Übergewicht und Adipositas: Lebenszeitkosten innerhalb sozialer Schichten unterschiedlich verteilt

Die durch Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas ver­ur­sach­ten Lebens­zeit­kos­ten sind rezi­prok abhän­gig vom sozio­öko­no­mi­schen Sta­tus. Das zeigt eine aktu­el­le Stu­die. 

In ihrer Arbeit schätz­te die Öko­no­min Dr. rer. pol. Dia­na Sonn­tag vom Mann­hei­mer Insti­tut für Public Health, Sozi­al und Prä­ven­tiv­me­di­zin (MIPH) erst­mals anhand eines neu­en Modells die über die erwar­te­te Lebens­zeit simu­lier­ten Kos­ten in Abhän­gig­keit vom sozia­len Sta­tus, die Adi­po­si­tas und Über­ge­wicht jeweils ver­ur­sa­chen. Dabei zeigt sich, dass die bei­den Ver­an­la­gun­gen nicht über einen Kamm zu sche­ren sind: Wäh­rend der sozio­öko­no­mi­sche Sta­tus bei Indi­vi­du­en mit Adi­po­si­tas beson­ders aus­schlag­ge­bend ist, indem Indi­vi­du­en mit nied­ri­gem sozia­len Sta­tus zwei­mal höhe­re Lebens­zeit­kos­ten ver­ur­sa­chen als Indi­vi­du­en mit hohem sozia­len Sta­tus, kehrt sich die Ten­denz beim Über­ge­wicht um: Über­ge­wicht ver­ur­sacht in höhe­ren sozia­len Schich­ten 20 Pro­zent mehr Kos­ten als in nied­ri­ge­ren sozia­len Schich­ten.

Für Sonn­tag als Öko­no­min ist das zuneh­men­de Auf­tre­ten von Adi­po­si­tas bereits im Kin­des- und Jugend­al­ter nicht nur ein medi­zi­ni­sches Pro­blem. „Adi­po­si­tas ist viel­schich­tig und öko­no­misch höchst rele­vant, da hohe Kos­ten für das Gesund­heits- und Ren­ten­sys­tem sowie für Unter­neh­men anfal­len“, sagt sie. „Die Erkennt­nis, dass Über­ge­wicht vor allem in sozi­al höhe­ren sozia­len Schich­ten die Kos­ten treibt ist neu und wird in heu­ti­gen Prä­ven­ti­ons­pro­gram­men qua­si nicht berück­sich­tigt.“

Laut Sonn­tag soll­ten medi­zi­ni­sche Lösungs­an­sät­ze bei der Bekämp­fung von Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas um öko­no­mi­sche Per­spek­ti­ven erwei­tert wer­den. Wich­ti­ge Fra­gen dazu sei­en in Deutsch­land bis­lang nicht beant­wor­tet: Wie hoch sind die Kos­ten, die Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas ver­ur­sa­chen? Wie viel kön­nen wir spa­ren, wenn wir erfolg­reich inter­ve­nie­ren? Und wie viel müss­ten deut­sche Poli­tik und Kran­ken­kas­sen inves­tie­ren, um Adi­po­si­tas nach­hal­tig zu bekämp­fen?

Um die­se Fra­gen zu beant­wor­ten und lang­fris­tig eine Trans­la­ti­on ihrer Ergeb­nis­se in die Pra­xis zu errei­chen, hat die Öko­no­min als Mit­glied des Füh­rungs­aus­schus­ses der Euro­pean Public Health Asso­cia­ti­on (EUPHA) im Okto­ber 2015 eine Arbeits­grup­pe „Öko­no­mie und Kin­der­ge­sund­heit“ gegrün­det, die die Fach­be­rei­che Öko­no­mie und Päd­ia­trie auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne mit­ein­an­der ver­bin­den und den Dis­kurs zwi­schen Gesund­heits­öko­no­men und Kin­der­ärz­ten för­dern soll.

Ori­gi­nal­ar­beit: Sonn­tag D et al. Obe­si­ty 2017;25(9)

Quel­le: Uni­ver­si­täts­me­di­zin Mann­heim 

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