15 Jahre DGFG: Gewebespende immer noch “ein blinder Fleck in Politik und Gesellschaft”10. Juni 2022 Open-Air-Ausstellung “Gewebespende erleben”. Foto: © DGFG Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) begeht in diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Trotz steigender Zahlen in der Gewebespende besteht dennoch laut DGFG weiterhin ein Mangel an Geweben und auch das Wissen um die Gewebespende selbst wird als “erschreckend gering” bezeichnet – dies zeige auch ein neues Gesetz. Obwohl die Zahlen in der Gewebespende im Unterschied zur Organspende in Deutschland jährlich steigen, verweist die DGFG weiterhin auf einen Mangel an Gewebe: “Noch immer führen wir Wartelisten für eine Augenhornhaut. Im letzten Jahr konnten wir nur jede zweite Anfrage für eine Herzklappe bedienen. Das ist noch immer zu wenig”, hält Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG, fest.Auch das Wissen um die Gewebespende, ihre Voraussetzungen und ihre Organisation, die sich von der Organspende deutlich unterscheide, sei “erschreckend gering”, betont die DGFG. Das zeige auch das jüngst in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, das die Gewebespende zwar betreffe, in seiner aktuellen Form jedoch “erheblich gefährdet”. DGFG: Online-Register gefährdet Versorgung mit GewebenBereits Anfang März, so erinnert die DGFG, habe sie in einem offenen Brief an den Gesetzgeber appelliert, die Gewebespende in der Reform der etablierten Praxis angemessen zu berücksichtigen (https://gewebenetzwerk.de/online-register-gefaehrdet-versorgung-mit-geweben). Unterstützung habe die Gesellschaft dabei auch von ihren fünf Gesellschafterkliniken erfahren: der Medizinischen Hochschule Hannover, den Universitätskliniken in Dresden, Leipzig und Rostock sowie dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg. In dem neuen Gesetz ist laut DGFG ein Online-Register zur Dokumentation der Entscheidung zur Organ- und auch zur Gewebespende vorgesehen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, welches das Register derweil einrichte, verteile für den Zugriff auf diese Liste sogenannte Verordnungsermächtigungen an ausgewählte Personen, um im Einzelfall die Entscheidung des potenziellen Spenders zu überprüfen. “Dabei völlig außer Acht gelassen und im Gesetz nicht mitberücksichtigt sind Mitarbeiter von Gewebespende-Einrichtungen”, kritisiert die DGFG. Ändere sich an dem bereits in Kraft getretenen Gesetz bis zum Registerstart nichts mehr, könne eine Vielzahl an Gewebespenden nicht mehr realisiert werden, sodass sich die Patientenversorgung mit Gewebetransplantaten in Deutschland “erheblich verschlechtern” würde. Breite Unterstützung für die GewebespendeZusammen mit der niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerin Daniela Behrens, der Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. Marion Charlotte Renneberg, und dem Präsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Michael P. Manns, machte die DGFG anlässlich ihre Jubiläums auf die Bedeutung der Gewebespende für die Patientenversorgung aufmerksam.“Eine Gewebespende ist für viele Menschen die einzige Chance auf Heilung oder Linderung. Der DGFG ist es in den letzten 15 Jahren gelungen, die Gewebespende erfolgreich auszubauen und die Patientenversorgung zu verbessern. Etwa die Hälfte aller Hornhaut-, Herzklappen- und Amniontransplantate werden von Hannover aus in Zentren in ganz Deutschland vermittelt”, unterstrich Behrens, und Manns ergänzte: “Die Gewebespende verdient dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit wie die Organspende.”“Es ist für jeden einzelnen wichtig, sich frühzeitig mit der Frage auseinanderzusetzen, ob eine Gewebespende nach dem Tod infrage kommt”, betonte Renneberg und riet allen, mit der Familie, Freunden, Verwandten und dem Arzt des Vertrauens über dieses Thema zu sprechen. “Denn je häufiger Sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen, desto fundierter können Sie schlussendlich entscheiden.”Im Jahr 2021 spendeten im Netzwerk der DGFG 2923 Menschen Gewebe. Es gingen 6422 Gewebe zur Aufbereitung in die zwölf Gewebebanken des DGFG-Netzwerkes ein. Die DGFG konnte 6608 Menschen mit einem Gewebetransplantat versorgen. Unter den vermittelten Gewebetransplantaten waren 4165 Augenhornhäute. Link zum DGFG-Jahresbericht 2021: https://gewebenetzwerk.de/jahresbericht/DGFG-AufklärungsprojektMit der Fotoausstellung “Gewebespende erleben” Open Air möchte die DGFG die Öffentlichkeit sowie Entscheiderinnen und Entscheider aus der Politik und Gesundheitsbranche für die Gewebespende sensibilisieren. Als Open-Air-Ausstellung ist “Gewebespende erleben” noch bis zum 13. Juni auf dem Hannah-Arendt-Platz in Hannover zu sehen. Die Ausstellung steht auch als Poster-Set für die öffentliche Aufklärungs- und Bildungsarbeit zur Verfügung. Kliniken, Schulen, öffentliche Einrichtungen, Gesundheitsämter und viele weitere sind dazu eingeladen, “Gewebespende erleben” zu zeigen. Hintergrund – 15 Jahre Gewebegesetz: Seit gut 15 Jahren wird nach Angaben der DGFG die Gewebespende unabhängig von der Organspende in Deutschland realisiert. Das Gewebegesetz trat am 1. August 2007 in Kraft. Es setzt die EU-Richtlinie (EG-Geweberichtlinie 2004/23/EG) aus dem Jahr 2004 insbesondere über Änderungen im Transplantationsgesetz und Arzneimittelgesetz um. Die Richtlinie soll europaweit einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Gewebeprodukte schaffen. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt.Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Von 1997 bis 2007 organisierte die DGFG noch als Tochtergesellschaft der DSO (DSO-G) die Gewebespende. 2007 kam es mit Inkrafttreten des Gewebegesetztes zur räumlichen und rechtlichen Trennung von der DSO und zur Gründung der DGFG. Seitdem realisiert die DGFG eigenständig und unabhängig die Gewebespende.Inzwischen führen in der DGFG 48 Koordinatorinnen und Koordinatoren zusammen mit sechs Ärztinnen und Ärzten täglich zahlreiche Gewebeentnahmen durch. Sie realisierten innerhalb der vergangenen 15 Jahre mehr als 29.000 Gewebespenden und konnten so nahezu 60.000 Patienten mit Gewebetransplantaten helfen.
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