Unerwartete Bedeutung von Typ-2-Immunantworten

Die neue DFG-For­schungs­grup­pe FOR2599 unter­sucht Typ-2-Immun­ant­wor­ten. Die­se spie­len nicht nur bei der Abwehr von Wür­mern, eine Rol­le son­dern auch bei Wund­hei­lung, Stoff­wech­sel­ba­lan­ce, All­er­gi­en und Tumor­wachs­tum. 

Die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) för­dert die von Dres­den aus koor­di­nier­te deutsch­land­wei­te For­scher­grup­pe FOR2599 „Tis­sue type 2 immu­ni­ty“ für zunächst drei Jah­re mit ins­ge­samt 2,4 Mil­lio­nen Euro. Prof. Axel Roers, Direk­tor des Insti­tuts für Immu­no­lo­gie der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät Carl Gus­tav Carus der TU Dres­den, konn­te mit sei­nen For­scher-Kol­le­gen aus Mün­chen, Köln, Frei­burg, Erlan­gen, Ber­lin und Dres­den die DFG von ihrem Pro­jekt über­zeu­gen. Zwar wur­den in der Auf­klä­rung der Mecha­nis­men, mit denen die Typ-2-Immun­ant­wor­ten bestimm­te Effek­te ver­mit­teln, bereits gro­ße Fort­schrit­te erzielt. Trotz­dem blei­ben offe­ne Fra­gen: Wie wer­den Typ-2-Immun­ant­wor­ten akti­viert und regu­liert? War­um ant­wor­tet das Immun­sys­tem auf eine Infek­ti­on mit Wür­mern mit einer Typ-2-Ant­wort, aber nicht auf eine Tuber­ku­lo­s­e­in­fek­ti­on? Zen­tra­les Anlie­gen der FOR2599 ist es daher, die Mecha­nis­men auf­zu­klä­ren, wel­che Typ-2-Immu­ni­tät in Gesund­heit und Krank­heit aus­lö­sen und regu­lie­ren.

Immunsystem reagiert ähnlich auf Allergene und Würmer

Bei Infek­tio­nen mit Wür­mern wird die Typ-2-Immun­ant­wort akti­viert. Sie zielt dar­auf ab, die­sen gro­ßen Para­si­ten, die das Immun­sys­tem kaum töten kann, Leben und Ver­meh­rung zu erschwe­ren. Typ-2-Ant­wor­ten sind unter den aktu­el­len hygie­ni­schen Lebens­be­din­gun­gen in Euro­pa, unter denen Wur­min­fek­tio­nen kei­ne sehr gro­ße Rol­le mehr spie­len, trotz­dem von größ­ter Bedeu­tung: Sie sind, durch harm­lo­se Umwelt­all­er­ge­ne unkon­trol­liert aus­ge­löst, Ursa­che all­er­gi­scher Erkran­kun­gen wie Asth­ma und Neu­ro­der­mi­tis.

Ver­schie­de­ne Wür­mer wan­dern durch die mensch­li­chen Atem­we­ge. Die Typ-2-Immun­an­wort akti­viert dann das Asth­ma-typi­sche Reak­ti­ons­mus­ter mit Eng­stel­lung, Schleim­pro­duk­ti­on und Hus­ten. Das Ziel: die Wür­mer aus­hus­ten. „Die­se Kar­di­nal­sym­pto­me des Asth­ma kön­nen also ver­stan­den wer­den als, zum Bei­spiel durch Pol­len, fälsch­lich akti­vier­te Mecha­nis­men der Wurm-Abwehr“, erläu­tert  Axel Roers, Spre­cher der For­schungs­grup­pe.

Typ-2-Immunantworten fördern die Wundheilung

Typ-2-Immun­ant­wor­ten sind aber auch aus ande­ren Grün­den kürz­lich ins Zen­trum des Inter­es­ses gerückt. Sie för­dern die Hei­lung von Wun­den. Auch dies ist ver­ständ­lich im Rah­men der Bewäl­ti­gung von Wur­min­fek­tio­nen: Wür­mer boh­ren sich durch ver­schie­de­ne mensch­li­che Gewe­be. Dabei rich­ten sie Scha­den an, der schnellst­mög­lich repa­riert wer­den muss. Bös­ar­ti­ge Tumo­ren machen sich die­se rege­ne­ra­ti­ons­för­dern­den Mecha­nis­men zu Nut­ze. Sie akti­vie­ren im Tumor­ge­we­be gezielt Typ-2-Immun­ant­wor­ten, die dann das Krebs­wachs­tum unter­stüt­zen. Erstaun­lich war die kürz­lich gewon­ne­ne Erkennt­nis, dass Typ-2-Immun­ant­wor­ten auch in der Regu­la­ti­on des meta­bo­li­schen Gleich­ge­wich­tes eine ent­schei­den­de Rol­le spie­len und dass immu­no­lo­gi­sche Fehl­re­gu­la­ti­on zu wich­ti­gen Stoff­wech­sel­er­kran­kun­gen, wie zum Bei­spiel dem Typ II-Dia­be­tes, bei­trägt.

Quelle
Technische Universität Dresden
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