Universitätsklinikum Frankfurt: Vier erfolgreiche Transplantationen in 24 Stunden

Am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Frank­furt wur­den an einem Tag vier Nie­ren trans­plan­tiert. Jetzt steht fest: Alle Pati­en­ten haben ihre neu­en Orga­ne gut ange­nom­men.

Das Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trum des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Frank­furt hat am 20. Juli einen beson­de­ren Tag erlebt. Neben einer geplan­ten Lebend­nie­ren­spen­de haben drei wei­te­re Pati­en­ten des Kli­ni­kums von der zen­tra­len Ver­ga­be­or­ga­ni­sa­ti­on Euro­trans­plant kurz­fris­tig Nie­ren zuge­teilt bekom­men. „Vier Nie­ren­trans­plan­ta­tio­nen inner­halb von 24 Stun­den sind auch hier eine abso­lu­te Beson­der­heit – den­noch ist das Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trum auch für einen sol­chen Tag gewapp­net“, so Prof. Wolf Bech­stein, Direk­tor der Kli­nik für All­ge­mein- und Vis­ze­ral­chir­ur­gie und Lei­ter des Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trums. „Für die Pati­en­ten ist ein sol­cher Ein­griff ein sehr beson­de­res, mit vie­len Ängs­ten und Hoff­nun­gen ver­bun­de­nes Ereig­nis. Unser gro­ßes inter­dis­zi­pli­nä­res Team hat jedoch alle Ein­grif­fe rou­ti­niert und pro­fes­sio­nell durch­ge­führt. Heu­te kön­nen wir sagen, dass alle Ope­ra­tio­nen erfolg­reich ver­lau­fen sind und die neu­en Nie­ren gut funk­tio­nie­ren“, erklärt Prof. Inge­borg Hau­ser, Lei­te­rin Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on.

Ein ereig­nis­rei­cher Tag für die Mit­ar­bei­ter, ein lebens­ver­än­dern­der Tag für die Pati­en­ten

Der Tag begann mit einer Mul­tior­gan­ent­nah­me in einem hes­si­schen Kran­ken­haus. Zwei Chir­ur­gen des Frank­fur­ter Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums hat­ten in die­ser Nacht Bereit­schafts­dienst für die Deut­sche Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on (DSO). Die DSO ist eine Koor­di­nie­rungs­stel­le für post­mor­ta­le Organ­spen­den in Deutsch­land. Wäh­rend eines Bereit­schafts­diens­tes fah­ren die Medi­zi­ner im Bedarfs­fall zur Organ­ent­nah­me eines hirn­to­ten Pati­en­ten in das Kran­ken­haus, in dem der Pati­ent sich befin­det – unab­hän­gig davon, wo und von wem die Orga­ne letzt­end­lich trans­plan­tiert wer­den. Die zen­tra­le Ver­ga­be­stel­le Euro­trans­plant prüft die von der DSO über­mit­tel­ten Daten und ver­gibt anschlie­ßend das Organ nach fest­ge­leg­ten Regeln. Abschlie­ßend prü­fen die Medi­zi­ner des trans­plan­tie­ren­den Kran­ken­hau­ses noch ein­mal die Eig­nung des Organs für den spe­zi­fi­schen Emp­fän­ger.

In die­sem Fall fuh­ren die bei­den Frank­fur­ter Chir­ur­gen kurz­fris­tig zum aus­wär­ti­gen Kran­ken­haus, um die Orga­ne zu ent­neh­men. Euro­trans­plant ent­schied dann im Anschluss – unab­hän­gig von der Her­kunft des Ent­nah­me­teams –, dass zwei Pati­en­ten am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum die Nie­ren erhal­ten soll­ten: Eine Pati­en­tin, die seit fünf Mona­ten dia­ly­se­pflich­tig ist, wur­de umge­hend ein­be­stellt und von einem Ärz­te­team der Nephrolo­gie für die Trans­plan­ta­ti­on vor­be­rei­tet. „Zwölf Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter stan­den ins­ge­samt 295 Minu­ten am Ope­ra­ti­ons­tisch“, so PD Dr. Gui­do Woes­te, Ober­arzt der Kli­nik für All­ge­mein- und Vis­ze­ral­chir­ur­gie. Die zwei­te Nie­re erhielt ein Mann, der neun Jah­re zur Dia­ly­se ging – eine mitt­ler­wei­le durch­schnitt­li­che War­te­zeit für Nie­ren­emp­fän­ger. Er war sehr froh, dass ihm end­lich ein Organ ange­bo­ten wur­de. Noch bevor die bei­den Pati­en­ten mit ihrer jeweils neu­en Nie­re auf­wach­ten, wur­de einem wei­te­ren Pati­en­ten des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums, der seit 2013 regel­mä­ßig zur Dia­ly­se muss, auch ein Organ zuge­teilt. Die Ope­ra­teu­re führ­ten die­sen Ein­griff eben­falls erfolg­reich durch und das Organ nahm sofort sei­ne Funk­ti­on auf. Par­al­lel zu den drei Trans­plan­ta­tio­nen fand im benach­bar­ten Ope­ra­ti­ons­saal eine geplan­te Lebend­nie­ren­spen­de statt: Eine Mut­ter spen­de­te ihrem Sohn eine ihrer bei­den Nie­ren. Auch die­se bei­den Ope­ra­tio­nen ver­lie­fen wie gewünscht.

42 Men­schen, 1.366 Minu­ten, 24 Stun­den, vier Nie­ren

Wir dan­ken allen Betei­lig­ten für ihren groß­ar­ti­gen Ein­satz, ohne den das nicht mög­lich gewe­sen wäre. Für das gesam­te Team war das ein beson­ders ereig­nis­rei­cher Tag, für unse­re Pati­en­ten war er lebens­ver­än­dernd. Denn für sie bedeu­tet die neue Nie­re eine weit­rei­chen­de Ver­bes­se­rung des gesund­heit­li­chen Zustands, viel gerin­ge­re Ein­schrän­kun­gen – und unter Umstän­den hat ihnen die Trans­plan­ta­ti­on sogar das Leben geret­tet“, betont Prof. Hel­mut Gei­ger, Lei­ter des Funk­ti­ons­be­reichs Nephrolo­gie.

Ins­ge­samt 42 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums stan­den an die­sem unge­wöhn­li­chen Tag im Trans­plan­ta­ti­ons-OP: Ope­ra­teu­re und Assis­ten­ten, Instru­men­tie­ren­de und Sprin­ger der OP-Pfle­ge sowie Anäs­the­sis­ten und Mit­ar­bei­ter der Anäs­the­sie­pfle­ge. 1.366 Minu­ten beträgt die addier­te Gesamt­zeit, die die Trans­plan­ta­ti­ons­pa­ti­en­ten im OP ver­brach­ten: von ihrer Ein­schleu­sung in den OP-Bereich bis zur Aus­schleu­sung in den Auf­wach­raum. Auch die Nephrolo­gen und das Pfle­ge­team der Trans­plan­ta­ti­ons­sta­ti­on sowie die Dia­ly­se­ab­tei­lung waren rund um die Uhr beschäf­tigt – zunächst mit der Vor­be­rei­tung und anschlie­ßend mit dem post­ope­ra­ti­ven Moni­to­ring der Pati­en­ten.

Es war ein Tag, an dem es schnell gehen muss und Vie­les par­al­lel geschieht. Das inter­dis­zi­pli­nä­re Trans­plan­ta­ti­ons­team ist gera­de an sol­chen Tagen dar­auf ange­wie­sen, dass alle Arbeits­schrit­te rei­bungs­los ablau­fen und die ver­schie­de­nen Akteu­re Hand in Hand zusam­men­ar­bei­ten. Um sicher­zu­stel­len, dass im OP alles nach Plan ver­läuft, sind vor und nach den Ein­grif­fen zahl­rei­che wei­te­re Akteu­re invol­viert. Dazu gehö­ren die Ärz­te und Medi­zi­nisch-tech­ni­schen Assis­ten­ten des Blut­spen­de­diens­tes, das Trans­plan­ta­ti­ons­bü­ro, die Mit­ar­bei­ter des Trans­port­diens­tes, der Rei­ni­gungs­dienst und die Mit­ar­bei­ter der Radio­lo­gie. „Sie alle haben zu die­sem sehr erfolg­rei­chen Tag bei­ge­tra­gen“, so Prof. Gei­ger.

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