1,5 Millionen Euro für Forschung zu ALS und FTD13. Oktober 2023 Dr. Qihui Zhou. (Quelle: DZNE / Frommann) Dr. Qihui Zhou, Neurowissenschaftlerin am DZNE-Standort München, erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro, um Krankheitsmechanismen der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und der Frontotemporalen Demenz (FTD) zu untersuchen. ALS geht mit einer fortschreitenden Lähmung der Muskeln einher und führt – meist innerhalb weniger Jahre – zum Tode, FTD löst kognitiven Verfall aus. Trotz dieser Unterschiede haben die Erkrankungen gemeinsame Merkmale, denn sie liegen an den Enden eines Spektrums neurodegenerativer Störungen mit überlappenden Symptomen. Die meisten Patienten erkranken sporadisch – was bedeutet, dass die Krankheitsursachen unbekannt sind. Gleichwohl sind manche Krankheitsvarianten genetisch bedingt. Hier setzt das Projekt von Zhou an. „In meiner Forschung werde ich mich auf Mutationen in einem Gen namens C9orf72 konzentrieren. Sie sind die häufigste genetische Ursache sowohl bei ALS als auch bei FTD“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Diese Mutationen haben diverse Folgen auf molekularer und zellulärer Skala. Meine Hypothese ist, dass bei all dem Immunzellen eine zentrale und bisher ungeklärte Rolle spielen. Deshalb werde ich mich insbesondere mit T-Zellen beschäftigen, einer Unterart der weißen Blutkörperchen.“ Entzündung im Rampenlicht Zhou betritt mit ihrem innovativen Ansatz weitgehend Neuland. Ihr Forschungsprojekt ist auf fünf Jahre angelegt und wird ein Team von sechs wissenschaftlichen Fachleuten einbeziehen. „Der ERC-Grant gibt mir die großartige Gelegenheit, meine Forschungsgruppe zu erweitern und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen“, sagt die Neurowissenschaftlerin. Die Untersuchungen erfolgen an Zellkulturen, am Mausmodell und an Bioproben von Patienten. Sie stützen sich auf modernste Technologien, um Phänomene zu entschlüsseln, die der Neurodegeneration bei ALS und FTD zugrunde liegen. „Es gibt Hinweise darauf, dass Entzündungen ein entscheidender Aspekt vieler neurodegenerativer Erkrankungen sind. Insbesondere bei ALS und FTD scheint es so zu sein, dass an solchen Entzündungsprozessen nicht nur das Immunsystem des Gehirns beteiligt ist, das ein eigenes Repertoire an Immunzellen hat, sondern auch die Immunzellen des Blutes. Daher möchte ich herausfinden, wie sich Mutationen im C9orf72-Gen auf das Immunsystem des Gehirns und die peripheren Immunzellen auswirken“, erklärt Zhou. „Ich vermute, dass T-Zellen ein Bindeglied zwischen verschiedenen Phänomenen darstellen, die man bei ALS und FTD beobachtet. Diese Immunzellen sehe ich daher als eine Art fehlendes Puzzlestück, das uns helfen wird, die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen. Meine Vision ist, dass dies dazu beitragen wird, Biomarker und Ansatzpunkte für Wirkstoffe zu finden und so die Entwicklung neuer Therapien voranzutreiben.“
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