent.

Zudem stell­ten die Wis­sen­schaft­ler fest, dass bei Pati­en­ten mit einer Herz­er­kran­kung eine Unter­stüt­zung des kar­dio­vasku­lä­ren Sys­tems mit Medi­ka­men­ten mit einem sta­bi­li­sie­ren­den Effekt asso­zi­iert war. So ver­hin­der­ten die­se Pati­en­ten mög­li­cher­wei­se, dass sich ihr Zustand in Gegen­den mit höhe­rer Luft­ver­schmut­zung ver­schlech­ter­te.

Die Stu­di­en­au­to­ren mer­ken an, dass mög­li­cher­wei­se Stress für einen Teil der beob­ach­te­ten phy­sio­lo­gi­schen Unter­schie­de ver­ant­wort­lich sein könn­te.

Ori­gi­nal­pu­bli­ka­ti­on: Sin­ha­ray R et al. The Lan­cet, 05.012.2017 (online first)

Quelle
Imperial College London
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