Wissenschaftspreise und Ehrungen der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® 2017

Im Rah­men des 41. Wis­sen­schaft­li­chen Jah­res­kon­gres­ses „Volks­krank­hei­ten Dia­be­tes und Blut­hoch­druck: vor­beu­gen, erken­nen, behan­deln” in Mann­heim hat die Deut­sche Hoch­druck­li­ga e.V. DHL® – Deut­sche Gesell­schaft für Hyper­to­nie und Prä­ven­ti­on am 10. Novem­ber 2017 Medi­zi­ner und Nach­wuchs­for­scher aus­ge­zeich­net, deren Arbei­ten einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung der Hyper­to­nie-Behand­lung leis­ten.

Blut­hoch­druck wird von der World Health Orga­ni­sa­ti­on (WHO) seit vie­len Jah­ren als das welt­weit größ­te Gesund­heits­ri­si­ko bezeich­net. Rund 10,7 Mil­lio­nen vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le und 211,8 Mil­lio­nen ver­lo­re­ne gesun­de Lebens­jah­re wer­den durch Hyper­to­nie ver­ur­sacht. In Deutsch­land lei­det nach Schät­zun­gen jeder Drit­te an Blut­hoch­druck. Um die­ser Volks­krank­heit ent­ge­gen­zu­wir­ken, för­dert die Deut­sche Hoch­druck­li­ga e.V. DHL® – Deut­sche Gesell­schaft für Hyper­to­nie und Prä­ven­ti­on die For­schung zu neu­en The­ra­pi­en und Dia­gno­se­ver­fah­ren mit Wis­sen­schafts­prei­sen im Gesamt­vo­lu­men von 21 Tau­send Euro.

Es ist uns als Fach­ge­sell­schaft schon immer ein wich­ti­ges Anlie­gen, mit Wis­sen­schafts­prei­sen die Hyper­to­nie­for­schung zu för­dern und vor­an­zu­brin­gen“, erklärt der Vor­stands­vor­sit­zen­de der DHL® Pro­fes­sor Dr. med. Bern­hard Krä­mer. „Wir freu­en uns, dass wir in die­sem Jahr wich­ti­ge Bei­trä­ge aus der Grund­la­gen­for­schung und aus den Berei­chen der Prä­ven­ti­on und der För­de­rung von The­ra­pie­treue aus­zeich­nen konn­ten.“

Der Franz-Gross-Wis­sen­schafts­preis wird ver­lie­hen in Aner­ken­nung für beson­de­re Ver­diens­te auf dem Gebiet der Hoch­druck­for­schung und für das Enga­ge­ment für die Auf­ga­ben und Zie­le der Deut­schen Hoch­druck­li­ga. Er ist der höchs­te Preis der DHL® und geht in die­sem Jahr an Pro­fes­sor Dr. med. Joa­chim Hoyer, Direk­tor der Kli­nik für Inne­re Medi­zin, Nephrolo­gie und Inter­nis­ti­sche Inten­siv­me­di­zin am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Mar­burg und lang­jäh­ri­ges Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Hoch­druck­li­ga. Er ist mit 5.000 Euro dotiert und wird auf Beschluss des Vor­stan­des ver­ge­ben. Pro­fes­sor Hoyer hat her­aus­ra­gen­de Arbei­ten zum The­ma endo­the­lia­ler Ionen­ka­nä­le, ins­be­son­de­re druck­sen­si­ti­ve Kal­zi­um- und Kali­um­ka­nä­le, zu EDHF (endo­the­li­um-deri­ved hyper­po­la­ri­zing fac­tor) und zur Blut­druck­sen­kung durch eine AV-Fis­tel vor­ge­legt, so die Begrün­dung des Vor­stan­des. Die Franz-Gross-Medail­le 2017 erhält Dr. med. Sieg­fried Eckert von der Kli­nik für Kar­dio­lo­gie des Herz- und Dia­be­tes­zen­trum NRW, Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum, Bad Oeyn­hau­sen. Gewür­digt wer­den mit die­ser Medail­le gro­ße Ver­diens­te um die Hyper­to­nie­for­schung und um die Auf­klä­rung der Bevöl­ke­rung über die Bedeu­tung des Blut­hoch­drucks, des­sen Fol­ge­er­kran­kun­gen und The­ra­pie – ins­be­son­de­re im Rah­men von umfang­rei­chen feder­füh­rend durch den Preis­trä­ger ent­wi­ckel­ten Pati­en­ten­schu­lungs­pro­gram­men.

Der For­schungs­preis „Dr. Adal­bert-Buding“ der Dr. Adal­bert-Buding Stif­tung rich­tet sich an Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum, die neue Erkennt­nis­se auf dem Gebiet des Blut­hoch­drucks gewon­nen haben. Preis­trä­ger des mit 5.000 Euro dotier­ten Prei­ses ist in die­sem Jahr Dr. Alex­an­der Zink vom Kli­ni­kum rechts der Isar der TU Mün­chen mit sei­ner Arbeit „Neue Per­spek­ti­ven zur Gesund­heits­prä­ven­ti­on: Prä­ven­ti­on von Hyper­to­nie, Hypakus­is und Gleich­ge­wichts­stö­run­gen im „ech­ten“ Leben beim Münch­ner Okto­ber­fest“.
Die aus­ge­zeich­ne­te Arbeit hat außer­halb eines medi­zi­ni­schen Set­tings im Rah­men des Baye­ri­schen Zen­tral-Land­wirt­schafts­fest am Ran­de des Okto­ber­fests 2016 Besu­chern einen Gesund­heits­check ange­bo­ten. Mit die­sem wur­de erho­ben, wie häu­fig die Erkran­kun­gen im „ech­ten Leben“ vor­kom­men. Die Prä­va­len­zen zeig­ten sich als sehr hoch, auch wenn die Zah­len für die Hyper­to­nie gerin­ger aus­fie­len, als in vor­lie­gen­den Stu­di­en berich­tet. Dr. Alex­an­der Zink for­dert in sei­ner Arbeit neu­ar­ti­ge Prä­ven­ti­ons­an­sät­ze, um auch die Bevöl­ke­rungs­grup­pen zu errei­chen, die nicht regel­mä­ßig einen Arzt auf­su­chen.

Pro­fes­so­rin Dr. med. Ute Scholl vom Ber­li­ner Insti­tut für Gesund­heits­for­schung sowie der Cha­rité – Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ber­lin erhält in die­sem Jahr den „Die­ter-Klaus-För­der­preis“ der Deut­schen Hyper­to­nie Stif­tung DHS®, der mit 2.500 Euro dotiert ist, für ihre Arbeit „Makro­li­de hem­men selek­tiv mutier­te KCN­J5-Kali­um­ka­nä­le in Aldos­te­ron-pro­du­zie­ren­den Ade­no­men“. Mit die­sem Preis zeich­net die Hoch­druck­li­ga Arbei­ten auf dem Gebiet der expe­ri­men­tel­len, kli­ni­schen oder epi­de­mio­lo­gi­schen Hoch­druck­for­schung aus.
Dr. med. Ute Scholl gelang es, Makro­li­de als Wirk­stof­fe zu iden­ti­fi­zie­ren, die in einem Zell­mo­dell gene­tisch mutier­te Kali­um­ka­nä­le blo­ckie­ren. Von Bedeu­tung könn­te dies für eine künf­tig ver­bes­ser­te Dia­gno­se und Behand­lung des häu­figs­ten Fal­les der sekun­dä­ren Hyper­to­nie, des pri­mä­ren Hype­ral­dos­te­ro­nis­mus, sein. Bei die­sem pro­du­ziert die Neben­nie­re zu gro­ße Men­gen des Blut­druck­hor­mons Aldos­te­ron, etwa auf­grund eines gut­ar­ti­gen hor­mon­pro­du­zie­ren­den Tumors.
Rund vier­zig Pro­zent die­ser Tumo­re tra­gen tumor­spe­zi­fi­sche Muta­tio­nen im Gen KCNJ5. Dr. Scholl und ihr Team haben einen Hemm­stoff ent­wi­ckelt, der gezielt nur die mutier­ten, nicht aber die nor­ma­len KCN­J5-Kanä­le blo­ckiert.

Den För­der­preis der deut­schen Hoch­druck­li­ga e.V. DHL® für Sport und nicht-medi­ka­men­tö­se The­ra­pie bei Blut­hoch­druck erhält in die­sem Jahr Dani­el Goeder von der TU Mün­chen für sei­ne Mas­ter­ar­beit im Stu­di­en­fach Bewe­gung und Gesund­heit „Acu­te post exer­cise effects on peri­pheral and cen­tral blood pres­su­re during a 24-hour ambu­la­to­ry blood pres­su­re moni­to­ring“. Der Preis ist mit 1.200 Euro dotiert. Die Mas­ter­ar­beit hat den Zusam­men­hang zwi­schen einer Aus­dau­er­be­las­tung und dem zen­tra­len Blut­druck im 24-stün­di­gen Ver­lauf unter­sucht. In der Stu­die wur­den bei 25 Teil­neh­mern der peri­phe­re sys­to­li­sche wie auch der zen­tra­le sys­to­li­sche Blut­druck in Ruhe sowie nach einer Belas­tung bis zur Erschöp­fung auf dem Fahr­ra­der­go­men­ter im 24-Stun­den-Ver­lauf gemes­sen. Es zeig­te sich eine Absen­kung unter den Ruhe­wert beim zen­tra­len sys­to­li­schen Blut­druck wäh­rend der ers­ten sechs Stun­den nach der Belas­tung. Der peri­phe­re sys­to­li­sche Blut­druck zeig­te hin­ge­gen nur in der Nacht eine Absen­kung. Die Stu­die konn­te damit eine unter­schied­li­che Wir­kung von sport­li­cher Akti­vi­tät auf den peri­pher und den zen­tral gemes­se­nen Blut­druck zei­gen.

In die­sem Jahr ver­gibt die DHL® erst­mals den För­der­preis der Deut­schen Hoch­druck­li­ga e.V. DHL® für vor­bild­li­che Pro­jek­te zur Ver­bes­se­rung der The­ra­pie­treue. Den mit 1.500 Euro dotier­ten Preis erhält Pro­fes­sor Dr. med. Kozio­lek, Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen, stell­ver­tre­tend für alle Mit­wir­ken­den, für das inter­dis­zi­pli­nä­re Pro­jekt „Ana­ly­se von The­ra­piead­hä­renz bei Pati­en­ten mit hyper­ten­si­ver Ent­glei­sung“. In die Stu­die wur­den 100 Pati­en­ten ein­ge­schlos­sen, die mit einer hyper­ten­si­ven Kri­se – einer unan­ge­mes­se­nen Erhö­hung des Blut­drucks, die eine sofor­ti­ge Behand­lung erfor­dert – in die Not­auf­nah­me kamen. Ziel war es, unter ande­rem die The­ra­pie­treue der Pati­en­ten zu ana­ly­sie­ren und auf die­ser Basis Lösungs­vor­schlä­ge zu erar­bei­ten, um die Adhä­renz zu ver­bes­sern. In der Stu­die konn­te erst­mals mit­tels einer direk­ten Adhä­renz­mes­sung der Zusam­men­hang zwi­schen Non-Adhä­renz und hyper­ten­si­ver Kri­se auf­ge­deckt wer­den. Zudem konn­te gezeigt wer­den, dass die Ein­nah­me frei ver­käuf­li­cher Medi­ka­men­te wie bei­spiels­wei­se nicht­ste­ro­ida­le Anti­rheu­ma­ti­ka (NSAR) für das Auf­tre­ten einer hyper­ten­si­ven Kri­se eine wesent­li­che Rol­le spie­len könn­ten. Die For­scher kom­men zu dem Ergeb­nis, dass Ärz­te, die Blut­hoch­druck-Pati­en­ten betreu­en, den The­men Adhä­renz und Co-Medi­ka­ti­on mehr Auf­merk­sam­keit wid­men sol­len.

Über die Wis­sen­schafts­prei­se hin­aus wird auch gezielt der wis­sen­schaft­li­che Nach­wuchs bis zum voll­ende­ten 35. Lebens­jahr geför­dert. Im Vor­feld des Kon­gres­ses hat die DHL® an fünf­zehn jün­ge­re Teil­neh­mer mit dem Young Inves­ti­ga­tor Award jeweils ein Rei­sesti­pen­di­um in Höhe von je 120 Euro ver­ge­ben. Mit den „Best-of- …“-Prei­sen hat die DHL® zudem die bes­ten ein­ge­reich­ten Vor­trä­ge sowie Pos­ter von jun­gen Wis­sen­schaft­lern mit einem Rei­sesti­pen­di­um prä­miert. Die Preis­trä­ger haben ihre Arbei­ten in geson­der­ten Sit­zun­gen auf dem Kon­gress prä­sen­tiert. Am 11. Novem­ber wur­den zusätz­lich die drei bes­ten Vor­trä­ge und Pos­ter mit einem Preis­geld von 200 bis 500 Euro aus­ge­zeich­net.

Die Preis­ver­ga­be fand im fest­li­chen Rah­men des 41. Wis­sen­schaft­li­chen Kon­gres­ses der Deut­schen Hoch­druck­li­ga e. V. DHL® – Deut­sche Gesell­schaft für Hyper­to­nie und Prä­ven­ti­on statt, der in die­sem Jahr zusam­men mit der 11. Herbst­ta­gung der Deut­schen Dia­be­tes Gesell­schaft (DDG) in Mann­heim statt­ge­fun­den hat.

Quelle
Deutsche Hochdruckliga
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