20 Jahre Vogelgrippe in Deutschland – Forschung und Monitoring bleiben zentral14. Februar 2026 Zwei Singschwäne (Symbolbild) Foto: © Erik – stock.adobe.com Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat einen Beitrag zum Aufkommen der Vogelgrippe „H5N1“ in Deutschland veröffentlicht. Die Wissenschaftler zeigen auf, wie das Virus die hiesige Vogelpopulation am 14. Februar 2006 erstmals erreichte – und im Folgenden auch Säugetiere. Eine engmaschige Überwachung des Seuchengeschehens ist zwingend. Das hochpathogene aviäre Influenzavirus (HPAIV) H5N1 entstand Mitte der 1990er-Jahre in der chinesischen Provinz Guangdong. Es verursachte erstmals 2002 am Qinghai-See in China ein massenhaftes Sterben von Wildvögeln, insbesondere von Streifengänsen. Seit 1997 bestand angesichts der Übertragbarkeit auf den Menschen (Zoonose-Todesfälle in HongKong) und der außergewöhnlich hohen Letalität die begründete Sorge, dass sich das Virus entlang von Zugvogelrouten weit über seinen ursprünglichen Entstehungsort hinaus bis nach Europa ausbreiten könnte. Mit der schrittweisen Ausbreitung nach Westen, insbesondere über Osteuropa ab Herbst 2005, verdichteten sich diese Befürchtungen zunehmend, so das FLI. Im Jahr 2006 waren bereits zwei Katzen betroffen Am „Valentinstag“, den 14. Februar 2006, wurden die schlimmsten Erwartungen schließlich Realität. HPAIV H5N1 erreichte erstmals Deutschland in einem eisigen Winter. Zwei tot aufgefundene Singschwäne an der „Wittower Fähre“ auf Rügen waren PCR-positiv, zahlreiche weitere Wildvögel und die ersten Geflügelbestände folgten. Virusfunde auf der Insel Rügen, eine Woche nach der ersten Feststellung von HPAIV H5N1 bei zwei Singschwänen am 14.02.2006. (© IfE, 2006) Neben Wild- und Hausvögeln waren schon damals vereinzelt auch Säugetiere (ein Steinmarder und zwei Freigänger-Katzen) betroffen, wie das FLI berichtet. Die Aufregung in der Bevölkerung sei sehr groß gewesen. Die Insel Rügen stand über Wochen hinweg im Zentrum der täglichen Berichterstattung. Sie wurde durch umfangreiche Schutz- und Restriktionsmaßnahmen faktisch weitgehend abgeriegelt. Die Bundeswehr half mit und der ganze Landkreis war im Katastrophenmodus. In der Sektion Foto: © FLI Unsicherheit prägte die öffentliche Debatte und das FLI sei stark in den medialen Fokus geraten. Zeitweise kreiste ein Hubschrauber des ZDF um die Insel Riems, wo sich der Hauptsitz des FLI befindet, und jeder kranke oder tote Wildvogel löste Alarm aus. Real-Time-PCR hatte Einstand in einem Ausbruchsgeschehen – lange vor Corona Es war aber auch die Prämiere des massiven Einsatzes der Real-Time PCR für die schnelle und sichere Diagnostik großer Probenzahlen im Rahmen eines solchen Ausbruchsgeschehens, erinnern sich die Wissenschaftler. Also weit vor der Massentestung in der SARS-CoV-2-Pandemie. Seitdem hat sich laut FLI vieles weiter verändert: Die Diagnostik mittels Real-Time PCR wurde perfektioniert. Heutzutage erlaubt Next-Generation-Sequencing (NGS) das schnelle Erfassen ganzer H5N1-Genome in kürzester Zeit, so dass Prozesse wie die Subtypisierung, die früher fast eine Woche dauerte, heute meist innerhalb von 24-48 h abgeschlossen sind. Damit lässt sich der Weg des Virus präziser nachverfolgen, so das FLI. Und auch Risiken können besser eingeschätzt werden – insbesondere im Zusammenspiel von Umwelt, Wildvogelpopulationen und Biosicherheit in Nutztierhaltungen. Auch die Kommunikation ist professioneller geworden, Abläufe zwischen Behörden sind heute weitgehend harmonisiert. Das Virus schläft nicht – es arbeitet rund um die Uhr an sich Aber auch das Virus hat sich immer weiter optimiert, sich global ausgebreitet, neue Kontinente erobert und immer wieder zu Ausbruchswellen in Europa und auch Deutschland geführt. Damit bleibe das Thema „Vogelgrippe“ weiterhin hoch aktuell. Es halte immer wieder auch unerwartete Entwicklungen bereit, wie jüngere Ereignisse in den USA und den Niederlanden zeigten, bei denen HPAI H5N1 Viren Euterentzündungen bei Milchkühen verursachten, so der Wortlaut der Meldung weiter. Ein zuvor kaum vorstellbares Szenario, das zugleich die potenzielle Nähe von H5N1 zum Menschen noch einmal verstärkte. Bei Wildvögeln zeigten sich die Auswirkungen Jahr für Jahr in wechselnden betroffenen herbst- und winterlichen Rastvogelarten. Mal waren es Reiherenten, mal Weißwangengänse, dann Knutts (Strandläufer) – stets verbunden mit massenhaften Todesfällen. Auch im Sommer überdauerte das Virus und führte in Brutkolonien von Küstenvögeln zu erheblichen Verlusten, etwa bei Seeschwalben, Skuas oder Basstölpeln in Nordeuropa. Verheerendes Seuchengeschehen im Herbst/Winter 2025/2026 Im Herbst und Winter 2025/26 verstarben allein in Deutschland und weiteren Teilen Europas Tausende Graukraniche. Auch im Geflügelsektor verursachte das Virus verheerende Verluste, führte nicht selten zu vorübergehend höheren Preisen für Geflügelprodukte und machte bestimmte Produkte z. B. in den USA oder Großbritannien zeitweise knapp oder gar nicht verfügbar. Vogelgrippe-Forschung läuft weiterhin auf Hochtouren Der Schutz von Wildvogelpopulationen und Geflügelbeständen, wirtschaftliche Folgen sowie das Monitoring möglicher zoonotischer Risiken der HPAI Viren und der Schutz des Menschen stellen weiterhin große Herausforderungen dar. Zu diesen Themen forscht das FLI in vielen internationalen Verbundprojekten weiter intensiv. Es berät Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Seuchenbekämpfung, erarbeitet optimierte diagnostische Konzepte, führt Daten zusammen und analysiert sie. Monatliche aktualisierte Risikoabschätzungen unterstützen Geflügelhaltende, Tierärztinnen und Tierärzte sowie Vogelschützende in der Bekämpfung und Prävention vor Ort. dpa-Beitrag: Mecklenburg-Vorpommern: Minister Till Backhaus spricht sich für Impfungen aus Hunderte Zugvögel verendeten 2006 in der Ferienregion – und es sollte erst der Anfang sein. Allein in Mecklenburg-Vorpommern registrierten die Behörden seither mehr als 170 Ausbrüche in Geflügelbetrieben, wie das Umwelt- und Agrarministerium in Schwerin berichtet. Dabei hat das Geschehen in den letzten fünf Jahren deutlich Fahrt aufgenommen. Bis 2020 schlägt das Virus saisonal zu Bis Herbst 2020 schlug das Virus saisonal mit dem Herbstvogelzug und in den darauffolgenden Wintermonaten zu, berichtet Till Backhaus (SPD), der das Geschehen vom ersten Tag an als MV-Agrarminister begleitete. Seit 2021 kommen demnach Infektionen bei Wildvögeln undAusbrüche in Haltungen nach seinen Worten zunehmend ganzjährig vor. Von den 168 Ausbrüchen in Geflügelställen von 2006 bis 2025 wurden 36 bis zum Jahr 2020 festgestellt und 132 in den Jahren 2021 bis 2025.In den ersten Wochen des neuen Jahres gab es in MV auch schon wieder sechs Ausbrüche, so Backhaus. Damit seien seit vergangenem September 20 Ausbrüche in Ställen mit etwa 383.000 Tieren verzeichnet worden. Die Tiere verendeten oder wurden getötet. Ausbruch ist Todesurteil für alle Tiere eines Stalls Bei einem Geflügelpest-Ausbruch muss das ganze Geflügel des betroffenen Betriebes getötet werden. Das Virus gilt als hochansteckend. Um das Unternehmen werden Schutzzonen gezogen, in denen etwa der Handel mit Geflügel eingeschränkt ist. Das Land und die Tierseuchenkasse haben dem Ministerium zufolge seit 2006 gut 14 Millionen Euro Entschädigungen an betroffene Geflügelhalter bezahlt. „Der tatsächliche Schaden für die Betriebe entlang der Wertschöpfungskette ist aber deutlich höher“, so Backhaus. Er spricht sich für die Impfung von Geflügel aus. Das ist aber nicht ganz so einfach. Impfung: Möglich aber kompliziert Zwar ist die Impfung von Nutzgeflügel in der Europäischen Union erlaubt, flächendeckend angewendet wird sie nicht – wegen aufwendiger Kontrollpflichten und weil Betriebe mögliche Handelsbeschränkungen beim Export ihrer Waren befürchten. Ein Impfprogramm in Frankreichbei größeren Entenbeständen habe gezeigt, dass großangelegtes Impfen erfolgreich möglich ist, so Martin Beer, Vizepräsident des FLI.Derzeit müsse regelmäßig offiziell bestätigt werden, dass geimpfte Tiere auch tatsächlich gesund sind. „Es müssen zahlreiche Proben genommen werden, die ein Labor in engen Abständen untersuchen muss. Und wir reden ja nicht von zehn Hühnern, sondern eventuell von einem Betrieb mit zwei Millionen.“ Deshalb gebe es Gespräche auf EU-Ebene, die Regularien zu vereinfachen und künftig vornehmlich krank erscheinende oder verendete Tiere in geimpften Beständen zu untersuchen. Gezielt eingesetztes Impfen könnte helfen, es würde die übrigen Maßnahmen gegen eine Verbreitung von Erregern aber nicht ablösen, so Beer weiter. Das heißt auch, es würde das Töten von Tieren beim Seuchenausbruch nicht komplett verhindern können. Auch Kühe von Vogelgrippe betroffen Zuletzt hatte der erste Vogelgrippe-Nachweis bei einer Kuh außerhalb der USA Aufsehen erregt. In der Milch eines Tieres in den Niederlanden waren im Januar Antikörper gegen den Erreger H5N1 gefunden worden. Das Risiko schätzt das FLI in Greifswald nach eigenen Angaben trotz des neuen Falls für hiesigeWiederkäuer weiter als sehr gering ein – „solange es bei einem Einzelfall bleibt und weitere Untersuchungsergebnisse keine Hinweise auf eine weitere Viruszirkulation bei Rindern liefern“, hatte eine Sprecherin geschrieben. Weitere Beiträge zur Vogelgrippe: Vogelgrippe – banger Blick auf zurückkehrende Zugvögel – Biermann Medizin Vom FLI bereitgestellte Links: Zum aktuellen HPAI-Tierseuchengeschehen
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