116. DOG-Kongress: Übermäßige Smartphone-Nutzung, Myopie … und darüber hinaus

Im Grundschulalter sollten Kinder das Smartphone laut Empfehlung der DOG nicht länger als eine Stunde täglich nutzen. Foto: © Petr Bonek – Fotolia.com

Die Anzahl kurzsichtiger Menschen ist in den vergangenen Jahren vor allem in den Industrieländern rasant angestiegen. Die übermäßige Nutzung von Smartphones und Tablets ist ein wichtiger Faktor, der die Myopieentwicklung bei Kindern fördert.

Rund 50 Prozent aller jungen Erwachsenen in Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) von einer Kurzsichtigkeit betroffen, in einzelnen asiatischen Ländern betrage die Quote sogar bis zu 95 Prozent. „Die Zunahme ist vor allem auf sehr frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets bei gleichzeitig immer kürzeren Tagesaufenthalten im Freien zurückzuführen“, sagt DOG-Präsidentin Prof. Nicole Eter, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster.

Negativ-Folgen jenseits der Kurzsichtigkeit
Ist Myopie einmal vorhanden, bleibt sie bestehen. Eine Myopie beginnt meist im Grundschulalter und nimmt bis ins Erwachsenenalter zu. Es gilt: Je früher sie einsetzt, desto stärker ist ihr Ausmaß. Dabei hat Kurzsichtigkeit nicht nur das Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen zur Konsequenz. „Myope Menschen haben auch ein größeres Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung, Schädigungen der Makula oder für erhöhten Augeninnendruck, der zu grünem Star führt“, betont Prof. Bettina Wabbels, Leiterin der Abteilung für Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Ophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Übermäßiger elektronischer Medienkonsum, so die DOG, habe aber vermutlich noch weitere negative Auswirkungen. So könne der ständige Blick auf den Screen kindliche Augen reizen, ermüden und austrocknen. Auch stehe der abendliche Griff zu Smartphone und Co. in Verdacht, Schlafstörungen auszulösen. „Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht“, erläutert die Bonner DOG-Expertin. Gehen schon Kleinkinder häufig online, leidet womöglich sogar deren räumliches Vorstellungsvermögen. „Zu viel Smartphone kann zudem Probleme beim Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht verursachen, etwa in Form von verschwommenem Sehen oder Schielen“, setzt Wabbels die Liste möglicher Negativ-Folgen fort.

Wie viel Zeit am Smartphone ist vertretbar?
Eltern sollten daher unbedingt die Nutzungsdauer digitaler Medien bei ihrem Nachwuchs begrenzen, empfiehlt die DOG „Aus augenärztlicher Sicht sind PC, Smartphone oder Tablet für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gänzlich ungeeignet“, betont Wabbels. Für Vier- bis Sechsjährige empfiehlt sie eine tägliche Nutzungsdauer von bis zu 30 Minuten – so laute auch die Einschätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Im Grundschulalter wäre eine Medienzeit von maximal einer Stunde täglich aus augenärztlicher Sicht vertretbar, ab einem Alter von etwa zehn Jahren von bis zu zwei Stunden pro Tag“, ergänzt Wabbels.

Besitzen Kinder eigene Geräte, die sie außer Haus mitnehmen, sollten die Eltern entweder klare Regeln aufstellen oder die Nutzungsdauer über technische Einstellungen beschränken, etwa mit einer App oder Kindersicherung. Ebenfalls wichtig: „Um Schlafstörungen zu vermeiden, sind elektronische Medien ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen tabu“, sagt Wabbels. Das digitale „Daddeln“ sollte im Übrigen stets mit analoger Freizeitgestaltung kombiniert werden. Es sei der Gesundheit zuträglich, wenn sich Kinder täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht im Freien aufhielten, das wirke auch einer Kurzsichtigkeit entgegen.

Quelle: DOG