Volksleiden Rückenschmerz: Rheuma zu selten als Ursache erkannt

Grund für chro­ni­sche Rücken­schmer­zen kann eine chro­nisch-ent­zünd­li­che Wir­bel­säu­len­er­kran­kung wie der Mor­bus Bech­te­rew sein. Im Rah­men ihres 45. Kon­gres­ses hat die Deut­sche Gesell­schaft für Rheu­ma­to­lo­gie (DGRh) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nur einer von vier Betrof­fe­nen eine kor­rek­te Dia­gno­se erhält.

Als Ursa­che für den Rücken­schmerz wer­den ent­zünd­lich-rheu­ma­ti­sche Erkran­kun­gen häu­fig gar nicht oder erst zu spät erkannt”, bedau­ert Dr. Uta Kiltz, Ober­ärz­tin am Rheu­ma­zen­trum Ruhr­ge­biet, Her­ne. Die zwei häu­figs­ten rheu­ma­ti­schen Wir­bel­säu­len­er­kran­kun­gen sind die rheu­ma­to­ide Arthri­tis (RA) und die axia­le Spondy­lo­ar­thri­tis (SpA), des­sen schwe­re Ver­laufs­form hier­zu­lan­de auch Mor­bus Bech­te­rew genannt wird. „In Anbe­tracht der Erkran­kungs­häu­fig­keit von rund einem Pro­zent der Bevöl­ke­rung ist es beson­ders wich­tig, schnel­le und siche­re Dia­gno­sen zu stel­len, um Betrof­fe­ne früh­zei­tig zu the­ra­pie­ren. Nur so kön­nen Fol­ge­schä­den, Ein­schrän­kun­gen und schlimms­ten­falls Arbeits­un­fä­hig­keit ver­hin­dert wer­den”, betont die Rheu­ma­to­lo­gin. Mit­un­ter lei­den Rheu­ma-Pati­en­ten vie­le Jah­re an Rücken­schmer­zen bis sie – wenn über­haupt – die rich­ti­ge Dia­gno­se erhal­ten.

Den Grund für die häu­fi­gen Fehl- und Spät­dia­gno­sen bei Rheu­ma-Pati­en­ten sehen Exper­ten der DGRh dar­in, dass Ärz­te zu sel­ten rheu­ma­ti­sche Erkran­kun­gen in Erwä­gung zögen. „Bereits in der Erst­ver­sor­gung soll­ten Pati­en­ten unter 45 Jah­ren, die über 12 Wochen chro­ni­sche Rücken­schmer­zen haben, auf Cha­rak­te­ris­ti­ka einer Rheu­ma­er­kran­kung befragt wer­den”, emp­fiehlt Kiltz. „Wacht bei­spiels­wei­se der Pati­ent auf­grund von Schmer­zen regel­mä­ßig in der zwei­ten Nacht­hälf­te auf oder ver­bes­sern sich die Beschwer­den bei Bewe­gung, soll­te unbe­dingt an die Mög­lich­keit einer ent­zünd­lich-rheu­ma­ti­schen Erkran­kung gedacht wer­den.” Haben Pati­en­ten dar­über hin­aus bereits ande­re Vor­er­kran­kun­gen wie chro­nisch-ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen oder Schup­pen­flech­te, ver­dich­te sich die Wahr­schein­lich­keit, dass der Rücken­schmerz bei­spiels­wei­se Fol­ge eines Mor­bus Bech­te­rew sei.

Prof. Bern­hard Hell­mich aus Kirch­heim-Teck weist zudem dar­auf hin, dass auf­grund der Kom­ple­xi­tät von rheu­ma­ti­schen Erkran­kun­gen ein mult­idis­zi­pli­nä­res Vor­ge­hen anzu­ra­ten sei. „Auch Bild­ge­bungs­dia­gnos­tik wie MRT oder Rönt­gen muss in enger Abstim­mung mit dem Rheu­ma­to­lo­gen erfol­gen, denn für die unter­schied­li­chen rheu­ma­ti­schen Erkran­kun­gen sind jeweils ver­schie­de­ne dia­gnos­ti­sche Metho­den sinn­voll“, so der Kon­gress­prä­si­dent von Sei­ten der DGRh. Auf­grund sei­ner Bedeu­tung für das Fach der Rheu­ma­to­lo­gie war die inter­dis­zi­pli­nä­re Arbeit in die­sem Jahr auch ein Schwer­punkt des Kon­gres­ses in Stutt­gart.

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