120 Jahre Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums5. November 2024 Die Fssade der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums München. (Foto: © LMU) Mit einem zweitägigen Symposium feiert die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums München am 6. und 7. November ihr 120-jähriges Bestehen. Als die Königlich Psychiatrische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München am 7. November 1904 ihren Betrieb aufnahm, wurden die psychiatrischen Einrichtungen noch „Irrenanstalten“ und die Psychiatriepatienten „Irre“, „Wahnsinnige“ oder „Geisteskranke“ genannt. Dennoch war die Psychiatrie gerade im Begriff, sich als akademische Wissenschaft zu etablieren – und hieran hatte der erste Direktor der psychiatrischen Klinik und Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität, der Psychiater Emil Kraepelin, maßgeblichen Anteil. Auf ihn geht beispielsweise die Neuordnung der psychiatrischen Klassifikationen zurück, die fünf Hauptgruppen vorsieht und die bis heute die wichtigsten internationalen Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 prägt. Entdeckung der Alzheimer-Demenz Zu den Assistenten, die Emil Kraepelin 1904 nach München folgten, gehörte auch Alois Alzheimer, den Kraepelin damit beauftragte, ein hirnanatomisches Laboratorium aufzubauen. Schon bald wurde das Laboratorium weltberühmt, denn hier kam Alzheimer 1906 den histologischen Veränderungen im Gehirn auf die Spur, die kennzeichnend für die nach wie vor häufigste Demenzerkrankung sind – und die heute seinen Namen trägt. Seitdem gab – und gibt – es zahlreiche weitere wegweisende Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass sich die medizinische Versorgung von psychisch kranken Patientinnen und Patienten in den letzten 120 Jahren deutlich verbessert hat. So weiß man heute zum Beispiel sehr viel besser über die verschiedenen Mechanismen und Faktoren Bescheid, die zur Entstehung einer psychischen Erkrankung beitragen können. Außerdem gibt es mittlerweile bewährte standardisierte Definitionen und Kriterien, mit der psychische Erkrankungen in den meisten Fällen sicher diagnostiziert werden können. Breitgefächertes Therapieangebot „Vor allem aber verfügen wir heute über ein breitgefächertes Therapieangebot, das sowohl somatische Behandlungsmethoden wie Medikamente als auch psychotherapeutische Maßnahmen umfasst“, erklärt Prof. Peter Falkai, der seit zwöf Jahren Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums ist. Oft komme eine Kombination von Therapien zur Anwendung, etwa ein Psychopharmakon in Kombination mit einer Gesprächstherapie. „Dank dieser und vieler anderer Errungenschaften der Forschung auf dem Gebiet der Psychiatrie können wir den Betroffenen heute individuelle Hilfestellung geben und sie sehr effektiv darin unterstützen, dass sie ihre Funktionsfähigkeit und Lebensqualität zurückgewinnen“, betont auch der Stellvertretende Klinikleiter und Leiter der Abteilung Klinische Neuropsychologie, Prof. Oliver Pogarell. Dafür arbeiten an der Psychiatrischen Klinik des LMU Klinikums der Psychiatrische Pflegedienst gemeinsam mit Psychiatern, Psychologen, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Kunst- und Musiktherapeuten auf 14 Stationen eng zusammen. 218 Betten stehen für die vollstationäre Betreuung bereit, die Tagklinik für das teilstationäre Setting verfügt über 24 Therapieplätze. Hinzu kommen die Spezialambulanzen für verschiedene Krankheitsbilder, etwa die Bipolar-, Sucht- oder Autismus-Ambulanz. Grundlagenforschung für weitere Fortschritte Bis heute gehört die Psychiatrische Klinik zu den führenden Forschungseinrichtungen. Und sie verfolgt nach wie vor das Ziel, durch Grundlagenforschung und klinische Studien die Psychiatrie weiter voranzutreiben und den Patienten so neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen. „Wir bieten Forschungsmöglichkeiten für alle Krankheitsgruppen: von Suchterkrankungen, affektiven und psychotischen Erkrankungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen und Demenzen“, erklärt Falkai. Weitere Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Methoden der Hirnstimulation, die Entwicklung spezieller Psychotherapieprogramme oder die Früherkennung psychischer Erkrankungen mit modernen bildgebenden Verfahren. „Hierfür hält unsere Klinik eine Fülle von Forschungsmethoden bereit, etwa eine hochmoderne Bildgebung im Haus oder eine eigene Biobank“, ergänzt Pogarell.
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