20 Jahre Kooperation für krebskranke Kinder9. Juli 2024 Durch die gute Vorbereitung und Begleitung erleben Kinder die Bestrahlung am Zentrum für Protonentherapie des PSI meist ohne Angst. (Quelle: © Markus Fischer | Paul Scherrer Institut PSI) Jubiläum einer Zusammenarbeit der ganz besonderen Art: Vor 20 Jahren begann die enge Kooperation zwischen dem Paul Scherrer Institut PSI und dem Universitäts-Kinderspital Zürich zum Wohle von Kindern, die an Krebs erkrankt sind. Dank dieser Kooperation konnten bislang mehr als 800 auch ganz junge Patienten in der Schweiz mit Protonen bestrahlt werden. Am 5. Juli 2004 wurde am Zentrum für Protonentherapie am PSI erstmals ein Kleinkind unter Narkose bestrahlt: Es war knapp über zwei Jahre alt und litt an einem Weichteiltumor in seiner Augenhöhle. Diese Premiere war nur durch eine Kooperation mit der Abteilung für Anästhesie am Universitäts-Kinderspital Zürich möglich. Deren Fachpersonal betreute vor Ort am PSI in Villigen den kleinen Patienten und stellte sicher, dass er die Bestrahlung buchstäblich im Schlaf überstand. „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kinderspital und PSI ist für mich ein vorbildliches Beispiel“, erklärt Georg Schäppi, CEO des Kinderspitals Zürich. „Hier arbeiten die richtigen Leute aus unterschiedlichen Professionen in einem technisch perfekten Umfeld zusammen und vollbringen so kleine und große Wunder.“ Zwar behandelte das Zentrum für Protonentherapie am PSI bereits zwischen 1999 und 2004 krebskranke Kinder und Jugendliche ab einem Alter von sieben Jahren. Der Durchbruch in der Bestrahlung junger Menschen gelang jedoch erst mit der Unterstützung des Kinderspitals Zürich: Ab da konnten auch Kleinkinder behandelt werden. Denn anders als bei Erwachsenen braucht es bei ihnen normalerweise eine Anästhesie. „Gerade für eine präzise Bestrahlung wie der Protonentherapie darf sich die Person während der Behandlung nicht bewegen“, erklärt Damien Weber, Chefarzt und Leiter des Zentrums für Protonentherapie am PSI. „Für kleine Kinder ist es aber extrem schwierig, während der gesamten Bestrahlungszeit still zu halten.“ Die Ersten in Europa Damals gab es in den USA nur zwei Protonentherapiezentren, die auch Kleinkinder unter Anästhesie bestrahlten: Loma Linda in Kalifornien und Boston. „Dank der Kooperation mit dem Kinderspital konnte das PSI eine solche Behandlung ab 2004 standardmäßig auch in Europa anbieten“, berichtet Weber stolz. Eine leichte Narkose sorgt dafür, dass die Kinder schlafen und somit ruhig liegen, während der tumorzerstörende Protonenstrahl seine Arbeit verrichtet. Die Sedierung ist so abgestimmt, dass die kleinen Patienten nicht husten oder sich bewegen, aber leicht genug, dass sie selbstständig weiter atmen können. Das Anästhesieteam überwacht die Kinder und ihre Körperfunktionen während der Bestrahlung vom Nebenzimmer aus. Insgesamt bekommt die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen, die am PSI bestrahlt werden, eine Narkose. Der jüngste Patient am PSI war drei Monate alt: Das Kind war schon mit Krebs auf die Welt gekommen. Protonentherapie bei Kindern Genau wie Photonen bei der gewöhnlichen Strahlentherapie töten Protonen Krebszellen ab. Protonen sind allerdings Teilchen mit Masse und Ladung, und ihre Eindringtiefe ins Gewebe ist physikalisch ganz genau vorbestimmt. Sie verlieren auf dem Weg durch den Körper nur wenig Energie und geben den größten Teil in ihrem Ziel, dem Tumor, ab. Sie bleiben dort förmlich stecken. Ganz besonders krebskranke Kinder profitierten von einer präzisen Protonentherapie, erklärt Weber. Denn Kinder haben ein höheres Risiko, dass eine Krebsbestrahlung bei ihnen Langzeitschäden verursacht, mit denen sie ihr ganzes weiteres Leben zu kämpfen haben: von Tumoren, die erst durch die Bestrahlung entstehen, über Hörverluste und Beeinträchtigungen im Wachstum bis hin zu Lernschwächen. Jedes Jahr werden 60 bis 70 Kinder und Jugendliche am PSI behandelt; insgesamt waren es bis heute mehr als 800. Die Mehrheit aller jungen Patienten leidet an Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks, am zweithäufigsten sind Sarkome. Das PSI arbeitet auch sehr eng mit der Onkologieabteilung des Kinderspitals Zürich zusammen. „Unsere kollegiale Zusammenarbeit ermöglicht die beste Behandlung der Patientinnen und Patienten“, erklärt Michael Grotzer, ärztlicher Direktor am Kinderspital Zürich. „In gemeinsamen Tumorboard-Besprechungen etwa entscheiden wir zusammen, welche Art Bestrahlung für welches Kind in welchem Zeitrahmen optimal ist, und erstellen so den Therapieplan.“ Dank der Kooperation mit dem Kinderspital kann das Zentrum für Protonentherapie am PSI nicht nur Kinder aus Zürich bestrahlen, sondern auch solche aus anderen Krebszentren in der Schweiz und sogar aus dem Ausland.
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