Transplantationsrisiken minimieren

Häu­fig ist eine Kno­chen­mark­trans­plan­ta­ti­on für Pati­en­ten mit Leuk­ämie die Ret­tung, doch das Risi­ko von Kom­pli­ka­tio­nen ist groß. Trotz der auf­wen­di­gen und häu­fig lan­gen Suche nach einem geeig­ne­ten Spen­der, kommt es bei fast der Hälf­te der Pati­en­ten zu einer uner­wünsch­ten Reak­ti­on des Immun­sys­tems, die sich oft gegen die Haut und Leber und in bis zu 50 Pro­zent der Fäl­le gegen den Darm rich­tet. For­scher der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg (FAU) konn­ten nun ent­schlüs­seln, wie es zu die­sen teils lebens­ge­fähr­li­chen Darm­ent­zün­dun­gen kommt und einen mög­li­chen Behand­lungs­an­satz auf­zei­gen. Ihre Ergeb­nis­se haben sie im Fach­ma­ga­zin „Jour­nal of Cli­ni­cal Inves­ti­ga­ti­on” ver­öf­fent­licht.

Aus­lö­ser der hef­ti­gen Immun­re­ak­ti­on ist eine spe­zi­el­le Form von Abwehr­zel­len des Spen­ders. Die­se so genann­ten T-Lym­pho­zy­ten erken­nen die Kör­per­zel­len des Emp­fän­gers als fremd und atta­ckie­ren sie. Die FAU-For­scher konn­ten nun zei­gen, dass die­se beson­de­re Form der T-Lym­pho­zy­ten von einem Pro­te­in namens BATF (engl. „basic leu­cin zip­per ATF-like tran­scrip­ti­on fac­tor“) gesteu­ert wird. „Das BATF-Eiweiß arbei­tet wie ein Zen­tral­schal­ter in den Spen­der-T-Lym­pho­zy­ten“, sagt Prof. Dr. Kai Hild­ner von der Medi­zi­ni­schen Kli­nik 1- Gas­tro­en­te­ro­lo­gie Pneu­mo­lo­gie, Endo­kri­no­lo­gie (Direk­tor: Prof. Dr. Mar­kus F. Neu­rath). „Wird das Pro­te­in ange­schal­tet, kön­nen sich hoch aggres­si­ve Immun­zel­len ent­wi­ckeln, die die Ent­zün­dungs­vor­gän­ge mas­siv ver­stär­ken und dann im Wech­sel­spiel mit ande­ren Immun­zel­len gro­ßen Scha­den im Darm nach einer Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on anrich­ten.“ 

Die Grup­pe um Pro­fes­sor Hild­ner in Koope­ra­ti­on mit der Medi­zi­ni­schen Kli­nik 5 und Arbeits­grup­pen in Frank­furt, Regens­burg und Würz­burg konn­te dar­über hin­aus noch einen ande­ren Zusam­men­hang nach­wei­sen: Die in den Darm ein­ge­wan­der­ten T-Lym­pho­zy­ten des Spen­ders schüt­ten einen Boten­stoff (GM-CSF – Gra­nu­lo­zy­ten-Makro­pha­gen-Kolo­nie-sti­mu­lie­ren­der Fak­tor) aus und ver­mit­teln so die Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on im Darm. Blo­ckier­ten die For­scher die Ent­wick­lung und Funk­ti­on die­ser spe­zia­li­sier­ten T-Lym­pho­zy­ten mit Medi­ka­men­ten, lös­ten sich die Ent­zün­dun­gen im Darm auf. 

Von der Ent­de­ckung die­ses mole­ku­la­ren Mecha­nis­mus erhof­fen sich die Wis­sen­schaft­ler neue The­ra­pi­en zur Beein­flus­sung der Darm­ent­zün­dun­gen nach Trans­plan­ta­tio­nen ent­wi­ckeln zu kön­nen, um die Über­le­bens­chan­cen der Pati­en­ten nach einer Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on wei­ter zu erhö­hen. 

Manu­skript
https://​www​.jci​.org/​a​r​t​i​c​l​e​s​/​v​i​e​w​/​8​9​242 (DOI: 10.1172/JCI89242)

Quelle
FAU
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