Tumorzentren an der Universitätsmedizin Greifswald: Zwei weitere haben Qualitätssiegel erhalten

Unter dem Dach des 2012 gegrün­de­ten Onko­lo­gi­schen Zen­trums Vor­pom­mern an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald wur­den zwei wei­te­re Tumor­zen­tren zer­ti­fi­ziert.

Erst­ma­lig erhiel­ten das Kopf-Hals-Tumor­zen­trum unter Lei­tung von Prof. Wer­ner Hose­mann und Prof. Hans-Robert Metel­mann und das Lun­gen­zen­trum unter Lei­tung von Prof. Ralf Ewert das Qua­li­täts­sie­gel der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft für die kom­men­den drei Jah­re. Damit ist das Greifs­wal­der Onko­lo­gi­sche Zen­trum das Netz­werk mit den meis­ten zer­ti­fi­zier­ten Tumor­fach­zen­tren in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Ins­ge­samt sind zwölf Fach­zen­tren nach den Richt­li­ni­en der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft aus­ge­wie­sen. In MV gibt es ins­ge­samt vier Onko­lo­gi­sche Zen­tren, neben Greifs­wald auch noch in Ros­tock an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin sowie am Kli­ni­kum Süd­stadt und an den Heli­os Kli­ni­ken Schwe­rin.

Tumor­zen­tren, die durch die Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft auf ihre medi­zi­ni­sche Qua­li­tät geprüft wor­den sind, garan­tie­ren den betrof­fe­nen Pati­en­ten eine hoch­wer­ti­ge Behand­lung“, beton­te der Lei­ter des Onko­lo­gi­schen Zen­trums und Ärzt­li­cher Vor­stand der Uni­me­di­zin, Prof. Claus-Die­ter Hei­de­cke. „Die­se Zen­tren bie­ten durch ein inter­dis­zi­pli­nä­res und inter­pro­fes­sio­nel­les Netz­werk von Spe­zia­lis­ten eine opti­ma­le Ver­sor­gung von Pati­en­ten mit einer Tumor­er­kran­kung über alle Pha­sen einer Krebs­er­kran­kung. Die­se ganz­heit­li­che Ver­sor­gung reicht von den jewei­li­gen Fach­ex­per­ten über Psy­cho­on­ko­lo­gen bis zu unse­rem Pati­en­ten­in­for­ma­ti­ons­zen­trum, das auch nach dem Kran­ken­haus­auf­ent­halt für unse­re Pati­en­ten spe­zi­el­le Nach­sor­gean­ge­bo­te bereit­hält.“ 

Im Onko­lo­gi­schen Zen­trum Vor­pom­mern wur­den in 2016 ins­ge­samt 1.656 Pri­mär­fäl­le behan­delt. 210 Pati­en­ten mit einer Krebs­er­kran­kung nah­men zugleich an wis­sen­schaft­li­chen Kli­nik­stu­di­en teil. Über 40 Pro­zent der Betrof­fe­nen haben eine psy­cho­on­ko­lo­gi­sche Betreu­ung in Anspruch genom­men und 63 Pro­zent wur­den vom Sozi­al­dienst betreut. 

Neue Mög­lich­kei­ten im Kopf-Hals-Tumor­zen­trum 

Tumo­re in der Mund­höh­le, im Rachen oder Kehl­kopf und in den Nasen­ne­ben­höh­len gehö­ren zu den häu­figs­ten Krebs­er­kran­kun­gen, die im zer­ti­fi­zier­ten Kopf-Hals-Tumor­zen­trum behan­delt wer­den. Das Zen­trum wird gemein­sam von der Kli­nik für Hals-Nasen-Ohren­krank­hei­ten und Kopf-Hals-Chir­ur­gie sowie der Kli­nik für Mund-Kie­fer-Gesichts­chir­ur­gie/­Plas­ti­sche Ope­ra­tio­nen gebil­det. Jähr­lich wer­den etwa 100 Pati­en­ten mit einer Neu­erkran­kung im Kopf-Hals-Bereich in Greifs­wald regis­triert. Dabei war der jüngs­te Pati­ent gera­de ein­mal 16 Jah­re alt, er litt an einem Sar­kom an der äuße­ren Schä­del­ba­sis. Der ältes­te Pati­ent war 96 Jah­re alt, er hat­te ein Mund­höh­len­kar­zi­nom.

Die enge kli­nik­in­ter­ne Koope­ra­ti­on mit onko­lo­gisch mit­be­han­deln­den Spe­zia­lis­ten aus den Fach­ge­bie­ten der Radio­lo­gie, Häma­toon­ko­lo­gie, Patho­lo­gie, Strah­len­the­ra­pie und Psy­cho­on­ko­lo­gie ermög­licht die inter­dis­zi­pli­nä­re Pla­nung und Durch­füh­rung eines indi­vi­dua­li­sier­ten The­ra­pie­kon­zep­tes. Dabei kön­nen die Spe­zia­lis­ten am Kopf-Hals-Tumor­zen­trum auf den aktu­ells­ten Stand der Wis­sen­schaft unter moderns­ter tech­no­lo­gi­scher Unter­stüt­zung zurück­grei­fen. So kommt an dem Zen­trum ein gro­ßes Spek­trum an dia­gnos­ti­schen Maß­nah­men sowie ope­ra­ti­ven und nicht-ope­ra­ti­ven The­ra­pie­ver­fah­ren zum Ein­satz. 
Ange­passt an das jewei­li­ge Krank­heits­sta­di­um liegt ein wei­te­res Augen­merk auf dem Erhalt einer höchst­mög­li­chen Lebens­qua­li­tät. Dabei beglei­tet und unter­stützt ein Team aus Sozi­al­ar­bei­tern, Logo­pä­den, Pho­nia­tern, Phy­sio­the­ra­peu­ten, Ernäh­rungs­be­ra­tern und onko­lo­gi­schen Fach­pfle­ge­kräf­ten die oft müh­sa­me Reha­bi­li­ta­ti­on.

Chir­ur­gisch bestehen im Kopf-Hals-Bereich bei frü­her Erken­nung der Tumor­er­kran­kung schon gute Hei­lungs­chan­cen“, sag­te Prof. Wer­ner Hose­mann, Lei­ter des Kopf-Hals­zen­trums und Direk­tor der Kli­nik für Hals-, Nasen-, Ohren­krank­hei­ten, Kopf- und Hals­chir­ur­gie. „Wir nut­zen Laser­tech­ni­ken im Rachen und Kehl­kopf, die auch bei schwie­ri­gen Erkran­kungs­fäl­len zu einer ver­bes­ser­ten Pro­gno­se bei­tra­gen. Zudem besteht die Mög­lich­keit der Rekon­struk­ti­on mit­tels auf­be­rei­te­ten Eigen­fetts zur Wie­der­erlan­gung der Stimm­qua­li­tät nach einem Kehl­kopf­krebs.“

In der Mund-Kie­fer-Gesichts­chir­ur­gie küm­mern wir uns um die Rekon­struk­ti­on mit plas­ti­schen Ope­ra­tio­nen, wenn bei einer Tumor­ent­fer­nung gro­ße Defek­te ent­stan­den sind“, ergänz­te Prof. Hans-Robert Metel­mann. „Zahn­ärz­te sind für uns die wich­tigs­ten Part­ner in der Früh­erken­nung von Mund­höh­len­krebs, da sie am häu­figs­ten auf­ge­sucht wer­den. Mit 89 Zahn­arzt­pra­xen in Vor­pom­mern hat die uni­ver­si­tä­re Mund-Kie­fer-Gesichts­chir­ur­gie einen Qua­li­täts­zir­kel Zahn­ärzt­li­che Krebs­vor­sor­ge gebil­det“, so Metel­mann.

Lun­gen­krebs­zen­trum betei­ligt sich an wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en

In Deutsch­land ist das Lun­gen­kar­zi­nom mit ca. 34.000 Erkran­kungs­fäl­len pro Jahr die häu­figs­te Krebs­er­kran­kung bei Män­nern. Frau­en sind mit etwa 15.600 Erkran­kungs­fäl­len pro Jahr weni­ger stark betrof­fen. Das mitt­le­re Erkran­kungs­al­ter des Lun­gen­kar­zi­noms liegt bei 69 Jah­ren, wobei die Hei­lungs­chan­cen nach wie vor stark von einer frü­hen Dia­gno­se abhän­gig sind.

Das Greifs­wal­der Lun­gen­zen­trum ist das ers­te zer­ti­fi­zier­te Zen­trum in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Jedes Jahr wer­den in der Uni­ver­si­täts- und Han­se­stadt ca. 200 Neu­erkran­kun­gen mit einem Tumor­be­fall an der Lun­ge oder Rip­pen­fell ganz­heit­lich betreut. Dabei war der „jüngs­te“ Pati­ent im ver­gan­ge­nen Jahr 53 Jah­re alt, der ältes­te 83 Jah­re. Es besteht eine enge Koope­ra­ti­on mit der renom­mier­ten Evan­ge­li­schen Lun­gen­kli­nik Ber­lin.

Als Kli­nik inner­halb eines Flä­chen­lan­des ist es uns ein beson­de­res Anlie­gen, dass unse­re Pati­en­ten eine moder­ne und leit­li­ni­en­ge­rech­ten Dia­gnos­tik und The­ra­pie ihrer Erkran­kung erhal­ten“, erklär­te der Pneu­mo­lo­ge und Lei­ter des Lun­gen­zen­trums, Prof. Ralf Ewert, von der Inne­ren Kli­nik B. „Beson­de­ren Wert legen wir auf eine inter­dis­zi­pli­nä­re Koope­ra­ti­on und die gemein­sa­men Tumor­kon­fe­ren­zen, in denen die wei­te­re Behand­lung bespro­chen wird.“ Zu den unmit­tel­bar an der Tumor­kon­fe­renz betei­lig­ten Fach­dis­zi­pli­nen gehö­ren Ver­tre­ter der an der Uni­me­di­zin Greifs­wald ansäs­si­gen Abtei­lun­gen für Pneu­mo­lo­gie, Tho­rax­chir­ur­gie, Strah­len­the­ra­pie, Radio­lo­gie, Patho­lo­gie und Psy­cho­on­ko­lo­gie. 
„Wir sehen unse­ren Auf­trag dar­in, unse­re Pati­en­ten in allen Sta­di­en ihrer Erkran­kung zu betreu­en und pfle­gen daher auch eine inten­si­ve Zusam­men­ar­beit mit der Schmerz­the­ra­pie, der Pal­lia­tiv­me­di­zin, dem ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren Hos­piz­dienst unse­rer Regi­on sowie den Haus­ärz­ten“, so Ewert. „Als Uni­ver­si­täts­me­di­zin haben wir dar­über hin­aus einen Auf­trag in For­schung und Leh­re und betei­li­gen uns an meh­re­ren wis­sen­schaft­li­chen Lun­gen­krebs­stu­di­en.“

Qua­li­täts­stan­dards sichern hoch­wer­ti­ge Behand­lung

Zum Onko­lo­gi­schen Zen­trum Vor­pom­mern an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald gehö­ren neben dem Lun­gen­krebs­zen­trum und Kopf-Hals-Tumor­zen­trum das Darm­krebs­zen­trum, das Pan­kre­as­zen­trum, das Gas­tro-Intes­ti­nal-Zen­trum, das Haut­tu­mor­zen­trum, das Pro­sta­ta­zen­trum, das Neu­roon­ko­lo­gi­sche Tumor­zen­trum, das Zen­trum für Häma­to­lo­gi­sche Sys­tem­er­kran­kun­gen, das Brust­zen­trum und Gynä­ko­lo­gi­sche Tumor­zen­trum sowie die Strah­len­the­ra­pie, die Selbst­hil­fe­grup­pen, die Seel­sor­ge, die Psy­cho­on­ko­lo­gie, die Pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung und der Sozi­al­dienst. 

Das 2012 erst­mals zer­ti­fi­zier­te Onko­lo­gi­sche Zen­trum Vor­pom­mern wur­de 2015 erfolg­reich nach den Anfor­de­run­gen der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft rezer­ti­fi­ziert. In die­sem Jahr steht die zwei­te Rezer­ti­fi­zie­rung an. Zer­ti­fi­ziert nach den stren­gen Richt­li­ni­en der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft bil­den Onko­lo­gi­sche Zen­tren ein orga­ni­sa­to­ri­sches Dach, unter dem die Zusam­men­ar­beit und Pro­zes­se aller an der Behand­lung von Tumor­pa­ti­en­ten betei­lig­ten Berufs­grup­pen und Fach­rich­tun­gen nach fest­ge­leg­ten Qua­li­täts­stan­dards gere­gelt ist. Betrof­fe­ne Pati­en­ten wer­den von den Krebs­spe­zia­lis­ten und Exper­ten der betei­lig­ten Fach­ab­tei­lun­gen gemein­sam in soge­nann­ten Tumor­kon­fe­ren­zen bespro­chen, mit dem Ziel, über das jewei­li­ge Spe­zi­al­fach hin­aus die best­mög­lichs­te indi­vi­du­el­le Behand­lungs­form zu fin­den und anzu­wen­den.

Krebs­re­gis­ter erfasst alle Neu­erkran­kun­gen

Nach Anga­ben des Gemein­sa­men Krebs­re­gis­ters der Län­der Ber­lin, Bran­den­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Sach­sen-Anhalt und der Frei­staa­ten Sach­sen und Thü­rin­gen gibt es in Meck­len­burg-Vor­pom­mern rund 53.500 Men­schen, die in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren die Dia­gno­se Krebs erhiel­ten (Stand 31.12.2015). Krebs­er­kran­kun­gen tre­ten zumeist im höhe­ren Lebens­al­ter auf. Die Hälf­te der neu­erkrank­ten Män­ner im Dia­gno­se­jahr 2015 waren 69 Jah­re oder älter. Bei den Frau­en betrug das mitt­le­re Erkran­kungs­al­ter 70 Jah­re. 

Quelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
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