Telemedizin bei IBD: Weniger Arztkontakte und Einweisungen

In einer nie­der­län­di­schen Stu­die hat sich gezeigt, dass ein tele­me­di­zi­ni­scher Ansatz in der Pati­en­ten­be­treu­ung zum einen sicher ist und zum ande­ren die Anzahl der Inan­spruch­nah­men einer ambu­lan­ten Ver­sor­gung sowie Ein­wei­sun­gen im Ver­gleich zur Stan­dard­ver­sor­gung redu­ziert.

Die­ses Werk­zeug zum Selbst-Manage­ment, so fin­den die Ver­fas­ser der aktu­el­len Stu­die, kön­ne sich als nütz­lich erwei­sen, wenn es um die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­sor­gung von Pati­en­ten mit ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen auf dem Weg hin zu einer per­so­na­li­sier­ten und wer­te­ba­sier­ten Gesund­heits­ver­sor­gung geht.

Die Wis­sen­schaft­ler führ­ten eine ran­do­mi­sier­te Stu­die an 2 aka­de­mi­schen Lehr­kran­ken­häu­sern und an 2 ande­ren Hos­pi­tä­lern in den Nie­der­lan­den durch. Ambu­lan­te Pati­en­ten im Alter zwi­schen 18 und 75 Jah­ren, die an einer ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kung ohne ileo­ana­le oder ileo­rek­ta­le Pouch-Ana­s­to­mo­se lit­ten, Zugang zum Inter­net hat­ten und Nie­der­län­disch spra­chen, wur­den nach Ran­do­mi­sie­rung ent­we­der über das Tele­me­di­zin-Sys­tem myIB­Dcoach oder stan­dard­mä­ßig betreut. myIB­Dcoach über­wacht und regis­triert die Krank­heits­ak­ti­vi­tät. Die Pati­en­ten wur­den über einen Zeit­raum von 12 Mona­ten nach­be­ob­ach­tet.

Pri­mä­re End­punk­te der Unter­su­chung waren die Anzahl der ambu­lan­ten Arzt­kon­tak­te und die von den Pati­en­ten ange­ge­be­nen Ver­sor­gungs­qua­li­tät. Letz­te­re wur­de mit­tels einer Ana­log-Ska­la von 0 bis 10 bestimmt.

Sicher­heits­end­punk­te waren die Anzahl von Exa­zer­ba­tio­nen, die Häu­fig­keit der Ein­nah­me von Cor­ti­cos­te­ro­iden, die Anzahl der Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen und der Besu­che in der Not­fall­am­bu­lanz sowie der Ope­ra­tio­nen.

Nach Ran­do­mi­sie­rung erhiel­ten 465 Pati­en­ten die tele­me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung und 444 die Stan­dard­ver­sor­gung. Es stell­te sich nach 12 Mona­ten her­aus, dass die durch­schnitt­li­che Anzahl der ambu­lan­ten Kon­tak­te mit einem Gas­tro­en­te­ro­lo­gen oder einer Kran­ken­schwes­tern in der Tele­me­di­zin-Grup­pe mit 1,55 signi­fi­kant nied­ri­ger war als in der Stan­dard-Grup­pe mit 2,34 (Dif­fe­renz -0,79; 95%-Konfidenzintervall zwi­schen -0,98 und -0,59]; p<0,0001), eben­so wie die durch­schnitt­li­che Anzahl der Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen (0,05 vs. 0,10; Dif­fe­renz -0,05; 95%-KI zwi­schen -0,10 und 0,00]; p=0,046).

Nach 12 Mona­ten berich­te­ten bei­de Grup­pen über eine durch­schnitt­lich hohe Ver­sor­gungs­qua­li­tät (8,16 in der Tele­me­di­zin-Grup­pe vs. 8,27 in der Stan­dard-Grup­pe; Dif­fe­renz 0,10; 95%-KI zwi­schen -0,13 und 0,32; p=0,411). Die durch­schnitt­li­che Anzahl von Exa­zer­ba­tio­nen, Cor­ti­cos­te­ro­iden, not­fall­me­di­zi­ni­schen Kon­tak­ten und Ope­ra­tio­nen unter­schied sich zwi­schen den Grup­pen nicht.

Quelle
de Jong MJ et al. Lancet 2017;390(10098):959–968.
Mehr anzeigen

Verwandte Artikel

Close