Wiedemann wird erster Professor für Urogeriatrie

Die Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke hat Prof. Andre­as Wie­de­mann auf die ers­te Pro­fes­sur für Uro­ger­ia­trie beru­fen.

Der 58-Jäh­ri­ge ist seit zehn Jah­ren Chef­arzt für Uro­lo­gie am Evan­ge­li­schen Kran­ken­haus Wit­ten und wird nun am Lehr­stuhl für Ger­ia­trie von Prof. Hans Hepp­ner for­schen und leh­ren. „Das ist eine bun­des­weit ein­ma­li­ge Kon­stel­la­ti­on, die die Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke da mög­lich gemacht hat: Wir reden oft von der ‚altern­den Gesell­schaft‘, aber in der Uro­lo­gie und der Ger­ia­trie haben wir die ältes­ten Pati­en­ten von allen Medi­zin­spar­ten. Und da kön­nen wir viel von­ein­an­der ler­nen“, erklärt er das Beson­de­re an sei­ner Arbeit. So sind in der Ger­ia­trie seit eini­ger Zeit Fra­ge­bö­gen üblich, die den behan­deln­den Ärz­ten Aus­kunft über die geis­ti­gen und kör­per­li­chen Fähig­kei­ten der Pati­en­ten geben und aus denen dann ein Behand­lungs­plan im Kran­ken­haus und auch in Zusam­men­ar­beit mit Haus­ärz­ten und Alten­ein­rich­tun­gen ent­steht. „In der Uro­lo­gie füh­ren wir das in abge­wan­del­ter Form nun auch ein und sind damit eine der ers­ten Ein­rich­tun­gen in Deutsch­land“, ord­net Wie­de­mann die Lage ein.

Ihm geht es vor allem um die Lebens­qua­li­tät sei­ner Pati­en­ten: „40 Pro­zent der über 70-jäh­ri­gen Män­ner und Frau­en in Deutsch­land lei­den an Inkon­ti­nenz. Damit die­se Men­schen nicht ver­schämt zu Hau­se blei­ben, son­dern wei­ter am Leben aktiv teil­neh­men kön­nen, haben wir vie­le Behand­lungs­mög­lich­kei­ten – mit und ohne Ope­ra­tio­nen.“ Wie­de­mann hat zum Bei­spiel die Medi­ka­men­te gegen Harn­in­kon­ti­nenz auf Neben­wir­kun­gen unter­sucht. Ergeb­nis: Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen, Gedächt­nis­lü­cken, Schlaf­pro­ble­me, Sturz­ge­fahr erhöht. „Man muss berück­sich­ti­gen, dass anti­cho­liner­ge Sub­stan­zen auch in vie­len ande­ren Medi­ka­men­ten ent­hal­ten sind, die älte­re Men­schen ja häu­fig außer­dem noch ein­neh­men. Dann ist das Medi­ka­ment gegen Harn­in­kon­ti­nenz der Trop­fen, der das Fass zum Über­lau­fen bringt – wenn das Bild hier auch leicht schief wird!“, räumt er humor­voll ein. Ande­re For­schungs­ar­bei­ten unter­su­chen, wer war­um in sta­tio­nä­rer uro­lo­gi­scher Behand­lung stürzt, wie Blut­ver­dün­ner und die Dia­gno­se „Blut im Urin“ zusam­men­hän­gen könn­ten und ob Stö­run­gen wie Schlaf­apnoe Ursa­che oder Wir­kung von Bla­sen­stö­run­gen sind.

Wie­de­mann hat in Essen Medi­zin stu­diert und pro­mo­viert, 2013 erhielt er sei­ne Habi­li­ta­ti­on mit dem The­ma „Harn­trakt­be­schwer­den beim älte­ren Dia­be­ti­ker unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung sei­ner Mul­ti­mor­bi­di­tät und Mul­ti­me­di­ka­ti­on“. Er hat in Gel­sen­kir­chen und dann in Wit­ten als Uro­lo­ge in Kran­ken­häu­sern gear­bei­tet und ver­fügt über die medi­zi­ni­schen Zusatz­qua­li­fi­ka­tio­nen Spe­zi­el­le Uro­lo­gi­sche Chir­ur­gie, Andro­lo­gie und Medi­ka­men­tö­se Tumor­the­ra­pie. Das Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus Wit­ten ist im Kon­ti­nenz­zen­trum „Hagen-Wit­ten“, im Kon­ti­nenz­zen­trum „Ruhr­ge­biet“ und als Pro­sta­ta­zen­trum zer­ti­fi­ziert.

Quelle
Universität Witten/Herdecke
Mehr anzeigen

Verwandte Artikel

Close