Wie können Essanfälle vermieden werden?17. Februar 2022 Prof. Anja Hilbert. (Foto: Stefan Straube/UKL) Eine Studie hat erstmals die Behandlung von Essanfällen mit EEG-Neurofeedback, die Steuerung der elektrischen Aktivität des Gehirns, untersucht. Die Wissenschaftlerinnen vom Forschungsbereich Verhaltensmedizin der Universität Leipzig fanden heraus, dass sich die Essanfälle bei den 39 Teilnehmern mit Bing-Eating-Störung durch das Verfahren reduzierten. Aktuelle Studien zeigen, dass bei Menschen mit Binge-Eating-Störung Veränderungen im Elektroenzephalogramm (EEG) zu finden sind. Die Beobachtung veranlasste die Leipziger Wissenschaftlerinnen, diese Veränderungen mit EEG-Neurofeedback zu behandeln. Sowohl das nahrungsspezifische als auch das allgemeine EEG-Neurofeedback reduzierten die Essanfälle um rund 60 Prozent und verbesserten Sorgen um Figur, Gewicht oder das Essen sowie Heißhungergefühle stabil über die dreimonatige Nachuntersuchungszeit hinweg. „Bemerkenswert ist, dass beide EEG-Neurofeedbacktrainings die EEG-Aktivität nach der Behandlung veränderten, was auf spezifische Behandlungswirkungen hinweist, die über einen bloßen Placebo-Effekt hinausgehen“, sagt Prof. Anja Hilbert, die Leiterin der Studie. „EEG-Neurofeedback ist eine neurokognitive Intervention, bei der die EEG-Aktivität in Echtzeit analysiert und auf einem Computerbildschirm, zum Beispiel durch einen sich bewegenden Ball, visualisiert wird. Dadurch wird die sonst nicht spürbare Gehirnaktivität erlebbar und Patient:innen können lernen, sie gezielt zu verändern“, erklärt Marie Blume, Doktorandin an der Medizinischen Fakultät und Autorin der Studie. Insgesamt nahmen 39 Erwachsene mit Binge-Eating-Störung und Übergewicht an der Studie teil. Dabei wurden sie nach dem Zufallsprinzip entweder einem nahrungsspezifischen oder einem allgemeinen EEG-Neurofeedback zugeteilt. In beiden Fällen erfolgte zunächst eine Wartezeit von sechs Wochen, gefolgt von sechs Wochen EEG-Neurofeedbacktraining mit zehn Sitzungen à 30 Minuten und einer dreimonatigen Nachuntersuchungszeit. Die Methode wurde von den Patienten sehr gut angenommen, es gab keine unerwünschten Nebenwirkungen. Studien an größeren Stichproben sind notwendig, um die Wirksamkeit dieser vielversprechenden Behandlung weiter abzusichern und Wirkmechanismen zu identifizieren.
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