Universitätsklinikum Jena: Eigenblutserum-Therapie jetzt auch in Thüringen

Das Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Jena ist nach eige­nen Anga­ben das ers­te Kran­ken­haus in Thü­rin­gen, das Pati­en­ten mit schwers­ten Benet­zungs­stö­run­gen des Auges eine Eigen­blut­se­rum-The­ra­pie anbie­tet.

Die Eigen­blut­se­rum-The­ra­pie wird in Thü­rin­gen vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Jena (UKJ) in Zusam­men­ar­beit der Kli­nik für Augen­heil­kun­de (Direk­tor Prof. Dani­el Mel­ler) und des Insti­tuts für Kli­ni­sche Trans­fu­si­ons­me­di­zin Jena (IKTJ) ange­bo­ten. Da es sich bei die­sem Augen­se­rum um ein Medi­ka­ment han­de­le, so das UKJ, habe das IKTJ in einem auf­wen­di­gen Ver­fah­ren vom Thü­rin­ger Lan­des­amt für Ver­brau­cher­schutz hier­zu eigens eine Her­stel­lungs­er­laub­nis erhal­ten.

Einem Pati­en­ten, des­sen Horn­haut auf einem Auge vor mehr als 40 Jah­ren durch die Explo­si­on eines Was­ser­ko­chers so sehr zer­stört wor­den war, dass selbst eine Horn­haut­trans­plan­ta­ti­on erfolg­los blieb, wird im IKTJ nun alle drei Mona­te ein hal­ber Liter Eigen­blut abge­nom­men, berich­tet das UKJ. Zunächst wer­de das Blut auf mög­li­che Infek­ti­ons­pa­ra­me­ter unter­sucht. „Dann muss das Blut zwölf Stun­den im Beu­tel bei vier Grad ruhen, bis sich das Serum im Blut abge­setzt hat“, erklärt Sabi­ne Volk­holz, Lei­te­rin der Her­stel­lung im IKTJ. Anschlie­ßend wer­de das Serum zen­tri­fu­giert und in Mini­plas­tik­fläsch­chen abge­packt, die bei minus 20 Grad tief­ge­fro­ren wer­den müss­ten. Zehn Tage nach der Blut­ent­nah­me dür­fe sich der Pati­ent die ste­ri­len Augen­trop­fen dann stünd­lich geben. Eine Ampul­le der Sub­stanz (2 ml) ver­brau­che er pro Tag.

Der 63-jäh­ri­ge Pati­ent, der seit Jahr­zehn­ten auf dem lin­ken Auge nichts sehen konn­te und unter Kopf­schmer­zen und Augen­druck gelit­ten hat, bestä­tigt laut Mit­tei­lung des UKJ, dass er seit der Augen­se­rum-The­ra­pie mit dem lin­ken Auge wie­der sehen kön­ne, sogar räum­li­ches Sehen sei ihm jetzt mög­lich. Sei­ne Arz­nei muss er nach Anga­be des Kli­ni­kums gefro­ren hal­ten, und nur die Tages­ra­ti­on dür­fe im Kühl­schrank auf­be­wahrt wer­den. Die Augen­trop­fen reich­ten für ein Vier­tel­jahr, dann las­se der 63-Jäh­ri­ge wie­der neue Augen­se­rum­trop­fen am UKJ her­stel­len. Da das gan­ze Ver­fah­ren sehr auf­wen­dig sei, so schränkt das Kli­ni­kum ein, bewil­lig­ten die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen die Kos­ten­über­nah­me der The­ra­pie jedoch nur in Aus­nah­me­fäl­len.

Vor allem bei Pati­en­ten mit Lim­bus­stamm­zell­in­suf­fi­zi­enz der Horn­haut, also schwe­rer chro­ni­scher Bin­de­haut- und Horn­hau­ter­kran­kung nach Ver­ät­zun­gen und Ver­bren­nun­gen, bei Pati­en­ten mit Benet­zungs­stö­run­gen oder schwe­rem Sic­ca-Syn­drom hilft die The­ra­pie mit dem Augen­se­rum aus Eigen­blut“, weiß Ober­ärz­tin Dr. Nico­le Fuchs aus der UKJ-Augen­kli­nik. Im Augen­se­rum sei­en zum Bei­spiel ent­zün­dungs­hem­men­de Sub­stan­zen ent­hal­ten. Der Trä­nen­film bestehe aus Was­ser, Fett und öli­ger Sub­stanz. „Die­sen spe­zi­el­len Gleit­film kön­nen her­kömm­li­che Augen­trop­fen nicht so gut erset­zen wie das Eigen­blut­se­rum“, sagt Fuchs.

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