Weltrückentag 2017: Nukleare Bildgebung identifiziert die Schmerzursachen

Bis zu 80 Pro­zent der Rücken­schmerz-Pati­en­ten lei­den unter unspe­zi­fi­schen Schmerz. „In bestimm­ten Fäl­len kön­nen aber bild­ge­ben­de Ver­fah­ren wie SPECT/CT den Weg zu einer wirk­sa­men Behand­lung öff­nen“, sagt Prof. Willm Uwe Kam­pen, Exper­te der Euro­pean Asso­cia­ti­on of Nuclear Medi­ci­ne (EANM) anläss­lich des Welt­rü­cken­ta­ges 2017.

Laut des EANM-Exper­ten kann das neue mole­ku­la­re Bild­ge­bungs­ver­fah­ren mit SPECT/CT (Ein­zel­pho­to­nen-Emis­si­ons-Com­pu­ter­to­mo­gra­phie/­Com­pu­ter­to­mo­gra­phie) den erhöh­ten Stoff­wech­sel ent­de­cken, der mit auf­fäl­li­gen, Rücken­schmerz ver­ur­sa­chen­den Kno­chen­ver­än­de­run­gen ein­her­geht, und die­se prä­zi­se in den ana­to­mi­schen Berei­chen, die für eine Behand­lung in Fra­ge kom­men, ver­or­ten. „Die­se phy­sio­lo­gi­schen Abläu­fe zu iden­ti­fi­zie­ren, ist ent­schei­dend, denn sie gehen ana­to­mi­schen Ver­än­de­run­gen um Wochen, manch­mal sogar um Mona­te vor­aus und kenn­zeich­nen sehr oft die tat­säch­li­chen Angriffs­punk­te für eine wirk­sa­me Behand­lung”, sagt Kam­pen.

Bei dem Ver­fah­ren wer­den dem Pati­en­ten schwach radio­ak­ti­ve Tracer inji­ziert, deren Strah­lung von den kri­ti­schen Stel­len aus­ge­sen­det und von hoch­emp­find­li­chen Kame­ras regis­triert wird. Die Stär­ke der hybri­den SPEC­T/CT-Bild­ge­bung lie­ge dar­in, dass sie die funk­tio­na­len Infor­ma­tio­nen zum Kno­chen­stoff­wech­sel lie­fert und mit Infor­ma­tio­nen der CT kom­bi­niert. Die­se wie­der­um set­ze Rönt­gen­strah­len ein, um die exak­te Posi­ti­on und Struk­tur der betrof­fe­nen Kno­chen und Gelen­ke zu erfas­sen. „SPECT/CT bie­tet das Bes­te aus bei­den Wel­ten, denn die­se neu­ar­ti­ge Hybrid­bild­ge­bung kom­bi­niert die Stär­ken der her­kömm­li­chen CT mit den nach­ge­wie­se­nen Vor­tei­len der nuklea­ren Bild­ge­bung und hilft so, in bestimm­ten Fäl­len von star­ken Rücken­schmer­zen eine genaue­re Dia­gno­se zu lie­fern und Wege für nach­hal­tig wirk­sa­me Behand­lun­gen zu ebnen. Zu den Gebie­ten, wo sich SPECT/CT beson­ders bewährt hat, gehört die Beur­tei­lung anhal­ten­der oder wie­der­keh­ren­der Schmer­zen nach Wir­bel­säu­len-Ver­stei­fungs­ope­ra­tio­nen”, sagt Prof. Kam­pen.

Die­se Behand­lungs­form, die mitt­ler­wei­le bei Pati­en­ten mit dau­er­haf­ten Rücken­schmer­zen ziem­lich ver­brei­tet ist, ver­ur­sacht mit­un­ter Fol­ge-Kom­pli­ka­tio­nen. Bei sol­chen Pati­en­ten gibt es viel­fäl­ti­ge Grün­de für die anhal­ten­den Schmer­zen: Dazu gehö­ren post­ope­ra­ti­ve Infek­tio­nen, unsach­ge­mä­ße Plat­zie­rung der Implan­ta­te, gebro­che­ne Schrau­ben, gelo­cker­te Metall­tei­le oder ein Schei­tern der Kno­chen­fu­si­on. Hin­zu kommt, dass die star­re Fixie­rung der Wir­bel eine ver­stärk­te Belas­tung der benach­bar­ten Wir­bel­säu­len­seg­men­te her­vor­ru­fen kann. Das kann zu einer Abnut­zung der Wir­bel über oder unter der fixier­ten Wir­bel­säu­len­re­gi­on oder von Zwi­schen­wir­bel­ge­len­ken oder Illio­sa­kral­ge­len­ken füh­ren. Zwar lie­fern ande­re Bild­ge­bungs­ver­fah­ren wie die Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie (MRT) genaue und sehr nütz­li­che ana­to­mi­sche Infor­ma­tio­nen. Das reicht aber oft nicht, denn sind Berei­che nur ana­to­misch ver­däch­tig, dann sind sie häu­fig nicht die wirk­li­chen Ursa­chen der Rücken­schmer­zen. In all die­sen Fäl­len sind zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen zu mög­li­chen Ver­än­de­run­gen des Kno­chen-Stoff­wech­sels not­wen­dig, um fest­zu­stel­len, was den Sym­pto­men wirk­lich zugrun­de liegt. All die­se Infor­ma­tio­nen kann die SPECT/CT bequem in einer ein­zi­gen Unter­su­chung lie­fern. Meh­re­re Stu­di­en zei­gen, dass SPECT/CT Schmerz ver­ur­sa­chen­den Fak­to­ren auf die Spur kommt, die von Rönt­gen- oder Magnet­re­so­nanz­auf­nah­men weni­ger leicht oder gar nicht erfasst wer­den. „Im End­ef­fekt hilft SPECT/CT dem Chir­ur­gen, die Schmerz­ur­sa­chen des Pati­en­ten bes­ser zu erken­nen und spielt dadurch eine ent­schei­den­de Rol­le für die Aus­wahl der rich­ti­gen Behand­lung zur rich­ti­gen Zeit,“ so Prof. Kam­pen.

Die­sel­ben Vor­tei­le kom­men laut Exper­ten auch zum Tra­gen, wenn sich die Unter­su­chun­gen nicht auf post­ope­ra­ti­ve Pro­ble­me rich­te­ten. So lie­fer­ten CT und MRT ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen über ana­to­mi­sche Auf­fäl­lig­kei­ten wie Band­schei­ben­vor­fall, Wir­bel­ab­nut­zung oder mög­li­che krank­haf­te Ver­än­de­run­gen des Kno­chen­marks. Aber auch hier gel­te: Ange­sichts der altern­den euro­päi­schen Bevöl­ke­rung wer­de es immer schwie­ri­ger, unter den vie­len Befun­den, die eine Abnut­zung anzei­gen, die ursäch­li­che Schä­di­gung zu iden­ti­fi­zie­ren. Indem die SPECT/CT ver­stärk­te Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tä­ten loka­li­sie­re, hel­fe sie, die rele­van­ten Schmerz­fak­to­ren her­aus­zu­fil­tern.

SPECT/CT habe sich auch bei Pati­en­ten mit chro­ni­schen Len­den­schmer­zen bewährt, bei denen manu­el­le The­ra­pi­en kei­ne Lin­de­rung gebracht haben. Dank die­ser Bild­ge­bung lie­ßen sich Wir­bel­ge­len­ke iden­ti­fi­zie­ren, die auf­grund begin­nen­der Abnut­zung einen akti­ven Stoff­wech­sel auf­wie­sen, ohne dass auf her­kömm­li­chen Rönt­gen­auf­nah­men oder bei der CT mor­pho­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen zu sehen gewe­sen waren. Dar­auf­hin wur­den die­se Pati­en­ten gezielt mit Wir­bel­ge­lenks­in­jek­tio­nen behan­delt, die eine Bes­se­rung bewirk­ten. Das habe den dia­gnos­ti­schen Nut­zen der SPECT/CT eben­so bestä­tigt wie die Wich­tig­keit, die die funk­tio­nel­le als Ergän­zung zur ana­to­mi­schen Bild­ge­bung für die Aus­wahl der ange­mes­se­nen Behand­lung habe.

SPECT/CT eröff­ne auf die­se Wei­se viel­ver­spre­chen­de For­schungs­we­ge, die es erlau­ben, die Wirk­sam­keit manu­el­ler The­ra­pi­en zu ein­zu­schät­zen und zu erhö­hen. „Die Rele­vanz von SPECT/CT für die Bestim­mung und Sta­di­en­ein­tei­lung von Krebs, der auf Kno­chen über­ge­grif­fen hat, ist schon lan­ge aner­kannt. Aber neu­er­dings ist deut­lich gewor­den, dass es sich hier­bei auch um ein äußerst nütz­li­ches Pro­blem­lö­sungs-Werk­zeug han­delt, von dem ein bedeu­ten­der Teil der Rücken­schmerz-Pati­en­ten pro­fi­tie­ren kann. Ange­sichts eines stei­gen­den Kos­ten­be­wusst­seins in der Gesund­heits­ver­sor­gung ist die Fähig­keit, mit­hil­fe von SPECT/CT vor­her­zu­sa­gen, wer von einer spe­zi­el­len Behand­lung pro­fi­tie­ren wird, eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für eine wir­kungs­vol­le The­ra­pie, die oft aus einer lebens­lan­gen Belas­tung eine heil­ba­re Erkran­kung machen kann“, lau­tet das Resü­mee von Kam­pen.

Quelle
European Association of Nuclear Medicine (EANM)
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