116117 plus SmED: Patienten medizinisch sachgerecht koordinieren9. Dezember 2019 Hinter der ärztlichen Bereitschaftsdienstnummer 116117 soll ab 2020 ein Versorgungsportal entstehen. Illustration: © fotohansel – stock.adobe.com Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will ab 2020 mit dem Schritt hin zu einem ‚Versorgungsportal‘ hinter der bundesweiten Patientenservice-Nummer 116117 die gesamte Bandbreite technischer Möglichkeiten nutzen, um die Ressource Arzt so effektiv wie möglich einzusetzen. Das zu Ende gehende Jahr 2019 brachte eine wahre Flut an Gesetzen mit sich. „Nicht alles, was aus dem Bundesgesundheitsministerium an Gesetzen kam, ist im Sinne der Ärzteschaft gewesen. Insbesondere das vorgelegte Tempo war an einigen Stellen schon recht hoch“, kritisierte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen auf der Vertreterversammlung in Berlin. Er erkannte aber an, dass sich Minister Jens Spahn gesprächsbereit zeigte. „Wenn wir unsere Argumente sachlich begründen, dann haben wir auch Erfolg und werden gehört“, lautete Gassens Fazit. Das nächste Jahr bringt weitere Neuerungen als Folge des Terminservice- und Versorgungsgesetzes mit sich. Ab 2020 sollen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) unter der bundesweiten Nummer 116117 rund um die Uhr erreichbar sein. Zusätzlich unterstützt das standardisierte Ersteinschätzungsverfahren (SmED) die Behandlung der Patienten, indem mithilfe einer Software Beschwerden abgefragt und Patienten in die richtige Versorgungsebene geleitet werden: Rettungsdienst, Notaufnahme, ärztlicher Bereitschaftsdienst oder Arztpraxis. Die Website 116117.de sowie die 116117.app ergänzen das Angebot. Die Terminvermittlung per App wird Anfang des Jahres möglich sein, die Ersteinschätzung etwa Mitte des Jahres. „Die neuen Funktionen bieten die Chance, eine medizinisch sachgerechte Koordinierung der Patienten zu etablieren“, erläuterte Gassen. Die im August gestartete Elfen-Kampagne, die das Ziel der Bekanntheitssteigerung der 116117 hat, geht 2020 in die zweite Runde. „Wir sind sehr zufrieden, mit der ersten Phase der Elfen-Kampagne. Wie die Zahlen zeigen, war sie bisher auch erfolgreich: nach zuvor 26 Prozent wissen mittlerweile 34 Prozent der Befragten, wen man unter der 116117 erreicht. Eine Steigerung, die uns freut, an der wir aber weiterarbeiten. Im kommenden Jahr starten wir in die zweite Phase der Kampagne, in der die neuen Leistungen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes beworben werden“, sagte der KBV-Chef. Nein zu einer “Einheitsversicherung”In seiner Rede ging Gassen auch auf die von der Politik im Koalitionsvertrag angestoßene Arbeit an einer Vergütungsreform ein. Dafür hat das Bundesgesundheitsministerium eine wissenschaftliche Kommission eingesetzt. Dabei gibt es auch Spekulationen über eine einheitliche Gebührenordnung für die gesetzliche und die private Krankenversicherung. Diese lehnte Gassen ab, fügte aber hinzu: „Es kann allerdings nicht sein, dass dieselben Leistungen in Kliniken und Praxen unterschiedlich bezahlt werden. Hier wären einheitliche Preise absolut wünschenswert.“ Weiter erklärte er: „Unser duales Versicherungssystem ist grundsätzlich in Ordnung und hat sich bewährt. Allerdings sollten Hürden abgebaut und das Beste aus zwei Welten zusammengeführt werden, um den Versicherten mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten. Eine Möglichkeit sind Zusatztarife bei der gesetzlichen Krankenversicherung, beispielsweise auch für Homöopathie. Umgekehrt könnte die private Krankenversicherung eine Grundsicherung auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung anbieten – ohne Gesundheitsprüfung. Sicher gäbe es noch weitere denkbare Modelle, alle wären aber besser für unsere Patienten als eine Bürgerversicherung!“ Quelle: KBV
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